SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. November 2008, 09:57 Uhr

Bankenkrise

HSH Nordbank erhält 30 Milliarden Euro Staatsbürgschaften

Rettungsplan für die HSH Nordbank: Das von der Finanzkrise gebeutelte Geldhaus kann auf Staatsbürgschaften von bis zu 30 Milliarden Euro zurückgreifen. Darauf einigte sich die Landesbank mit den Verwaltern des Sonderfonds. Auch weitere Institute verhandeln über Staatshilfen.

Hamburg - Die HSH Nordbank kann auf staatliche Liquiditätsgarantien in Höhe von bis zu 30 Milliarden Euro zurückgreifen. Darauf hat sich die Bank nach eigenen Angaben mit Vertretern des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) geeinigt. Diese Entscheidung "stärkt unsere Bank und schafft genügend Flexibilität, unser Geschäftsmodell weiterzuentwickeln", sagte der erst seit wenigen Tagen amtierende HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher am Freitagabend.

HSH Nordbank-Zentrale in Kiel: Bürgschaft von 30 Milliarden Euro
AP

HSH Nordbank-Zentrale in Kiel: Bürgschaft von 30 Milliarden Euro

Sein Vorgänger Hans Berger hatte am 10. November seinen Rücktritt erklärt. Eine Woche zuvor hatte die Bank Staatsbürgschaften in Höhe von 30 Milliarden Euro beantragt. Seit Anfang des Jahres war die HSH Nordbank immer tiefer in den Strudel der internationalen Finanzkrise geraten. Für die ersten neun Monate des Jahres mussten Abschreibungen von 1,3 Milliarden Euro vorgenommen werden, der Verlust betrug 360 Millionen Euro. Hamburgs Finanzsenator Michael Freytag (CDU) schloss später nicht mehr aus, dass die HSH Nordbank weitere Abschreibungen verkraften muss.

"Wir arbeiten an einem Bündel von konkreten Maßnahmen, mit denen wir die zukunftsfähige Strategie der HSH Nordbank vorantreiben werden", sagte Nonnenmacher. Er kündigte an, dass die Anteilseigner für eine angemessene Eigenkapitalausstattung der Bank Sorge tragen würden. Die Kernkapitalquote, die die Kapitalkraft einer Bank ausdrückt, solle dadurch auf mindestens 8 von 7,1 Prozent verbessert werden. Dazu würde außer einer Kapitalzufuhr auch der Abbau von Aktiva in Betracht gezogen werden, also der Verkauf von Beteiligungen oder Besitztümern der Bank. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wolfgang Peiner, lobte den Schulterschluss aller Anteilseigner. Er zeige die Geschlossenheit und Konsequenz, "mit der sie die Basis für den künftigen Erfolg der Bank schaffen". Über die konkrete Ausgestaltung solle in den nächsten Wochen beraten werden.

Die Eigner der HSH Nordbank hatten dem Institut erst vor ein paar Monaten rund zwei Milliarden Euro zugeschossen. Größter Aktionär der Bank ist mit 30,4 Prozent die Hansestadt Hamburg. Das Land Schleswig-Holstein hält 29,1 Prozent, den dortigen Sparkassen gehören 14,8 Prozent und dem US-Investor JC Flowers 25,7 Prozent.

Vor der HSH Nordbank hatte von den Landesbanken schon die BayernLB nach Milliardenverlusten den staatlichen Schutzschirm in Anspruch genommen. Die Landesbank Baden-Württemberg erhält eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro, allerdings nur aus dem Land, ohne Beteiligung des Bundes. Außerdem teilte das Institut am Freitag mit, dass es prüfe, Kreditgarantien in Höhe von 15 bis 20 Milliarden Euro in Anspruch zu nehmen. Die LBBW gehört dem Land Baden-Württemberg, den Sparkassen und der Stadt Stuttgart.

sac/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH