Banker-Geburtstag: "Mr. Peanuts" hängt an der Macht

Eigentlich wollte Hilmar Kopper, Ex-Chef der Deutschen Bank, zu seinem 70. Geburtstag längst aus allen Ämtern geschieden sein. Diese Ankündigung hat er nicht wahr gemacht - nach wie vor spielt er eine wichtige Rolle in den Deutschland AG.

Frankfurt am Main - Der frühere Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der am 13. März seinen runden Geburtstag feiert, leitet unter anderem den Aufsichtsrat eines der mächtigsten deutschen Konzerne, DaimlerChrysler Chart zeigen. Dabei hatte sich ein Aufstieg in diese Top-Etagen beim jungen Kopper gar nicht abgezeichnet. Chemiker, Physiker, am liebsten aber Architekt wollte er werden. Doch für das Studium fehlte in seiner Familie das Geld.

Kopper auf Daimler-Hauptversammlung: Kein Respekt vor Ja-Sagern
DPA

Kopper auf Daimler-Hauptversammlung: Kein Respekt vor Ja-Sagern

Seine Banker-Tätigkeit startete der 1935 als zweites von vier Kindern eines Landwirts im westpreußischen Oslanin geborene Kopper unspektakulär vor 51 Jahren in einer Deutschen-Bank-Filiale - damals noch Rheinisch-Westfälische Bank - in Köln-Mülheim. "Entsetzlich" habe er die ersten Tage als Auszubildender im April 1954 gefunden - Er wollte nicht zur Bank und Banker werden. Doch der Vater drängte zur Bank-Lehre, weil das nie schade.

Auch nach der zweijährigen Ausbildung hatte Kopper keine Ambitionen zur großen Bank-Karriere. Doch das Unternehmen konnte ihn mit dem Versprechen eines Auslandsaufenthalts halten. So ging er 1957 für ein Jahr nach New York, eine Art Hauptgewinn. Danach ging es unaufhaltsam aufwärts, und schon 1977 rückte der Banker in den Vorstand des größten deutschen Geldinstitutes auf. Vom Lehrling zum Vorstandsposten ohne Studium - das dürfte im deutschen Top-Management heute nur noch selten zu finden sein.

Illusionen und Fehlschläge

Seine Lebensplanung sah einen weiteren Aufstieg eigentlich nicht vor. Doch die Ermordung des damaligen Vorstandssprechers Alfred Herrhausen im November 1989 änderte schlagartig alles: Kopper wurde zum Nachfolger berufen und hatte das Amt bis 1997 inne.

Für die Deutsche Bank begann unter seiner Führung eine Phase des Umbruchs und Aufbruchs mit dem Ziel, das Geldhaus zu einem "Global Player" umzubauen. Dementsprechend krempelte Kopper nicht nur die Organisation der Bank um, sondern sorgte auch für einen globalen Ausbau der Präsenz des Bankkonzerns. In diese Zeit auch fiel die Entscheidung, das Investmentbanking systematisch auszubauen, der wahrscheinlich wichtigste Beschluss seiner Amtszeit. Unter Koppers Regie wurde die Bank Morgan Grenfell erworben. Sein Führungsstil in diesen Jahren war eher unorthodox und folgte der Maxime: Man lebt vom Widerspruch, nicht von den Ja-Sagern.

Bloß keine Memoiren

Ein Fehlschlag unter dem Vorstandssprecher Hilmar Kopper war dagegen die Schneider-Pleite 1994. Mit einem Engagement von rund 1,2 Milliarden Mark war die Deutsche Bank Hauptgläubiger des Immobilienimperiums. Seine legendäre Äußerung, bei den mehr als 50-Millionen-Mark, die die Deutsche Bank den von der Pleite des Baulöwens Jürgen Schneider betroffenen Handwerkern gezahlt hat, handle es sich um "Peanuts", also Kleinkram, wurde zum Unwort des Jahres 1994.

Später reagierte Kopper darauf durchaus selbstironisch: Er warb für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die mit dem Slogan "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" Prominente beim Lesen der Zeitung abbildete. So auch Kopper - auf einem Berg von Erdnüssen sitzend.

Eine Autobiographie plant Kopper trotz zahlreicher Angebote nicht. Stattdessen liest der fast 70-Jährige, der in zweiter Ehe mit Brigitte Seebacher-Brandt verheiratet ist, lieber selbst - gern auch Biografien.

Antje Homburger, AP

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