Autoverkaufszahlen Abwrackprämie treibt Opel-Absatz nach oben

Der Erfolg kommt zum richtigen Zeitpunkt: Opel hat im April erneut deutlich mehr Autos verkauft - der Abwrackprämie sei Dank. Um die Übernahme der angeschlagenen GM-Tochter konkurrieren derzeit der Zulieferer Magna und der italienische Fiat-Konzern.


Rüsselsheim - 38.000 Zulassungen im April - das ist der zweite Platz hinter Volkswagen Chart zeigen: Der kriselnde Autohersteller Opel hat im April seinen Marktanteil in Deutschland auf zehn Prozent gesteigert. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Vor Jahresfrist hatte der Marktanteil 8,8 Prozent betragen.

Neuwagen im Bochumer Opel-Werk: Abwrackprämie führt zu Absatzboom
AP

Neuwagen im Bochumer Opel-Werk: Abwrackprämie führt zu Absatzboom

Grund für den Aufwärtstrend ist laut Opel die staatliche Abwrackprämie für Altautos und der Erfolg des neuen Mittelklassemodells Insignia. Es habe neben den stark gefragten Volumenmodellen Astra, Agila und Corsa einen beachtlichen Teil beigetragen. In den ersten vier Monaten des Jahres sei er europaweit bereits mehr als 100.000-mal verkauft worden.

Doch von dem Konjunkturpaket für die Autobranche profitiert nicht nur die Tochter des angeschlagenen US-Herstellers General Motors (GM) Chart zeigen. Der deutsche Automarkt hat insgesamt weiter kräftig angezogen. Mit fast 380.000 Neuzulassungen wurde der Wert des Vorjahresmonats um 19,4 Prozent übertroffen, wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) in Bad Homburg mitteilte.

Plus 40 Prozent im Inland

Damit setzt sich im April der steile Aufwärtstrend des Gesamtmarkts im März fort. Mit 401.000 Neuzulassungen war der Inlandsabsatz im März um 40 Prozent auf das höchste Volumen seit dem Wiedervereinigungsboom gestiegenen. Im ersten Quartal war der deutsche Pkw-Markt um 18 Prozent auf über 868.000 Fahrzeuge gewachsen. Der Branchenverband VDA korrigierte angesichts der guten Zahlen seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben und erwartet einen Inlandsabsatz deutlich über dem 2008er-Niveau von 3,09 Millionen Autos. Allerdings sind es vor allem die Hersteller von Klein- und Mittelklassewagen, die den Boom spüren: Die Autokäufer entschieden sich überdurchschnittlich oft für kleinere Modelle. Der Marktanteil der Autoimporteure lag nach Verbandsangaben im April bei rund 42 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Wert von rund 35 Prozent.

Für Opel kommen die guten Zahlen genau im richtigen Moment: Derzeit konkurrieren Fiat Chart zeigen und der Zulieferer Magna Chart zeigen um den Zuschlag, den angeschlagenen Hersteller zu übernehmen. Erst am Montag hatte der italienische Autokonzern Fiat ein Grobkonzept für die Opel-Übernahme vorgelegt. Am Dienstag legte Magna dann nach: Der österreichisch-kanadische Konzern hat Verhandlungen über einen Einstieg bei Opel bestätigt. Die Gespräche mit Opel, der US-amerikanischen Mutter GM und Behörden in Deutschland seien aufgenommen worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Bundesregierung will schnelle Lösung

Es handele sich dabei um potentielle Alternativen für die "Zukunft von Opel, einschließlich der möglichen Übernahme einer Minderheitsbeteiligung an Opel durch Magna", hieß es weiter. Dass sich daraus eine Transaktion ergeben werde, könne nicht gewährleistet werden, schränkten die Verantwortlichen ein.

Magna-Gründer Frank Stronach hatte vergangene Woche erklärt, er wolle Opel nicht als Abnehmer verlieren. Es sei im Interesse von Magna, dass es Opel gut gehe. "Wir haben ungefähr 1,5 Milliarden Dollar Barreserven auf der Bank", wurde Stronach zitiert. "Da können wir ruhig in ein Geschäft hinein gehen, ohne uns selbst zu gefährden."

