Bankenkrise WestLB meldet Milliardenverlust

Debakel für die WestLB: Wegen Fehlspekulationen muss die Bank einen Verlust von einer Milliarde Euro melden, weitere Abschreibungen schließt sie nicht aus. Die Eigentümer vereinbarten nach einer Krisensitzung eine Kapitalspritze von zwei Milliarden Euro.


Köln/Düsseldorf - Die WestLB steckt tief in finanziellen Schwierigkeiten: Wie das Unternehmen mitteilt, geht der Vorstand für das Jahr 2007 "nach dem jetzigen Stand der Portfolio-Bewertungen" von einem Konzernverlust von ungefähr einer Milliarde Euro aus. Zusätzlich erwarte man fast eine weitere Milliarde Euro nicht dauerhafte Wertminderung.

WestLB-Zentrale: Teure Fehlspekulationen
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WestLB-Zentrale: Teure Fehlspekulationen

Um die künftige Entwicklung der Bank zu sichern, schießen das Land Nordrhein-Westfalen, die Landschaftsverbände und die Sparkassenverbände eine Milliarde Euro zu. Die Belastungen aus Bewertungsmaßnahmen, die nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung wirksam werden, würden in einer Größenordnung bis zu einer Milliarde Euro ebenfalls getragen, hieß es weiter. Weitere Abschreibungen schloss die Bank nicht aus.

Gestern hatte es Berichte gegeben, wonach bei der WestLB zahlreiche Jobs auf der Kippe stehen. Laut "Rheinischer Post" will das Institut kurzfristig 2000 Arbeitsplätze streichen. Je 1000 Stellen sollen im In- und Ausland abgebaut werden, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Eigentümerkreise. Die Eigentümer äußerten sich nach ihrer Sitzung gestern Abend offiziell nicht dazu.

Die WestLB selbst dementierte den Bericht. "Sicher beunruhigen Sie aktuelle Meldungen, nach denen die WestLB plant, 2000 Stellen abzubauen", schreibt WestLB-Chef Alexander Stuhlmann in einem Brief an die Mitarbeiter. "Um es klar zu sagen: Dieser Plan existiert nicht ."

Der Vorstand arbeite aber bereits an einem Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung. "Mit der Umsetzung wollen wir bereits im ersten Quartal dieses Jahres beginnen", schreibt Stuhlmann. Die Kapitalstärkung versetze die Bank in die Lage, die anhaltend negative Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten aufzufangen.

Die WestLB habe zudem weiter "das klare Ziel", ein Zusammengehen mit der Helaba auszuloten, schreibt Stuhlmann. Die Eigentümer sagten, die befürworten, die detaillierten Gespräche zwischen der WestLB und der Helaba fortzusetzen.

Die Eigentümer der Bank hatten am Sonntagabend über die Zukunft der Bank beraten. 51 Prozent der WestLB gehören den Sparkassen und Landschaftsverbänden von Nordrhein-Westfalen, weitere 38 Prozent befinden sich in Händen des Landes.

Die WestLB, die drittgrößte Landesbank Deutschlands, ist durch Fehlspekulationen mit Aktien großer deutscher Unternehmen sowie durch von der US-Finanzkrise bedingte Verluste in die Krise geraten.

ssu/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters



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