Bahnstreik-Folgen Deutsche Wirtschaft verliert 500 Millionen Euro

Der Lokführerstreik bei der Bahn hat einen Verlierer: Die deutsche Wirtschaft. Nach Berechnungen von Experten beträgt der Schaden insgesamt rund 500 Millionen Euro.


Düsseldorf - Dass es teuer werden würde, war von Anfang an klar. Doch jetzt liegen die konkreten Zahlen auf dem Tisch. Sie fallen im Verhältnis zu früheren Schätzungen zwar relativ gering aus: Im Sommer war zum Beispiel davon die Rede, dass jeder Streiktag bis zu dreistellige Millionenschäden anrichten könnte.

Streikender Lokführer (Archiv): 20 bis 30 Millionen Euro für Aufräumarbeiten
AP

Streikender Lokführer (Archiv): 20 bis 30 Millionen Euro für Aufräumarbeiten

Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider, dem Vorsitzenden des Vereins für Socialpolitik, ist der Schaden dennoch beträchtlich. "Viele Unternehmen, die auf die Deutsche Bahn angewiesen sind, mussten Produktionsunterbrechungen und vor allem -ausfälle hinnehmen", kommentierte er seine Kalkulation im Auftrag des "Handelsblatts".

Ein Streiktag im flächendeckenden Güterverkehr kostet die deutsche Volkswirtschaft zwischen 35 und 45 Millionen Euro, hat Schneider berechnet. Laut Bahn dauerte der flächendeckende Streik im Schienengüterverkehr acht Tage, sodass der Streik laut Schneiders Berechnungen allein in diesem Bereich bis zu 360 Millionen Euro Schaden verursacht hat. "Hinzu kommen bei einer Streikdauer ab sieben Tagen 20 bis 30 Millionen Euro Aufräumkosten und Kosten der Wiederaufnahme der Produktion in der Wirtschaft und des Bahnbetriebes", erklärte er.

Auch Privatpersonen litten unter der Arbeitsniederlegung, denn an zehn Tagen streikten die Lokführer im Nah- und Regionalverkehr, an sieben Tagen im Fernverkehr. Die Schäden für den Streik im Fernverkehr beziffert der Experte mit etwa hundert Millionen Euro, weil Konferenzen, Messen und andere Geschäftstermine hätten abgesagt werden müssen. Die Fahrtausfälle im Nah- und Regionalverkehr könne man vernachlässigen, sagte Schneider dem Blatt, denn schließlich sei der Ausfall beispielsweise Taxiunternehmen zugute gekommen. eine Annahme, die die Berliner Taxifahrer allerdings nicht bestätigen wollen. Sie verzeichneten in den Tagen des Streiks nur unwesentlich höhere Umsätze.

Am morgigen Montag will die Bahn AG auf ihrer Bilanzpressekonferenz in Berlin selbst über die Kosten des Streiks berichten.

mik/AP/dpa



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