Bahnchef: Trasse Berlin-Hamburg "hochkritisch"

Immer mehr Entscheidungsträger verabschieden sich offenbar insgeheim von der Magnetschwebebahn Transrapid. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn macht aus seiner Kritik an der geplanten Trasse keinen Hehl. Einzig Thyssen-Krupp scheint nicht von dem Milliardenprojekt lassen zu wollen.

Bahn-Chef Mehdorn: Ich hänge mir keine betriebswirtschaftlichen Mühlsteine an den Hals
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Bahn-Chef Mehdorn: Ich hänge mir keine betriebswirtschaftlichen Mühlsteine an den Hals

Berlin - Aus Bahnkreisen hieß es, vom Industrie-Konsortium verfechte nur noch Thyssen Krupp das Projekt. DaimlerChrysler-Tochter Adtranz habe sich praktisch von dem Vorhaben verabschiedet und der Dritte im Bunde, Siemens, verhalte sich abwartend.

"Das sind die letzten Zuckungen des Transrapids", kommentierte der grüne Verkehrsexperte Albert Schmidt die jüngsten Aussagen von Bahnchef Mehdorn. Dieser hatte in einem Radiointerview gesagt, dass die Trasse Berlin-Hamburg für die Bahn "hochkritisch" sei. Ein Ausbau der bisherigen Bahnstrecke wäre wesentlich günstiger und verkürzte die Fahrzeit auf anderthalb Stunden, so der Bahn-Chef. Das seien nur 20 Minuten mehr verglichen mit der Fahrzeit des Transrapids.

"Dass man für 20 Minuten zwölf Milliarden Mark ausgeben muss, will uns nicht in den Kopf", sagte Mehdorn. Er hänge sich keine betriebswirtschaftlichen Mühlsteine an den Hals. Die Bahn soll die Magnetschwebebahn betreiben und trägt damit das Risiko. Zwar will der Bund mit 6,1 Milliarden Mark die Trasse mitfinanzieren, doch das Transrapid-Konsortium fordert vom Staat eine stärkere Unterstützung. Die rot-grüne Koalition lehnt das entschieden ab, wie Verkehrsexperte Schmidt erneut unterstrich.

Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) sagte, nach Mehdorns Äußerungen sei klar, dass eine einspurige Strecke zwischen Hamburg und Berlin derzeit keine Chance habe. Damit hätten Überlegungen der Länder, den Bau der einspurigen Strecke durch Bürgschaften abzusichern, keine Grundlage mehr.

Am Montag könnte sich das Schicksal des Transrapids endgültig entscheiden. Dann treffen sich Vertreter der Bundesländer und der Bahn, um über eine Bürgschaft für die Trasse zu sprechen. Drei Tage später setzen sich Bahn und Transrapid-Konsortium zusammen.

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