Der marode russische Autobauer Gaz des Oligarchen Oleg Deripaska gilt nach Einschätzung Moskauer Experten allerdings als wenig wahrscheinlicher Kandidat für eine Beteiligung an Opel. "Wir glauben nicht, dass GAZ selbst einen kleinen Opel-Anteil übernehmen kann. Der Konzern kämpft ums Überleben und muss 1,5 Milliarden Dollar umschulden", sagte Gennadi Suchanow von der Moskauer Investmentbank Troika Dialog. Er sehe keine bedeutenden Synergie-Effekte zwischen Opel und Gaz als traditionellem Hersteller von Nutzfahrzeugen.

In Deutschland wird neben den Fiat-Ambitionen für Opel seit längerem auch über eine russische Variante spekuliert. Demnach könnten der mit Gaz verbundene Autozulieferer Magna 19 Prozent und Gaz gemeinsam mit Sberbank zusammen 35 Prozent an Opel kaufen. Allerdings dementierten sowohl Russlands größte Geschäftsbank, die staatliche Sberbank, als auch Gaz selbst wiederholt, Opel-Pläne zu haben.

"Ich brauche die Werke"

Die Bundesregierung hofft auf eine schnelle Lösung für Opel. "Die Entscheidung sollte jetzt nicht auf ewig hinausgeschoben werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Montagabend im ZDF. Mit Blick auf die Fiat-Pläne erklärte Guttenberg, die Angebote der Interessenten sollten genau geprüft und nicht schon von vornherein verdammt werden. Vorfestlegungen der Regierung gebe es keine. Nun müsse auch Magna noch mehr Einzelheiten zu seinen Vorstellungen nennen, betonte Guttenberg in einem anderen Interview in der ARD.

Fiat hat seine Offerte unterdessen konkretisiert. Der italienische Hersteller will alle vier deutschen Opel-Standorte nach einer möglichen Fusion erhalten. Der "Bild"-Zeitung sagte Fiat-Chef Marchionne: "Wir wollen keines der vier Opel-Werke in Deutschland schließen. Ich brauche die Werke in der Zukunft, um genügend Autos zu bauen. Aber natürlich müssen die Belegschaften verkleinert werden. Das wird niemand ändern können." Die Werke müssten effizienter werden.

Noch nach dem Treffen am Montag hatte Wirtschaftsminister Guttenberg erklärt, das Komponentenwerk in Kaiserslautern könnte bei einem Einstieg "negativ betroffen" sein. Die Italiener hätten lediglich den Erhalt der Montagestandorte in Bochum, Eisenach und Rüsselsheim zugesichert. Auch das Überleben der Marke Opel sei zugesagt worden.

"Opel verbrennt derzeit Geld"

Auf eine genaue Zahl beim Abbau von Arbeitsplätzen wollte sich der Fiat-Chef Marchionne nicht festlegen: "Ich kann Ihnen heute aber noch nicht sagen, wie viele Mitarbeiter wir brauchen. Aber es werden weniger sein. Bitte vergessen Sie nicht: Der erste Rettungsplan von Opel selbst sah die Schließung von zwei Werken vor."

Zu den Bedenken des Opel-Betriebsrates und der Gewerkschaften zu einem möglichen Fiat-Einstieg sagte Marchionne: "Opel kann in seiner jetzigen Größe niemals Geld verdienen und wenn man kein Geld verdient, kann man nicht überleben. Ich verstehe die Ängste der Gewerkschaften - aber so ist die Realität."

Bei der Übernahme setzt Marchionne auf staatliche Finanzhilfe: "Opel verbrennt derzeit Geld, deswegen haben sie um Staatshilfe gebeten. Deshalb muss der Staat mit Bürgschaften einsteigen. Das darf aber nicht zu lange dauern. Der Staat hat bei Opel auf Dauer nichts verloren. Wir müssen es ohne Steuergelder schaffen. Deshalb wollen wir die Bürgschaften in spätestens drei Jahren zurückzahlen", sagte der Fiat-Chef.

