Autokrise Daimler schickt Zehntausende in Kurzarbeit

Nach bis zu vier Wochen Stillstand sollen bei Daimler am Montag die Bänder wieder anlaufen. Doch die Freude darüber wird getrübt: Wegen der anhaltenden Absatzkrise wird jetzt kürzer gearbeitet. Auf diese Weise wollen auch andere Dax-Konzerne Entlassungen vermeiden.


Stuttgart - Kaum sind die Mitarbeiter aus den verlängerten Weihnachtsferien zurück, schon gibt es den nächsten Einschnitt: Beim Autohersteller Daimler Chart zeigen werden ab Montag Zehntausende Beschäftigte für mehrere Wochen nur noch verkürzt arbeiten.

Mercedes-Produktion in Sindelfingen: Daimler hat die Wirtschaftskrise hart getroffen
DDP

Mercedes-Produktion in Sindelfingen: Daimler hat die Wirtschaftskrise hart getroffen

Betroffen von der Kurzarbeit sind neben dem Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim auch das größte Werk des Konzerns in Sindelfingen (beide Baden-Württemberg) sowie mehrere andere Pkw-Standorte in Deutschland. Unternehmensleitung und Betriebsrat hatten für die einzelnen Standorte jeweils individuelle Lösungen vereinbart.

Im Stammwerk werden 10.000 der 18.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Hier ist bis Ende März eine Viertagewoche geplant, zeitweise auch eine DreitagewWoche. Außerdem soll es rund um die Faschingsfeiertage eine mehrtägige Pause geben.

Für rund 20.000 der 28.800 Beschäftigten im Montagewerk Sindelfingen, wo vor allem die Mercedes-Benz S-, E- und C-Klasse gebaut werden, gelten die gleichen Regeln wie in Untertürkheim. Im baden-württembergischen Pkw-Werk Rastatt arbeiten zunächst bis Ende Februar 4900 der 6100 Mitarbeiter kurz.

Im Brandenburger Transporterwerk des Konzerns in Ludwigsfelde ist im Januar ebenfalls Kurzarbeit geplant - in Form einer Produktionspause von einer Woche. Im Berliner Werk wird voraussichtlich bis Ende März kurzgearbeitet, für Bremen und Düsseldorf sollen erst noch genaue Termine vereinbart werden. In Hamburg gilt bereits seit einigen Tagen Kurzarbeit für 1700 der 2600 Beschäftigten.

Dax-Konzerne wollen Kündigungen vermeiden

Daimler-Personalvorstand Günther Fleig sagte am Freitag in Berlin, alle 30 größten deutschen Unternehmen wollten betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Die Personalchefs der im deutschen Leitindex Dax notierten Konzerne würden alle Instrumente voll nutzen, um Entlassungen zu umgehen, sagte Fleig bei einem Treffen mit Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Die Unternehmen wollten damit für Vertrauen bei den Mitarbeitern sorgen.

Kurzarbeit ist eine Möglichkeit für Unternehmen, Kündigungen zu vermeiden. Die Betroffenen arbeiten über einen gewissen Zeitraum hinweg weniger oder gar nicht. Der dadurch entstehende Verdienstausfall wird vom Staat zum Teil ausgeglichen. Zuständig für diese Leistung ist die Bundesagentur für Arbeit. Die Daimler-Mitarbeiter in Baden-Württemberg bekommen während der Kurzarbeit bis zu 80 Prozent des Bruttogehaltes vom Unternehmen. Die Bundesanstalt für Arbeit legt dann noch Kurzarbeitergeld drauf.

Die Regelungen unterscheiden sich in den Bundesländern: In Baden-Württemberg zum Beispiel können auf dem Lohnzettel eines Beschäftigten am Monatsende 97 Prozent eines regulären Nettogehalts stehen. Für die Mitarbeiter in anderen Bundesländern will der Betriebsrat erreichen, dass die Beschäftigten in der Produktion mehr als 90 Prozent ihres normalen Netto-Entgeltes bekommen.

Grund für die Einschnitte bei der Arbeitszeit ist die globale Wirtschaftskrise, die die Autoindustrie besonders hart getroffen hat. Daimler verzichtet vorerst gänzlich darauf, eine Prognose für 2009 abzugeben. Im zurückliegenden Jahr musste der Autoriese bereits Einschnitte hinnehmen. Der Absatz der Automarken Mercedes-Benz, AMG, Smart und Maybach sank um 2,3 Prozent auf 1,256 Millionen ausgelieferte Wagen. Im vierten Quartal 2008 war der Absatz jedoch massiv eingebrochen.

cwi/kaz/dpa/ddp

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.