Bildungslücke Politiker kennen deutsche Top-Manager nicht

Von wegen Klüngel: Die Kluft zwischen Politik und Wirtschaft scheint in einigen Branchen ziemlich groß zu sein. Einer Umfrage zufolge kennen die meisten Politiker nicht einmal die Namen der Chefs großer Konzerne wie BASF oder ThyssenKrupp.

ThyssenKrupp-Chef Hiesinger: Nur jeder Fünfte kennt den Top-Manager
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ThyssenKrupp-Chef Hiesinger: Nur jeder Fünfte kennt den Top-Manager


Berlin - Kurt wer? BASF Chart zeigen ist ein Weltkonzern, doch den Namen des Chefs haben in Berlin offenbar die wenigsten schon einmal gehört. Laut einer Umfrage wussten nur 24 Prozent der befragten Politiker und Spitzenbeamten, dass Kurt Bock den Ludwigshafener Chemiekonzern führt. Noch weniger, nämlich 21 Prozent, kannten demnach ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger.

Über die Umfrage, die das Center of Political Economy and Society (Copes) zusammen mit der Quadriga Hochschule Berlin durchgeführt hat, berichtet das "Handelsblatt". Beteiligt hatten sich demnach 100 Bundestagsabgeordnete, beamtete Staatssekretäre sowie Abteilungsleiter quer durch alle Ministerien.

Nur gut die Hälfte der Politiker kennt dem Bericht zufolge Martin Blessing, den Spitzenmanager der Commerzbank Chart zeigen, an der der deutsche Staat sogar beteiligt ist.

Lediglich Bahnchef Rüdiger Grube und sein Vorgänger Hartmut Mehdorn, heute Chef des noch nicht eröffneten Berliner Flughafens, kommen bei den Politikern auf Bekanntheitswerte von mehr als 90 Prozent. Praktischerweise sitzen beide auch in Berlin.

Copes-Geschäftsführer Hans Ulrich Helzer sprach angesichts der Umfrage-Ergebnisse von "einer wachsenden Entfremdung zwischen Politik und Wirtschaft". BDI-Präsident Ulrich Grillo sagte dem "Handelsblatt": "Deutschland braucht einen engeren Austausch zwischen Wirtschaft und Politik."

Die politischen Entscheidungsträger sind offenbar auch wenig begeistert von der Wirtschaftselite. Nicht mal ein Viertel der Befragten bescheinigte den deutschen Top-Managern, dass diese einen "guten" oder "sehr guten" Job machen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Textes hieß es, mehr als 60 Prozent der Befragten kannten Autobosse wie den BMW-Chef Norbert Reithofer und den VW-Vorstandsboss Martin Winterkorn. Das war falsch. Die Prozentzahlen bezogen sich in diesem Fall auf die "gute" beziehungsweise "sehr gute" Bewertung der beiden Manager. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

stk/dpa

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
sven.kesch 25.04.2014
1. erstaunt mich nicht
denn als am 29.9.2011 im BT um den erweiterten Rettungsschirm für Griechenland ging - immerhin um 211 Milliarde Euro - wussten laut einem ARD-Bericht viele der Abgeordneten noch nicht einmal ob es um Millionen oder Mlliarden ging sie hatten absolut Null Ahnung, nickten den Rettungsschirm aber trotzdem ab.
karend 25.04.2014
2. Entfremdung
"Die politischen Entscheidungsträger sind offenbar auch wenig begeistert von der Wirtschaftselite." Ich gehe davon aus, dass viele auch nicht von den Politikern begeistert sind. Letztere haben sich längst von den Bürgern entfremdet. Dennoch werden sie - erstaunlicherweise - gewählt.
herr wal 25.04.2014
3.
Zitat von sysopDPAVon wegen Klüngel: Die Kluft zwischen Politik und Wirtschaft scheint in einigen Branchen ziemlich groß zu sein. Einer Umfrage zufolge kennen die meisten Politiker nicht einmal die Namen der Chefs großer Konzerne wie BASF oder ThyssenKrupp. http://www.spiegel.de/wirtschaft/basf-und-thyssenkrupp-politiker-kennen-top-manager-nicht-a-966144.html
Ist das jetzt neu? Stand doch schon vor ein paar Tagen hier, dass die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird.
Lok Leipzig 25.04.2014
4. Ignoranten allerorten
Zitat von sysopDPAVon wegen Klüngel: Die Kluft zwischen Politik und Wirtschaft scheint in einigen Branchen ziemlich groß zu sein. Einer Umfrage zufolge kennen die meisten Politiker nicht einmal die Namen der Chefs großer Konzerne wie BASF oder ThyssenKrupp. http://www.spiegel.de/wirtschaft/basf-und-thyssenkrupp-politiker-kennen-top-manager-nicht-a-966144.html
Politiker verstehen nichts von Wirtschaft, Manager haben wenig Verständnis für politische Abläufe und Entscheidungsprozesse, beide Lager empfinden mehr Verachtung als Respekt für die Gegenseite. Politiker treffen zuhauf Entscheidungen, die schädlich für Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand sind. Unternehmer und Manager sind darob fassungslos, verstehen selbst zwar viel von Betriebswirtschaft, öfter als gesund aber wenig von Volkswirtschaft und wirtschaftspolitischen Zusammenhängen. Das Wohl der eigenen Firma ht immer Vorrang vor dem Wohl der gesamten Volkswirtsschaft. Deshalb verteidigen Großkonzerne die Eurorettungspolitik, weil sie um ihre aktuellen Exporte fürchten, blenden aber den langfristigen Schaden aus, der ihre Unternehmen umso härter trifft. Was gut ist für Siemens, muss nicht gut sein für Deutschland. Politiker schauen nur auf die nächste Wiederwahl, Manager auf die nächste Vertragsverlängerung. Legislaturperioden dauern 5 Jahre, Vorstandsverträge laufen 3 bis 5 Jahre. Staatsmänner denken in Generationen, Politiker an die nächste Wahl. Unternehmer denken in Jahrzehnten, Manager bis zum Quartalsbericht.
grommeck 25.04.2014
5. Darum gibt es ja auch ...
5000 Lobbyisten in Berlin und 15000 in Brüssel...die machen das schon!
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