Auch zum Konkurrenten Magna äußerte sich der Manager: Dieser wolle mit russischer Hilfe bei Opel einsteigen. "Wenn die deutsche Regierung das für eine gute Lösung hält, würde mich das überraschen." Fiats Plan sei ein echter europäischer Autokonzern, der weltweit erfolgreich sein werde. "Das macht Arbeitsplätze weltweit und in Deutschland zukunftssicher."

sam/dpa-AFX/AP/Reuters/ddp



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IsArenas, 27.04.2009
1.
Fiat! Soviel Lokalpatriotismus muss sein. Lust wär's und gut iss. Ahnung habe ich nicht, aber die Wahrscheinlichkeit daneben zu liegen, ist aus meiner Sicht bei der Alternative genauso groß, eben deshalb, weil eh NIEMAND den Durchblick hat.
m-pesch, 27.04.2009
2.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
Egal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
Hartmut Dresia, 27.04.2009
3.
Zitat von sysopFür Opel gibt es mehrere Interessenten. Wer wäre Ihrer Meinung nach der beste Investor?
So oder so, 5 Milliarden Euro könnte den Staat die Rettung kosten (http://www.plantor.de/2009/opel-5-milliarden-euro-koennte-den-staat-die-rettung-kosten/). Schon jetzt kämpft die Autoindustrie mit großen Überkapazitäten. Sergio Marchionne, Fiat-Chef und UBS-Vizepräsident, glaubt, dass letztlich nur sechs oder fünf globale Autokonzerne überleben werden. Von den 94 Millionen Autos Jahreskapazität seien 30 Millionen überflüssig. Er erwarte eine Welle von Konsolidierungen.
rkinfo 27.04.2009
4.
Zitat von m-peschEgal wer Opel übernimmt. Er muß erst mal garantieren das die nächsten Jahrzehnte in diesem hochprofitablen Weltunternehmen kein einziger Arbeitsplatz abgebaut wird. Und außerdem muß er anerkennen das in dem dann größeren Konzern nur einer das sagen hat, nämlich der Opel Betriebsrat. Ist ja wohl das Mindeste was amn einem Unternehmen das ja bekanntlich das Auto erfunden hat zugesehen muß. :-))
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,621228,00.html 27. April 15.40 Uhr: Das *General-Motors-Management *bittet die Regierung in Washington um eine weitgehende *Verstaatlichung*. Wie GM mitteilte, soll der amerikanische *Staat die Hälfte* der *Konzernaktien* erhalten und dafür dem Unternehmen im Gegenzug die Hälfte seiner Schulden bei der öffentlichen Hand von 15,4 Milliarden US-Dollar erlassen. Wenn sich die Politik bei uns nicht beeilt wird bald B- Obama Chef bei Opel sein ... "Yes we can" Cars - Made in Rüsselsheim.
vanill68 27.04.2009
5. kkollektives halluzinieren
allenthalben liest man in deutschen medien, daß fiat opel technologie abschöpfen könnte. meine frage dazu ? was kosten eigentlich bekiffte journalisten. gilt es in d. noch, etwas zu recherchieren, bevor man es schreibt. oder genügt dazu das ja vom opel-betriebsrat ? opel hat ***keine*** nennenswerte technik ! beim insignia ist allenfalls die integration zugekaufter komponenten geglückt. fiat entwickelt und baut diesel-motoren, die state-of-the-art sind. und opel kauft sie. wo opel motoren drin sind, folgen verkaufseinbrüche (alfa 159, die benziner) commonrail ist eine fiat entwicklung, entwickelt bei elasis/neapel, erstmals käuflich im alfa 156. fiat hat neueste technologien im benziner bereich in der pipeline ... die qualität deutscher medien ist zum schreien, oder wird bezahlt ? - bisher kannte man das ja nur von der autobild.
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