Luxemburg - Nicolas Sarkozy und Angela Merkel haben sich geeinigt: Sie wünschen sich die Beteiligung privater Gläubiger bei der Rettung Griechenlands, allerdings nur "auf freiwilliger Grundlage". Damit ist die Kanzlerin ihren Kritikern entgegengekommen - unter anderem Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker. Der hat nun noch einmal gewarnt: Die Beteiligung privater Gläubiger könne dazu führen, dass die Rating-Agenturen Griechenland als "zahlungsunfähig" einstufen.
Das könnte extreme Folgen für andere Staaten in der Währungsgemeinschaft haben: "Die Pleite kann Portugal anstecken und Irland und dann wegen der hohen Schulden auch Belgien und Italien, noch vor Spanien", sagte der luxemburgische Premierminister der "Süddeutschen Zeitung".
Dem "Luxemburger Wort" sagte Juncker, es habe sich gezeigt, "dass Rating-Agenturen und andere Marktteilnehmer potentiellen Verlängerungseffekten einer falschen Behandlung der griechischen Schuldenkrise eine enorme Aufmerksamkeit widmen". Jede Beteiligung privater Gläubiger müsse deshalb freiwilliger Natur sein, so Juncker. "Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass die Regierungen massiv Druck auf die Griechenland-Investoren machen und nur nach außen hin den Anschein wahren würden, es handele sich um eine freiwillige Aktion."
Wie zum Beweis seiner Warnung drohte die Rating-Agentur Moody's Italien am Freitagabend mit einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die derzeitige Bonitätsnote von "Aa2", die drittbeste Note bei Moody's sei in Gefahr. Die Rating-Agentur begründete ihr Vorgehen mit der strukturellen Schwäche der italienischen Wirtschaft, die das Wirtschaftswachstum belaste. Zudem dürften steigende Zinsen die Konjunktur in Italien dämpfen. Italien leidet seit vielen Jahren unter einer ausgeprägten Wachstumsschwäche.
Für die Konsolidierungspläne der italienischen Regierung gebe es Umsetzungsrisiken, schreibt Moody's. Die Konsolidierung des Haushaltes sei aber notwendig, um den Schuldenstand auf einem erträglichen Niveau zu halten. Italien hat mit 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand in der Euro-Zone. Erlaubt sind in der Euro-Zone eigentlich nur 60 Prozent. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Eine Schuldenkrise des Landes wäre daher für die EU kaum zu bewältigen.
IFW sieht Griechenland als Gefahr für Weltwirtschaft
Ab Sonntag beraten die Euro-Finanzminister in Luxemburg über die Hilfen für Griechenland, Ende kommender Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum EU-Gipfel.
Wie sehr eine Entscheidung drängt, zeigt eine Einschätzung des Internationalen Währungsfonds ( IWF): Demnach stellt die griechische Schuldenkrise über Europa hinaus eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. In seiner am Freitag in Washington vorgestellten Finanzprognose erklärte der IWF, Investoren seien zunehmend darüber in Sorge, dass die griechische Regierung die notwendigen Maßnahmen zur Abwendung eines Staatsbankrotts nicht durchsetzen könne.
Die Weltwirtschaft wird laut IWF in diesem Jahr mit voraussichtlich 4,3 Prozent etwas weniger als noch im April geschätzt wachsen. Damals war noch ein Wachstum von 4,4 Prozent erwartet worden. Das Wachstum könne wegen der gewaltigen Staatsdefizite in den USA und Japan und den damit verbundenen Problemen noch geringer ausfallen. Für die USA prognostizierte der IWF ein Wachstum von 2,5 Prozent in diesem Jahr, das sind 0,3 Prozent weniger als im April geschätzt.
hut/dpa/dapd
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