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Bankenkrise: Schuldige und ihre Komplizen

Eine Analyse von Wolfgang Kaden

Gierige Banker haben die Weltwirtschaft an den Abgrund gedrängt - oder etwa nicht? Die Chefs der großen Geldhäuser haben uns die Kreditkrise nicht im Alleingang eingebrockt - sie hatten viele Helfer und Mittäter. Ein Überblick zeigt die wichtigsten Verdächtigen.

Der Fall scheint eindeutig zu sein. Die Täter sitzen in den Banktürmen von New York, Frankfurt oder London. Sie sind es, die in ihrer Gier immer größere Risiken angehäuft, die alle Regeln eines ehrbaren Kaufmanns in den Wind geschlagen, die sich selbst auf zum Teil schon obszöne Weise bereichert haben. Immer mehr Schulden häuften sie an, immer verwegener gingen sie bei der Konstruktion ihrer Wertpapiere zu Werke.

Vielleicht aber liegt der Fall doch nicht so eindeutig. In der Ökonomie gibt es selten monokausale Wirkungszusammenhänge. Und wahrscheinlich handelt es sich auch hier nicht nur um eine einzige Tätergruppe. Begeben wir uns also auf die Suche nach jenen, die als Mitangeklagte wegen Beihilfe oder Unterlassung in Frage kommen. Eine Übersicht:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Die Journalisten ...
Strichnid 08.10.2008
Soso, die Journalisten sind also mit Schuld, den Autor eingeschlossen? Sehr schön, diese Einsicht, aber auch sehr spät. Es ist ja nicht so, dass es GAR keine Journalisten oder Politiker gab, die die heraufziehende Gefahr korrekt beschrieben und davor warnten. Aber es waren eben jene Journalisten, denen jetzt hier eine Mitschuld gegeben wird, die damals sich über die Kritiker lächerlich machten, sie als linke Spinner und Träumer abwatschten. Wird es dann nicht Zeit, nicht nur für eine Selbstkritik, sondern für eine saftige Entschuldigung, zB bei Lafontaine? Herr Jörges vom Stern hat das geschafft, im Presseclub am Sonntag. Schafft der Spiegel es auch?
2. Konstruktive und differenzierte Frage nach den Ursachen
Libertin 08.10.2008
Ein guter und wichtiger Artikel, der die Ursachend er Finanzkrise wesentlich differenzierter darstellt als dies in einigen anderen Publikationen der Fall ist. Es zeigt sich mal wieder dass niedrige Volatilitaet nicht niedriges Risiko bedeutet. Das fundamentale Problem ist doch, dass Wahrscheinlchkeitsverteilungen nicht direkt beobachtbar sind. Durch eine lange Periode niedrigen Risikos wurden wir dazu verfuehrt zu glauben, dieses niedrige Risiko sei die Normalitaet. Geschrumpfte Risikopraemien drueckten auf die Gewinne, diese liessen sich nur durch mehr Leverage halten. Ich denke es ist wichtig zu betonen, dass Banker alleine garnicht die Macht gehabt haetten eine Krise von derartigen Aussmassen auszuloesen, sondern dies nur durch eine weitreichende (unabsichtliche) Kollaboration moeglich war.
3. Herr Kaden vorneweg beim Entschuldigen!
Pinarello, 08.10.2008
Zitat von StrichnidSoso, die Journalisten sind also mit Schuld, den Autor eingeschlossen? Sehr schön, diese Einsicht, aber auch sehr spät. Es ist ja nicht so, dass es GAR keine Journalisten oder Politiker gab, die die heraufziehende Gefahr korrekt beschrieben und davor warnten. Aber es waren eben jene Journalisten, denen jetzt hier eine Mitschuld gegeben wird, die damals sich über die Kritiker lächerlich machten, sie als linke Spinner und Träumer abwatschten. Wird es dann nicht Zeit, nicht nur für eine Selbstkritik, sondern für eine saftige Entschuldigung, zB bei Lafontaine? Herr Jörges vom Stern hat das geschafft, im Presseclub am Sonntag. Schafft der Spiegel es auch?
Daß jetzt ausgerechnet Wolfgang Kaden den Finger auf andere zeigt und angeblich Schuldige aufzählen will, ist ja schon an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten. Ausgerechnet der Herr Kaden hat ja jahrelang dem Freien Markt und der hemmungslosen Globalisierung das Wort geredet und geschrieben und alles, aber auch wirklich alles was irgendwie staatlich reguliert oder gar gelenkt war, in das Reich der Hölle geschickt. Ausgerechnet dieser schnieke Herr Kaden, ich glaub es einfach nicht.
4. düstere Vorschau
rosarinimara 08.10.2008
schöner Artikel nur die Schlußfolgerung fehlt mir.. Kapitalismus begründet sich auf ständigen Wachstum, irgendwann ist auch in den Schwellenländern und der dritten Welt das Ende der Fahnenstange erreicht. Dann gibts noch Kriege,(alles kaputtbomben danach is Wiederaufbau nötig^^) Nicht zu vergessen die weniger werdenden Rohstoffe. Meiner Meinung nach (ja ich bin ein Schwarzseher und Ökofreak) gelangt dieses System spätestens in 50 - 100 Jahren an sein Ende
5. Geiz ist nicht immer geil
nupuk 08.10.2008
Vielen Dank für diesen guten Artikel und vor allem das Schlussplädoyer. Tatsächlich leben wir mittlerweile in einer Gesellschaft wo jeder es für sein gutes Recht erachtet, alles kaufen zu müssen/können/dürfen und das zu billigsten Preisen. Wer kauft denn heute noch regulär und ohne Rabatt? Wer überlegt denn noch, dass es bei den Dumping-Angeboten von Aldi, Tchibo & Co nicht mit rechten Dingen zu gehen kann und wirklich niemand mehr verdient? Umsatz ohne Marge ist das Stichwort und solange Manger nicht an qualitativen Zielen gemessen werden, werden wir weiterhin in diesem Sog bleiben.
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