Kampf gegen Kriminelle EZB soll den 500-Euro-Schein abschaffen

Es klingt nach einer verrückten Idee: Um die Euro-Krise zu bekämpfen, soll die Europäische Zentralbank den 500-Euro-Schein abschaffen. Denn der, so ein Bankenanalyst, werde sowieso nur für dunkle Geschäfte benutzt.

500-Euro-Banknoten: "Matratzen-Geld", das selten ans Tageslicht kommt
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500-Euro-Banknoten: "Matratzen-Geld", das selten ans Tageslicht kommt

Von Michael Casey, Wall Street Journal Deutschland


In Spanien hatten 500-Euro-Scheine einen Spitznamen. Man nannte sie gern "Bin Ladens": Jeder wusste, dass sie existieren - aber niemand hatte sie je gesehen.

Nun setzt sich Athanasios Vamvakidis, Analyst bei der Bank of America, dafür ein, dass die Europäische Zentralbank die Scheine abschafft. Innerhalb der G10, der Gruppe der zehn führenden Industrienationen, gebe es keinen anderen Schein mit einem derart hohen Wert. Die 500-Euro-Scheine abzuschaffen würde die Wirtschaft ankurbeln. Außerdem würde die EZB damit Kriminellen eins auswischen, die ihr illegal erworbenes Geld oft in diesen Scheinen horten.

Dass sie oft als Wertanlage benutzt werden, sei genau das Problem, glaubt Vamvakidis. Die großen Scheine würden oft zum "Matratzen-Geld", das selten ans Tageslicht komme, schreibt der Analyst am Dienstag in einer Mitteilung. Laut einer Studie der EZB selbst werden nur ein Drittel der Noten, die im Umlauf sind, zu Zahlungszwecken verwendet.

Und es gibt hinlänglich Beweise, dass es vor allem Kriminelle und Steuerhinterzieher sind, die die großen Scheine besitzen. Die britische Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität behauptete gar einmal, dass 90 Prozent der 500-Euro-Noten in den Händen von Kriminellen seien.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.

Deshalb rät Vamvikidis der EZB, die Scheine aus dem Verkehr zu ziehen. Weil die Nachfrage nach den violetten Scheinen innerhalb der Schattenwirtschaft unverhältnismäßig groß sei, treibe das auch die Euro-Nachfrage insgesamt übermäßig an, sagt er. Die Abschaffung der Noten würde demnach die Nachfrage dämpfen und den Euro-Kurs drücken - was wiederum den kriselnden Exportfirmen in der Eurozone helfen würde.

Auch Kriminelle ziehen sich aus dem Euro zurück

Der Analyst, der bis 2010 beim Internationalen Währungsfonds Frühwarnsysteme für Finanzkrisen entworfen hat, sieht eine Parallele zwischen einer geringeren Nachfrage nach 500-Euro-Scheinen und dem Rückgang des Euro seit seinem Hoch 2007. Dass die Noten nicht mehr so gefragt sind, könnte daran liegen, dass sich im Zuge der Euro-Krise auch mehr Kriminelle aus der Gemeinschaftswährung zurückziehen. Und Steuersünder wurden möglicherweise dadurch verschreckt, dass in den krisengeplagten Peripherieländern härter durchgegriffen wird. Allein ein Viertel der sich im Umlauf befindlichen 500-Euro-Scheine war in Spanien zu verorten.

Wenn die EZB die Sache richtig angeht, könnte sie sich lohnen, sagt Vamvakidis. Wenn Kriminelle auf ihren wertlosen Scheinen sitzen bleiben, würde die Zentralbank davon profitieren.

