Autokrise Daimler-Chef Zetsche kappt Boni und Dividende

Daimler-Chef Zetsche stimmt Belegschaft und Aktionäre auf harte Zeiten ein: Dem massiven Gewinnneinbruch 2008 setzt er ein Sparprogramm entgegen. Boni werden gekürzt, die Dividende gekappt - und die Führungskräfte bekommen keine Gehaltserhöhung.


Stuttgart - Im Rückblick auf 2008 spricht Daimler-Chef Dieter Zetsche von einem "Jahr der zwei Gesichter". Bei der Vorstellung der Konzernzahlen berichtete der Manager von Rekordverkäufen in den ersten sechs Monaten und massiven Einbrüchen infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise in der zweiten Jahreshälfte.

Daimler-Chef Zetsche: "Jahr der zwei Gesichter"
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Daimler-Chef Zetsche: "Jahr der zwei Gesichter"

Die Nachfrageschwäche in den vergangenen Monaten hat in der Bilanz des Automobilherstellers entsprechend deutliche Spuren hinterlassen. Der operative Gewinn (Ebit) schrumpfte im Gesamtjahr von 8,7 Milliarden Euro auf 2,7 Milliarden Euro. Finanzvorstand Bodo Uebber sprach von einem "empfindlichen Ergebnisrückgang".

Außerordentliche Abschreibungen auf Fahrzeugbestände, eine weitere Milliardenbelastung durch die verbliebene Beteiligung an Chrysler und ein Sanierungsprogramm für die US-Lkw-Sparte verhagelten Daimler die Bilanz. Besonders hart wurde die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars getroffen, die im Schlussquartal 2008 einen Verlust von 359 Millionen Euro verbuchte. Vor Jahresfrist hatte die frühere Ertragsperle im Konzern noch eine Rekordrendite von mehr als zehn Prozent abgeworfen.

Zetsche geht auf Sparkurs

Zetsche will mit kurzfristigen Sparmaßnahmen die Kosten bei dem Autobauer deutlich senken. Er sehe ein Potential von mehreren Milliarden Euro in diesem Jahr. "Sämtliche Budgets im Konzern werden auf den Prüfstand gestellt", erklärte der Konzernchef. "Alles was nicht unmittelbar wettbewerbsrelevant ist, stellen wir zurück", ergänzte Finanzvorstand Uebber. So ist der Neubau der Konzernzentrale in Untertürkheim offenbar auf Eis gelegt.

Im Bereich der kriselnden Mercedes-Benz-Sparte soll das Programm zur Effizienzsteigerung "GoFor10" beschleunigt werden. Ziele sind unter anderem die Senkung der Fixkosten, die Verschlankung der Organisation und die Steigerung der Erlöse durch die engere Abstimmung von Produktion und Vertrieb.

Lohnerhöhungen beschränkt der Konzern im laufenden Jahr auf die tariflichen Anpassungen. Außertarifliche Bestandteile fallen weg. Zudem wird die Vergütung der Führungskräfte 2009 nicht erhöht und das Belegschaftsaktienprogramm ausgesetzt.

Die rund 118.000 anspruchsberechtigten Beschäftigten in Deutschland bekämen für 2008 zudem lediglich 1900 Euro Bonus, hieß es weiter. Für das Jahr 2007 hatte Daimler noch den Rekordwert von 3750 Euro je Beschäftigten gezahlt.

Weil der Konzern seine Finanzmittel zusammenhalten will, um die Absatzkrise auf den Pkw- und Lkw-Märkten durchstehen zu können, bekommen auch die Aktionäre den Sparkurs zu spüren. Die Dividende kürzt Daimler auf 60 Cent je Aktie. Für 2007 hatte das Unternehmen noch zwei Euro je Aktie ausgeschüttet, nachdem der Autobauer lange Jahre nur 1,50 Euro gezahlt hatte.

An anderer Stelle hat der Konzern die Sparpotentiale bereits nahezu ausgeschöpft. So bieten die flexiblen Arbeitszeitkonten keinen Spielraum mehr. In der Pkw- und der Transporter-Sparte herrscht nach Angaben von Zetsche bereits flächendeckend Kurzarbeit. 50.000 Beschäftigte sind betroffen.

Dennoch legt der Daimler-Chef auch hier noch einmal nach: In der Pkw-Sparte sei für die Woche nach Ostern eine einwöchige Produktionspause geplant, auch im Sommer soll es eine Blockpause geben. Ähnliche Produktionsstopps seien auch für die Nutzfahrzeug- Sparte vorgesehen.

"Weitere erhebliche Belastungen"

Tatsächlich bleiben die Aussichten für den Konzern trübe. Absatz und Umsatz würden in allen automobilen Geschäftsfeldern in diesem Jahr sinken, stellte der Stuttgarter Konzern in Aussicht. Es sei mit "weiteren erheblichen Belastungen" zu rechnen. Vor allem im ersten Quartal erwartet Zetsche keine Verbesserung des Ergebnisses.

"Aus heutiger Sicht könnte sich die weltweite Pkw-Nachfrage im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um weitere zehn Prozent abschwächen", sagte der Manager. Auch in den Schwellenländern seien nach den Boomjahren nun rückläufige Absatzzahlen zu erwarten. Die Aussichten für die großen Nutzfahrzeugmärkte seien ebenfalls "ungünstig", räumte der Vorstandschef ein.

Eine konkrete Geschäftsprognose traute Zetsche sich nicht zu. Die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft sei noch nicht absehbar.

suc/Reuters/dpa/AP/dpa-AFX



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