Babcock-Pleite TUI-Chef Frenzel entgeht Strafprozess

Freispruch für TUI-Chef Michael Frenzel: Die zweitgrößte Pleite der deutschen Nachkriegsgeschichte bleibt für ihn ohne größere Folgen - das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Der Preis: 750.000 Euro.


Düsseldorf - Im jahrelangen Rechtsstreit um die Pleite des Oberhausener Maschinenbau- und Energietechnik-Konzerns Babcock-Borsig muss sich TUI-Chef Michael Frenzel nicht vor Gericht verantworten. Das Verfahren wegen Beihilfe zur Untreue wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf eingestellt.

TUI-Chef Frenzel: "Geringe Beteiligung" an der Babcock-Pleite
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TUI-Chef Frenzel: "Geringe Beteiligung" an der Babcock-Pleite

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei nur von einer "geringen Beteiligung" Frenzels auszugehen. Seine Strafe, eine Geldauflage von 750.000 Euro, tue dem öffentlichen Interesse Genüge.

"Mit der Einstellung des Verfahrens ist keinerlei Schuldfeststellung verbunden", betonte ein TUI-Sprecher. Die Einstellung des Verfahrens gegen Geldstrafe sei von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagen worden - Frenzel habe im Unternehmensinteresse zugestimmt.

Zwei frühere Babcock-Borsig-Manager kamen ebenfalls mit einer Geldstrafe von 250.000 Euro davon. Gegen TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake und den früheren Babcock-Chef Klaus Lederer laufen weiter die Ermittlungen wegen Verdacht auf Untreue oder Untreue-Beihilfe.

Babcock Borsig war 2002 in die Insolvenz gegangen und hatte mehrere Töchter mit in die Pleite gerissen. Die Hintergründe des Niedergangs sind bis heute nur zum Teil geklärt. TUI war früher Babcock-Großaktionär und hatte - damals noch unter dem Namen Preussag - 1999 für Millionensummen mehrere Beteiligungen an Babcock verkauft. Ein Insolvenzverwalter stellte nach Angaben der "Welt" fest, dass sich die TUI auf Kosten von Babcock saniert habe.

Nach dem Mannesmann-Fall wird zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ein Strafverfahren gegen einen Dax-Vorstandschef eingestellt. Erst im Dezember 2006 kamen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und weitere Angeklagte mit einer Geldstrafe davon. Der damalige Preis: knapp sechs Millionen Euro.

ssu/dpa/Reuters



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