Und zwar folgendermaßen: Die EZB würde ankündigen, dass die Scheine bis zu einem bestimmten Datum zur Bank gebracht oder in kleinere Noten eingetauscht werden könnten. Allerdings müssten die Besitzer nachweisen, dass sie das Geld auf legalem Wege erworben haben. Da Kriminelle das nicht können, würden sie ihre Scheine nicht loswerden. Ihr Verlust würde "zum Gewinn für die EZB, den sie für andere Zwecke verwenden kann", schreibt der Analyst. "Das ist eine sehr einfache Methode, um diese illegalen Aktivitäten zu bestrafen."

Die Zentralbank müsse nur den richtigen Zeitraum abpassen. Bleibt nur wenig Zeit bis zur Abgabe der Scheine, riskiert sie es, ehrlichen Besitzern der großen Scheine zu schaden. Dann könnte sie für die Verletzung von Eigentumsrechten verklagt werden. Bleibt viel Zeit, würden Kriminelle einen Weg finden, ihr Geld zu waschen. Vamvakidis schlägt eine Frist von einem Monat vor.

Allzu schnell wird die EZB die 500-Euro-Scheine wohl nicht entwerten. Doch angesichts des begrenzten Erfolgs, den die Eurostaaten bisher mit ihren verschiedenen Manövern zur Lösung der Finanzkrise hatten, könnte die Maßnahme eine Option bleiben.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland



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insgesamt 144 Beiträge
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Seite 1
maxmehr2008 11.04.2013
1. Jaja ..
"Die britische Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität behauptete gar einmal, dass 90 Prozent der 500-Euro-Noten in den Händen von Kriminellen seien." ... da haben se Recht, nämlich in den Händen von Banken :)) Und na klar, damit wischt man Kriminellen richtig eins aus, die geben sofort den Drogen-, Menschen-, wasauchimmer Handel auf, weil mit 200ern und 100ern geht das einfach nicht mehr. Ist nur wieder ein Teilstück auf dem Weg, Barzahlung aus dem öffentlichen Leben zu verbannen, damit man ja alle arbeitenden Sklav... äh kriminellen Elemente unter Kontrolle hat.
voltaire001 11.04.2013
2. Interessante Option
Ich schätze mal, es dürfte auch Nichtkriminellen schwer fallen nachzuweisen, wo sie das Scheinchen herhaben. Wenn Oma der Bank nicht vertraut und die Scheine lieber unter dem Kopfkissen bunkert, sollte sie für etwaige Erben schon mal den Herkunftsnachweis mitverwahren. Es möge dann auch keiner länger als 1 Monat im Krankenhaus liegen; sonst könnte die Frist schon um sein.
allemalherhörn 11.04.2013
3. optional
Wieso soll ein schwacher Euro gut für den Export sein? Klar sind dann die Produkte im Ausland billiger, aber dafür steigen doch die Produktionskosten, weil Öl zum Beispiel teurer wird. Und das steckt in jedem Teilprodukt drin, weil alles durch die Gegend gefahren werden muss. Also nicht nur das Endprodukt bei der Auslieferung...
Snoozel 11.04.2013
4.
Hmm, und beim nächsten Gebrauchtwagen oder Baggerkauf zahl ich dann mit einem Koffer voll 50€ Scheinen oder wie?
iffel1 11.04.2013
5. Wie soll denn das gehen mit dem Nachweis ?
Also lege ich bei der Bank beispielsweise einen Autokaufvertrag vor, oder Abrechnungen für Münz-/Goldverkäufe ? Wie sollen denn solche Belege überprüft werden ? Beim KVA ? Beim Matratzengeld der älteren Bürger sieht das schon anders aus, da kommt beim Umtausch auch noch ein Sicherheitsrisiko dazu und es fällt den alten Menschen sicher schwer, nachzuweisen, wie sie das Geld zusammenbekommen haben. Ich stelle mir das als gute Idee vor, aber nicht umsetzbar. Eher geht eine langsame Gewöhnung daher, indem keine neuen 500er mehr ausgegeben werden und eine Meldepflicht eingeführt wird ab Einzahlungen von mehr als 10 Scheinen à 500€.
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