Auswanderungsrekord DIHK schlägt Alarm

Abenteuerlust und Verzweiflung: Diese Mischung treibt immer mehr Deutsche ins Ausland, wo sie sich bessere Arbeitsbedingungen erhoffen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schlägt Alarm: So viele Menschen wie im vergangenen Jahr seien seit 50 Jahren nicht abgewandert.


Berlin - "Immer mehr junge Leute kehren Deutschland den Rücken", sagt Ludwig Georg Braun in der "Welt". Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zeigt sich entsetzt: "Mit 145.000 Fortzügen hatten wir im vergangenen Jahr seit 1954 die höchste registrierte Abwanderung von Deutschen zu verzeichnen." Das Schlimmste daran sei, dass weit mehr als die Hälfte der deutschen Emigranten jünger als 35 sind. "Darunter sind viele qualifizierte und hoch motivierte Köpfe. Das ist ein Alarmzeichen."

Für den DIHK-Präsidenten sind die Gründe für die Auswanderungswelle klar: "Eine zentrale Ursache für diesen Brain-Drain ist, dass andere Länder oft bessere Standortbedingungen haben als Deutschland", sagt er und kritisiert erneut hohe Steuern und Sozialabgaben. Der Arbeitsmarkt sei praktisch undurchlässig und die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur defizitär.

Brauns Schlussfolgerung: "Deutschland muss endlich seine Strukturprobleme anpacken und so für qualifizierte Fachleute ein möglichst attraktiver Standort sein." Außerdem müsse der deutsche Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Ausländer stärker geöffnet werden.

ase/Reuters



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