Autoindustrie: Nissan unterstützt mögliche Allianz mit GM

Die Führung des japanischen Autobauers Nissan hat sich für Gespräche über eine mögliche Kooperation mit General Motors ausgesprochen. Dem Betriebsrat von GM sind solche Ideen gar nicht willkommen - die Arbeitnehmer sehen ihre Jobs bedroht.

Paris - Nissan teilte heute mit, dass sich die Unternehmensführung des japanischen Autobauers für Gespräche über eine mögliche Allianz mit General Motors (GM) ausgesprochen hat. Beim französischen Autokonzern und Nissan-Partner Renault dauerten die Beratungen über einen Einstieg bei dem angeschlagenen US-Konkurrenten unterdessen an.

GM-Investor Kerkorian: Nissan und Renault sollen bei GM einsteigen
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GM-Investor Kerkorian: Nissan und Renault sollen bei GM einsteigen

Auf einer Vorstandssitzung sollte es darum gehen, ob Renault und sein Partner Nissan einen Anteil an GM übernehmen, sagte der französische Finanzminister Thierry Breton im Radiosender Europe-1. Er habe sich am Wochenende mehrmals mit Renault-Chef Carlos Ghosn getroffen, um über das mögliche Bündnis zu sprechen. Die französische Regierung hält 15 Prozent Anteile an Renault.

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo hatte zuvor berichtet, Renault und Nissan wollten bis zu 20 Prozent der im Umlauf befindlichen GM-Aktien kaufen. Renault hält einen 44-prozentigen Anteil am japanischen Autobauer Nissan, der umgekehrt zu 15 Prozent an dem französischen Konzern beteiligt ist.

Die mögliche amerikanisch-französisch-japanische Allianz hatte der GM-Großaktionär Kirk Kerkorian gefordert, der darin eine neue Perspektive für den finanziell angeschlagenen amerikanischen Autobauer sieht. Der Milliardär Kerkorian hatte 1998 als Chrysler-Aktionär auch von der Fusion zwischen Daimler-Benz und dem US-Autohersteller profitiert, das Unternehmen später jedoch verklagt, weil ihm als Investor angeblich Informationen vorenthalten worden seien. Der Aktienkurs von DaimlerChrysler erreichte bei dem Zusammenschluss 1998 ein Hoch von mehr als 90 Euro, fiel dann jedoch ab und liegt heute bei knapp 40 Euro.

Furcht vor Stellenabbau

Die Arbeitnehmervertreter von GM in Europa befürchten negative Auswirkungen auf die Arbeitsplätze im Fall einer möglichen Allianz. Das sagte der europäische GM-Betriebsratsvorsitzende, Klaus Franz, in Brüssel während eines Treffens der Arbeitnehmervertreter. So würden zum Beispiel die GM-Tochter Opel und Renault in Europa eine ähnliche Produktpalette anbieten.

Franz, der auch dem Opel-Gesamtbetriebsrat vorsteht, gibt sich mit Blick auf Zusammenschlüsse zwischen Autokonzernen insgesamt skeptisch: "Die Mega-Mergers der Vergangenheit haben gezeigt, dass zwar kurzfristig die Aktienkurse hochgehen, aber die langfristigen Probleme bleiben." Die GM-Betriebsräte wollten nun vorsorglich Kontakt zu den Arbeitnehmervertretern von Renault aufnehmen, kündigte Franz an.

Die GM-Betriebsräte hatten bei einem Treffen in Brüssel, auf dem eigentlich das weitere Vorgehen gegen die drohende Schließung des portugiesischen Opel-Werks besprochen werden sollte, das Thema sofort auf die Tagesordnung gesetzt. GM macht derzeit erheblichen Druck auf seine westeuropäischen Werke, der sich im Fall einer Zusammenarbeit mit Renault und dem verbundenen Hersteller Nissan nach Einschätzung des Betriebsrats noch erhöhen könnte.

tim/AP/dpa-AFX

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