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Ausspäh-Affäre: Telekom bespitzelte eigenen Finanzvorstand und "Bild"

Die Bespitzelungsaffäre bei der Telekom zieht immer weitere Kreise. Ins Visier der konzerninternen Fahnder gerieten SPIEGEL-Informationen zufolge auch eigene Vorstände wie der noch amtierende Finanzchef Eick und die "Bild"-Zeitung.

Die Sicherheitsabteilung der Deutschen Telekom AG hat nicht nur Aufsichtsräte und Journalisten ausgespäht. Im Zuge der Bespitzelungsaffäre wurden auch eigene Vorstände wie der noch amtierende Finanzchef Karl-Gerhard Eick verdächtigt, interne Informationen an die Presse weitergereicht zu haben.

Telekom-Vorstand bei der Hauptversammlung 2006 in der Köln Arena (Archivbild): Heinz Klinkhammer, Walter Raizner, Karl-Gerhard Eick, Kai-Uwe Ricke, Klaus Zumwinkel, Rene Obermann und Lothar Paul
Getty Images

Telekom-Vorstand bei der Hauptversammlung 2006 in der Köln Arena (Archivbild): Heinz Klinkhammer, Walter Raizner, Karl-Gerhard Eick, Kai-Uwe Ricke, Klaus Zumwinkel, Rene Obermann und Lothar Paul

Laut internen Untersuchunsberichten der Telekom wurden von ihm und anderen Vorstandskollegen heimlich Reise- und Kalenderdaten ausgewertet, um mögliche Informationslecks zu finden. Auf der Liste der von der Konzernsicherheit verdächtigen Personen hätten neben ehemaligen Managern wie Ex-Chef Ron Sommer und dessen Pressesprecher Jürgen Kindervater auch amtierende Top-Manager des Jahres 2006 gestanden. Neben Eick seien beispielsweise auch der Festnetz-Vorstand Walter Raizner oder Personalchef Heinz Klinkhammer verdächtigt worden.

Später hat die Konzernsicherheit SPIEGEL-Informationen zufolge sogar ein umfangreiches "Konzept zur Ermittlung der Indiskretionen" erarbeitet, das dem Vorstand vorgelegt wurde. Es sah unter anderem das "Erstellen von Profilen" oder das "Erkennen von Beziehungsgeflechten" vor. Ziel: Die Telekom sollte "vom Getriebenen zum Treiber" werden, damit man "agieren statt reagieren" könne.

In diesem Zusammenhang sei auch die "Bild"-Zeitung ins Visier möglicher Spähattacken geraten. So sei der damalige Konzernchef Kai-Uwe Ricke noch kurz vor seiner Ablösung im November 2006 über den Stand der Ermittlungen zu Indiskretionen im Konzern unterrichtet worden. Dabei seien auch "Interna aus Redaktionssitzungen" der "Bild"-Zeitung erwähnt worden. Außerdem seien die Ermittler auf einen mit Maschine geschriebenen Vermerk gestoßen, aus dem sich erkennen ließe, "dass auch eine Quelle ("Maulwurf") aus der 'Bild'-Zeitung' dortige Interna" an die Telekom weitergegeben haben soll.

Ob es den Schnüffler tatsächlich gab oder ob sich ein Sicherheitsmitarbeiter mit dem Bericht nur wichtig machen wollte, ist nach Angaben der Telekom bislang unklar.

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Forum - Wie weit darf Kampf gegen Korruption gehen?
insgesamt 246 Beiträge
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1.
Petra Raab 21.01.2009
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Was genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
2.
Tolotos 21.01.2009
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Es gibt Gesetze, und die sollten in einem Rechtsstaat für alle gelten. Leider ist das in Deutschland schon lange nicht mehr der Fall, und so gibt es hier eine Oberschicht, für die in der Praxis bei vielen Rechtsverstößen die Strafandrohung ausgehebelt ist. Auch bei den Bespitzelungsaffären dürfte für die Initiatoren keine wirklich schmerzhafte Strafe zur Anwendung kommen.
3.
Clownfish 21.01.2009
Zitat von sysopDie Bahn hat Mitarbeiter von einer Detektei überwachen lassen, die schon der Telekom beim Bespitzeln half. Der Staatskonzern verweist auf seinen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wie weit aber darf die Korruptionsabwehr gehen?
Geht garnicht! Ehemaliger Staatsbetrieb hin oder her, aber Kriminalitätsbekämpfung ist Aufgabe des Staates. Vor allem wenn dabei die Privatsphäre der Angestellten verletzt wird.
4.
Reziprozität 21.01.2009
Zitat von Petra RaabWas genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
Allein die DB Bahnbau GmbH hat pro Jahr einen Umsatz von ca. 500 Millionen Euro. Etliche Bauauftraege gehen darueber hinaus an externe Anbieter. Ein nahezu ideales Biotop...
5. Hattu Möhrchen
BluesmanII, 21.01.2009
Zitat von Petra RaabWas genau wird denn bei der Bahn und der Telekom korrumpiert? Die Gleise der Bahn fahren doch immer auf der gleichen Strecke und bei der Telekom schaut es auch nicht anders aus. Wer soll da wen bestechen? Die einzige Korruption, die es gilt zu überwachen sind unsere Politiker und die Banken.
Wenn einer verdient hat überwacht zu werden ist es doch Möhrchen Mähdorf und der Verkehrsminister Tiefensee. Nur glaube ich das es genau umgekehrt ist .Wahrscheinlich gehören diese beiden eher zu den Auftraggebern einer solchen Aktion.Die Codenamen sprechen jedenfalls dafür.Wer Möhrchen will mag auch Eichhörnchen.Psychologisch gesehen ist beides die Verniedlichung von dreisten Aktionen.
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