Banco Santander Die spanische Bank, die Kapital aus der Krise schlägt

Reihenweise brechen Banken in den USA und in Europa zusammen, sind auf Unterstützung angewiesen - aber nicht die Banco Santander. Im Gegenteil, das spanische Geldhaus macht trotz Finanzkrise Gewinne, weil das Unternehmen ganz eigene Regeln befolgt.

Von Reiner Wandler, Madrid


Madrid - An der Wall Street fallen die Investmentbanken, die US-Regierung eilt mit Milliarden zu Hilfe. Auch in Europa brauchen Institute gleich reihenweise Unterstützung vom Staat. Und Emilio Botín, Chef der spanischen Bank Santander, empfiehlt den Kollegen aus der Geldbranche vor allem eines: Zuversicht. "Wir müssen optimistisch sein", gibt Botín als Motto mitten in der weltweiten Finanzkrise aus.

Santander-Chef Botín: "Wenn Sie ein Finanzinstrument nicht verstehen, kaufen Sie es nicht."
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Santander-Chef Botín: "Wenn Sie ein Finanzinstrument nicht verstehen, kaufen Sie es nicht."

Botín selbst fällt das sicher nicht schwer. Denn Santander zählt zu den wenigen Geldhäusern, die das globale Bankenbeben halbwegs unbeschadet überstehen. Mehr noch: Die Spanier nutzen ihre Chance, um durch Zukäufe weiter zu wachsen.

Egal ob in Großbritannien, den USA, ob in Deutschland oder in Benelux - wo eine große Bank oder deren Anteile zum Verkauf stehen, zählt Botíns nordspanische Bank zu den Kaufinteressenten. Erst am Montag gelang ihm ein Coup: Mit dem Erwerb von Teilen des in die Krise geratenen britischen Finanzinstitutes Bradford & Bingley (B&B) für 770 Millionen Euro avancierte die Banco Santander Chart zeigen zur drittgrößten Bank in Großbritannien. B&B soll unter das Dach der bereits 2004 erstandenen Abbey National Chart zeigeneingereiht werden. Erst kürzlich hatte Santander in Großbritannien außerdem Alliance & Leicester gekauft. Damit hält die Banco Santander einen Marktanteil von zehn Prozent der britischen Spareinlagen und 13 Prozent des Hypothekengeschäfts.

Neben Europa sucht Santander auch die Trümmer der amerikanischen Finanzbranche nach Kaufoptionen ab. Dort hält der Konzern bereits seit drei Jahren 25 Prozent bei Sovereign. Laut unbestätigter Meldungen hatten die Spanier auch Interesse an der zusammengebrochenen Washington Mutual Chart zeigen und an der ebenfalls in einer schwere Krise steckenden Wachovia Bank Chart zeigen.

Schlechtes Englisch mit starkem Akzent

Vom Provinzbanker zum Global Player: Das ist die Geschichte des Spaniers Emilio Botín. Englisch, die Sprache der internationalen Hochfinanz, spricht der 74-Jährige nach wie vor mehr schlecht als recht. Das mussten zuletzt die Teilnehmer bei der Preisverleihung an die "Beste Bank der Welt 2008" des Fachblattes "Euromoney" in London erfahren. Langsam und mit einem Akzent, der es oft schwierig machte, der Rede zu folgen, bedankte sich Botín per Video für die Auszeichnung und gab das Geheimnis seines Erfolges preis: "Wenn Sie ein Finanzinstrument nicht verstehen, kaufen Sie es nicht. Wenn Sie das Produkt nicht selbst kaufen würden, versuchen Sie auch nicht, es jemand anderem zu verkaufen. Und wenn Sie Ihren Kunden nicht sehr genau kennen, leihen Sie ihm kein Geld."

Es sind Grundsätze, die eher an eine Sparkasse als an eine Großbank erinnern. Doch Emilio Botín führte genau damit die 1857 im nordwestspanischen Santander gegründete Familienbank in nur 20 Jahren an die Spitze Europas. Er kaufte sich in Lateinamerika ein, erstand 1987 die deutsche CC-Bank, kaufte Mitte der neunziger die spanische Banesto und fusionierte Ende des Jahrzehnts mit der Banco Central Hispano.

Heute hat die Banco Santander einen Börsenwert von rund 70 Milliarden Euro. Mit 132.000 Angestellten und 65 Millionen Kunden in mehr als 40 Ländern ist sie die Nummer eins in der Eurozone, das größte Unternehmen Spaniens und die Nummer 21 im Forbes-Weltranking der Top 2000 vom Februar 2008. Das Finanzimperium wird mittels eines IT-Systems, das einst Banesto gehörte, zentral verwaltet. Die Kosten sind dabei weit niedriger als bei anderen vergleichbaren Häusern. "Die großen Banken verteilen ihr Risiko auf verschiedene Weltregionen", bewertet Pedro Schwartz, Professor der Madrider Universität San Pablo, Botíns Expansionstrategie.

Lehren aus der spanischen Bankenkrise gezogen

Santander hat offenbar aus der spanischen Bankenkrise in den achtziger Jahren gelernt. Damals gingen 50 Geldinstitute, die 20 Prozent der Guthaben des Landes verwalteten, bankrott. Im Unterschied zu anderen Großbanken in Europa spekulierte Botín - soweit bekannt - in jüngster Zeit bei den US-Hypothekenkrediten nicht mit. Während andere Milliardenwerte abschreiben mussten, stiegen bei Santander die Gewinne im ersten Halbjahr 2008 um sechs Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Das solide Geschäftsgebaren der Banco Santander und anderer spanischer Banken ist nicht zuletzt auch das Verdienst der spanischen Zentralbank. Seit dem Fiasko in den achtziger Jahren achtet die Finanzaufsicht darauf, dass alle Kredite und Geldgeschäfte in den Bilanzen nachzuvollziehen sind. Dies betrifft auch die sogenannten Structured Investment Vehicle oder Conduit, die zur Krise mit den Risikohypotheken in den USA geführt haben. Außerdem sorgte die Zentralbank dafür, dass die spanischen Geldinstitute in Zeiten hoher Gewinne Reserven für schlechtere Zeiten anlegten.

Diese Rücklagen wird so manche Bank und Sparkasse in Spanien jetzt bitter nötig haben. Denn der heimische Immobilienmarkt - der Motor des hohen Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre - ist zusammengebrochen. Gebaut wird kaum noch. Die Wohnungspreise sinken erstmals seit über zehn Jahren. Doch was für die Banken viel schlimmer ist: Die Arbeitslosigkeit steigt rasant - und damit die Zahl derer, die ihre Kredite nicht zurückzahlen.

Ende Februar waren mehr als 2,4 Millionen Spanier und 300.000 Unternehmen mit Zahlungen im Wert von 11,9 Milliarden Euro im Verzug. Das sind rund 25 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Rücklagen der Banken und Sparkassen für solche Fälle könnten im Laufe des kommenden Jahres aufgebraucht sein, warnen kritische Stimmen. Einige Geldinstitute vermelden bereits knapp vier Prozent zahlungsunfähige Schuldner.

Emilio Botín war, zumindest was den Wertverlust der Immobilien angeht, vorausschauend. Im Sommer 2007 begann er mit dem Verkauf der Immobilien seiner Bank - mit Ausnahme des Stammhauses in Santander - und lebt seither zur Miete. Der Erlös belief sich zuletzt auf mehr als vier Milliarden Euro, wovon 1,7 Milliarden Gewinn waren. Er investiere sein Geld lieber in die Bank, erklärte der alte Hase des spanischen Geldgeschäfts damals.

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