Bahn-Skandal Personalvorstände sollen von Spähaktionen gewusst haben

Neue Vorwürfe gegen Margret Suckale und Norbert Bensel: Laut einem Zeitungsbericht gibt es weitere Hinweise, dass die Personalvorstände der Deutschen Bahn in die Datenaffäre verstrickt sind. Bensel stimmte demnach mindestens einem Projekt sogar offiziell zu.


Hamburg/Düsseldorf - In der Datenaffäre bei der Deutschen Bahn werden nun auch Anschuldigungen gegen die Vorstände Margret Suckale und Norbert Bensel laut. Hochrangige Bahn-Mitarbeiter werfen ihnen laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") vor, ebenfalls in den Skandal verstrickt zu sein.

Personalvorstand Suckale: Frühzeitig eingeweiht?
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Personalvorstand Suckale: Frühzeitig eingeweiht?

Beide sollen als Personalvorstände der Herausgabe von Mitarbeiterdaten für heimliche Massen-Screenings zugestimmt haben. Suckale sei zudem frühzeitig in die Kooperation des Konzerns mit teils illegal operierenden Detekteien eingeweiht gewesen, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Konzernkreise.

Der SPIEGEL hatte bereits am 20. April über Hinweise berichtet, dass maßgebliche Vorstände nicht nur in Spähaktionen eingebunden gewesen sein könnten, sondern möglicherweise sogar Anordnungen gaben, durch die Gesetze und Datenschutzbestimmungen verletzt wurden. Schon damals waren Bensel und Suckale im Gespräch. Suckale könnte nach einem Bericht des Berliner Datenschützers Alexander Dix möglicherweise sogar in die Zusammenarbeit mit dubiosen Detekteien involviert gewesen sein.

Laut "FTD" hieß es aus der Bahn-Zentrale nun, dass die Weitergabe von Mitarbeiterdaten an die Konzernrevision mit Bensel und später mit Suckale abgestimmt werden musste. Beim Abgleich unter dem Codenamen "Eichhörnchen" soll Bensel der Datenverwendung zugestimmt haben. Die Aktion sah vor, dass im Jahr 2003 Führungskräfte der Bahn durch die Detektei Network gerastert wurden. Der Konzern hatte bis zuletzt beteuert, nicht gegen Datenschutzgesetze verstoßen zu haben.

Suckale war als Chefin der Rechtsabteilung Bahn-internen Papieren zufolge dabei, als im damaligen "Lenkungskreis Compliance" die Zusammenarbeit mit Dienstleistern wie Network erörtert wurde. So wurde am 5. Mai 2004 äußerste Diskretion im Umgang mit diesen Firmen empfohlen. In der Sitzung vom 1. März 2004, in der es nach Angaben des Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix auch um Network ging, war Suckale nach "FTD"-Informationen zumindest zeitweise anwesend.

Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise schreibt, waren drei Abteilungen der Bahn darüber informiert, dass Konten von Mitarbeitern ausgespäht wurden. Dies seien die Bereiche Recht, Personal und Compliance. Außerdem habe die Bahn in diesem Fall mit vier Anwaltskanzleien zusammengearbeitet, wobei keiner der Juristen Anstoß daran genommen habe, dass die Bahn offenbar mit illegal beschafften Daten operierte.

Die Bahn wollte sich gegenüber der Zeitung dazu nicht äußern und verwies auf die laufenden Ermittlungen der vom Bahn-Aufsichtsrat eingesetzten Sonderermittler.

Bislang bestreitet die Bahn-Spitze, von der systematischen Überprüfung der Mitarbeiter gewusst zu haben. Der heutige Logistikvorstand Bensel war von 2002 bis 2005 Personalvorstand. Ihm folgte Suckale, die zuvor die Rechtsabteilung leitete.

Auch der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte jede Beteiligung an Spähaktionen stets zurückgewiesen. Auf Druck der Regierung hatte er Ende März dennoch die Verantwortung für die Affäre übernommen und seinen Rücktritt angeboten.

ssu/dpa/ddp



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