Autobauer in der Krise Union lehnt Staatseinstieg bei Opel kategorisch ab

Opel spaltet die Große Koalition: Unionsfraktionschef Volker Kauder will der angeschlagenen GM-Tochter keine Sonderrolle zubilligen: Eine Beteiligung mit Steuergeldern "kommt überhaupt nicht in Frage." SPD-Arbeitsminister Scholz fordert dagegen den Einstieg des Staates.


Leipzig/Hamburg - Die Große Koalition streitet um Staatshilfen für Opel: Im Ringen um die Rettung des von der Pleite bedrohten Autobauers hat die CDU den SPD-Versprechungen auf schnelle Staatshilfe eine strikte Absage erteilt und jegliche Vorzugsbehandlung abgelehnt.

Opel-Logos: "Sonderrechte gibt es nicht"
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Opel-Logos: "Sonderrechte gibt es nicht"

"Für alle Unternehmen im Land muss es die gleichen Regelungen geben. Keine Sonderbehandlung für niemand", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Leipziger Volkszeitung". Jeder Arbeitsplatz sei gleich wichtig. Auch bei Märklin oder Schiesser seien Tausende von Arbeitsplätzen betroffen, sagte Kauder und verwies damit auf andere deutsche Traditionsunternehmen, die in die Insolvenz geraten sind.

"Ohne überzeugendes Rettungskonzept, ohne neuen Investor und ohne eine sich engagierende Hausbank kann Opel nicht auf Hilfe hoffen", sagte der Unionspolitiker. "Sonderrechte gibt es für Opel nicht. Und eine direkte Staatsbeteiligung kommt überhaupt nicht in Frage."

Kauder stellt sich damit gegen Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Scholz hatte sich in der "Bild am Sonntag" für eine staatliche Beteiligung bei Opel ausgesprochen. "Ich fürchte mich nicht davor, dass der Staat bei Opel einsteigt", sagte der Minister dem Blatt.

Scholz warb zudem dafür, das Unternehmen unter allen Umständen zu retten. "Opel sterben zu lassen, wäre mehr als ein Fehler, es wäre ein unentschuldbares Regierungsversagen", erklärte der SPD-Politiker.

Opel droht angesichts der prekären Finanzlage beim US-Mutterkonzern General Motors (GM) Chart zeigendie Insolvenz. Der Konzern hat europaweit staatliche Bürgschaften über 3,3 Milliarden Euro beantragt, den Großteil davon bei der Bundesregierung. Eine Entscheidung dazu steht noch aus, zumal der vom Management vorgelegte Rettungsplan aus Sicht der Großen Koalition noch viele Fragen offenlässt. Außerdem will GM sich von Opel-Anteilen trennen und auf die Position des Juniorpartners zurückziehen.

Die Suche nach einem Käufer zieht sich nach SPIEGEL-Informationen allerdings in die Länge: Bislang sei "kein Investor in Sicht" sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Jochen Homann, nach Berichten von Teilnehmern einer Beamtenrunde, die sich vergangene Woche im Anschluss an die US-Reise von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg traf.

Guttenberg hatte in den vergangenen Tagen mehrfach behauptet, es gebe für Opel Interessenten, seriöse und weniger seriöse. Weiter sagte Homann den Berichten zufolge, dass die Opel-Mutter GM nicht bereit sei, Geld in den europäischen Ableger zu stecken. Das hätten Konzernchef Rick Wagoner und dessen Vize Fritz Henderson Guttenberg bei einem Treffen in Washington mitgeteilt. Der Staatssekretär bestreitet die Darstellung.

Am 31. März will Bundeskanzlerin Angela Merkel den Opel-Stammsitz in Rüsselsheim besuchen, um sich dort mit Werksleitung und Betriebsrat zu treffen und sich die Fertigung anzusehen. Das Schicksal von Opel wird auch beim Deutschland-Besuch von US-Präsident Barack Obama für Diskussionsstoff sorgen.* Regierungssprecher Thomas Steg sagte am Freitag, das Treffen am 3. April biete die Möglichkeit, sich "unmittelbar, auch im direkten Gespräch" über Opel zu verständigen.

Opel in Deutschland: Traditionsmarke mit Krisenerfahrung
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Die Wurzeln
Das 146 Jahre alte Traditionsunternehmen Opel produzierte ursprünglich Nähmaschinen und Fahrräder. Erst später entwickelte es sich zum größten deutschen, europaweit tätigen Autohersteller. 1929 übernahm der US-Konzern General Motors die Adam Opel AG - für den seinerzeit enormen Betrag von 33,4 Millionen Dollar.

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Die Krisenzeiten
In den neunziger Jahren geriet der Autobauer erstmals in heftige Turbulenzen: 1997 fuhr die Adam Opel AG mit 228 Millionen Mark erstmals in die Verlustzone. Es folgten Sparprogramme unter dem später in die Führung von GM-Europe aufgerückten Manager Carl-Peter Forster. Zurzeit leidet Opel vor allem unter den Problemen des Mutterkonzerns: General Motors droht angesichts eines massiven Absatzeinbruchs das Aus.

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Das Werk in Rüsselsheim
Rüsselsheim in Hessen ist der Stammsitz des 146 Jahre alten Unternehmens. Hier arbeiten 18.300 Mitarbeiter. Neben der Zentrale ist hier das Internationale Technische Entwicklungszentrum und ein neu errichtetes Werk angesiedelt (Jahreskapazität: 270.000 Einheiten). Dazu kommt noch das Testcenter im nahen Dudenhofen.

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...Bochum
Seit 1962 ist Opel am Standort Bochum in Nordrhein-Westfalen tätig. Mittlerweile werden drei Werke auf einem ehemaligen Zechengelände betrieben. Die 5300 Mitarbeiter stellen vor allem den Astra, Zafira, Achsen und Getriebe her. 2007 wurden rund 240.000 Fahrzeuge gebaut.

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...Kaiserslautern
In Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz stellen rund 1200 Mitarbeiter Vierzylinder-Leichtmetall-Ottomotoren und Vierzylinder-Turbodieselmotoren mit Commonrail-Kraftstoffeinspritzung her. Im Komponentenwerk sind weitere 2300 Mitarbeiter tätig. Opel ist seit 1966 in Kaiserslautern.

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...Eisenach
Bei der Opel Eisenach GmbH in Thüringen produzieren 1900 Mitarbeiter den neuen Corsa. Das Werk machte 1992 kurz nach der Wende auf.

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suc/ddp/Reuters/AFP/AP

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