Bankpleite Lehman-Chef verweist auf die Schuld der anderen

Banker in Rechtfertigungsnot: Vor einem Ausschuss des US-Kongresses hat der Lehman-Chef Richard Fuld falschen Marktgerüchten und einem zögerlichen Handeln der Bankenaufsicht eine Mitverantwortung für den Zusammenbruch zugewiesen. Den eigenen Anteil schätzt er gering ein.


Washington - Aus Fulds Perspektive hätte die Hilfe nur früher kommen müssen. Eine Reihe von Maßnahmen etwa der US-Notenbank Fed wären zu einem früheren Zeitpunkt für Lehman Brothers sehr hilfreich gewesen, sagte Fuld am Montag vor dem Ausschuss in Washington. Die Investmentbank sei am Ende von einem "Sturm der Angst" am Markt in die Knie gezwungen worden.

Lehman-Chef Fuld: Von einem "Sturm der Angst" in die Knie gezwungen
AP

Lehman-Chef Fuld: Von einem "Sturm der Angst" in die Knie gezwungen

Die einst viertgrößte US-Investmentbank hatte Mitte September nach hohen Verlusten und einem Kurssturz Teilinsolvenz anmelden müssen. Seither wird das fast 160 Jahre alte Traditionshaus mit deutschen Wurzeln zerschlagen und in Teilen verkauft. Gespräche über einen rettenden Notverkauf der gesamten Bank waren gescheitert.

Fuld räumte auch eigene Fehler in der Krise ein. So wie andere Experten habe er Ausmaß und Dauer der Turbulenzen unterschätzt, sagte der 62-Jährige laut seiner vorab verbreiteten Stellungnahme.

Das Gremium untersucht die Gründe für den Zusammenbruch und die folgenden Umwälzungen in der US-Finanzbranche. Amerikas Steuerzahler hätten angesichts des 700 Milliarden Dollar schweren staatlichen Rettungspakets ein Recht zu wissen, wer für die Krise verantwortlich sei und welche Reformen nötig seien, sagte der demokratische Ausschussvorsitzende Henry Waxman.

Im Zuge der Kreditkrise wurden die US-Investmentbanken Bear Stearns und Merrill Lynch übernommen. Die Branchenführer Goldman Sachs und Morgan Stanley wandelten sich in Geschäftsbanken mit stärkerer Kontrolle und neuen Finanzierungsquellen um. Damit gibt es an der Wall Street keine großen unabhängigen US-Investmentbanken mehr. Das Geschäft betreiben Finanzkonzerne als eine Sparte unter ihrem Dach und kleine spezialisierte Häuser.

mik/dpa



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elwu, 03.10.2008
1.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ist das eine Scherzfrage?
systemfeind 03.10.2008
2. ja doch
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
http://www.finanzen.net/aktien/Hypo_Real_Estate-Aktie 7,62 ... (€) na jedenfalls löst es meine Finanzkrise, mein Depot dreht ins +
Danol 03.10.2008
3.
Das ist keine Lösung sondern nur ein weiterer Aufschub der Beschäftigung mit grundsätzlichen Fehlern in der Architektur des Finanzsystems selber. Aber Symptomdokterei gehört in der Politik ja zum guten Ton, Suche nach und beseitigung von Ursachen nicht.
fsiggi2 03.10.2008
4. Dow im Sturzflug
Direkt nach der Abstimmung crasht der Dow 200 Punkte. Sagt alles. Auch die Amerikaner sind laut CNN extrem sauer. Werden interessante Wahlen.
ender, 03.10.2008
5.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ja, ich denke, jetzt ist es endlich geschafft. Ab morgen werden sich die ganzen Banker, die Manager, die Politiker, die Richter in Prozessen zu Wirtschaftsdelikten und die Wirtschaftsjournalisten gaaaanz, gaaaanz anders verhalten. So haben Sie sich das ja wohl vorgestellt, oder? Nunja. Ich habe mich bisher immer für einen recht vantasiephollen Menschen gehalten. Aber offenbar, gibt es Leute, die wesentlich mehr davon haben. Die können sich sogar einen vorstellen, dass die Fnanzkrise sich durch lautes Gebell (Bell-laut) vertreiben lässt! ender
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