Banken-Skandal Milliardenbetrug im Reich der Mitte

Es ist der größte Banken-Skandal in der Geschichte Chinas: Im landesweit wichtigsten Geldinstitut - der Bank of China - sollen in den vergangenen zehn Jahren Milliardenbeträge unterschlagen worden sein.


Milliardenverluste durch krumme Geschäfte: Der Skandal um die Bank of China ist bislang beispiellos in der Volksrepublik
AFP

Milliardenverluste durch krumme Geschäfte: Der Skandal um die Bank of China ist bislang beispiellos in der Volksrepublik

Peking - Alles begann Anfang Januar rund 11.000 Kilometer westlich von Peking. In der New Yorker Filiale der Bank of China (BOC) hatten die US-Untersuchungsbehörden massive Unregelmäßigkeiten bei Kreditgeschäften aufgespürt. Chinas wichtigste Bank bekam daraufhin eine Strafe von zehn Millionen US-Dollar (rund 11,5 Millionen Euro) aufgebrummt.

Nur wenige Wochen später hat der Bankenskandal auch die kommunistische Volksrepublik erreicht und erreichte bislang einzigartige Ausmaße. Chinesischen Medienberichten zufolge sollen allein in zwei Filialen in der Provinz Guandong bis zu sechs Milliarden Yuan (rund 81 Millionen Euro) veruntreut worden sein. Danach überwiesen Angestellte der Bank das Geld über mehrere Jahre hinweg auf Konten im Ausland. Einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung“ zufolge hat das Außenministerium in Peking die Unterschlagungen inzwischen bestätigt, die Summe von sechs Milliarden Yuan jedoch als übertrieben bezeichnet.

Zentrale Figur in dem Bankenskandal ist der einst auch von seinen westlichen Kollegen hochgelobte frühere BCO-Chef Wang Xuebing. Er stand bis zum Jahr 2000 an der Spitze der Bank und soll an zahlreichen dubiosen Kreditgeschäften sogar persönlich beteiligt gewesen sein. Mitte Januar musste er nun seinen Chefsessel bei der Chinese Construction Bank räumen. Wo er sich zurzeit aufhält, ist offenbar nicht bekannt.

Die chinesische Regierung bringt der Bankenskandal in Bedrängnis. Es gilt, ausländische Investoren nicht zu verunsichern und außerdem die praktisch konkurrenzlosen chinesischen Banken fit zu machen für die Zeit, wenn die Übergangsfristen der WTO abgelaufen sind. Bislang dominieren vier große staatliche Banken den chinesischen Markt. Sie wickeln rund 70 Prozent aller Finanzgeschäfte der Volksrepublik ab.



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