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01. September 2007, 15:05 Uhr

Basic-Chef im Interview

"Mit Lidl haben wir nichts zu tun"

Die Kunden verunsichert, die Lieferanten in Aufruhr: Die Biomarktkette Basic steckt Kritik von allen Seiten ein, seit sie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) als Investor hereingeholt hat. Im SPIEGEL-Interview verteidigt Basic-Chef Spanrunft seine Entscheidung - und erklärt seine Expansionspläne.

SPIEGEL: Herr Spanrunft, der Einstieg der Schwarz-Gruppe bei Basic sorgt unter Eigentümern, Lieferanten und Kunden für Missmut. Wieso sollen Kunden noch bei Basic kaufen und nicht gleich zu Lidl gehen?

Basic-Kundin (in München): "Bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle"
AP

Basic-Kundin (in München): "Bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle"

Spanrunft: Weil wir ein Biofachhandel sind und Lidl ein Discounter ist. Bei uns findet der Kunde hochwertige Bioprodukte.

SPIEGEL: Bei Lidl denn nicht?

Spanrunft: Da hat er nicht die gleiche Auswahl. Wir haben über 8000 Artikel, beim Discounter gibt es vielleicht 50 Bioartikel. Außerdem führen wir sehr viel Verbandsware im Sortiment, zum Beispiel Bioland, Demeter und andere. Das macht ja die Stärke des Fachhandels aus: Sortenvielfalt und Qualität.

SPIEGEL: Gerade die sieht Ihr wichtigster Lieferant Dennree aber offenbar gefährdet. Aus Protest gegen den Schwarz-Einstieg hat er die Verträge gekündigt. Von Dennree beziehen Sie immerhin die Hälfte Ihrer Ware.

Spanrunft: Der Dennree-Ausstieg tut weh, das stimmt. Jetzt müssen wir uns anstrengen, um in der kurzen Zeit eine eigene Logistik aufzubauen.

SPIEGEL: Werden Sie dazu die Schwarz'schen Einkaufs-Kanäle nutzen?

Spanrunft: Nein, wir arbeiten in keiner Weise zusammen. Am Logistik-Aufbau wird die Schwarz-Gruppe nicht beteiligt sein. Wir werden nur mit Herstellern kooperieren, die den Fachmarkt bedienen. Bioartikel von Lidl wird es in unseren Regalen nicht geben.

SPIEGEL: Die Warenwirtschaftssysteme bleiben also getrennt? Wie soll Ihr Miteigner da künftig Synergien nutzen?

Spanrunft: Zur Schwarz-Gruppe gehört neben Lidl ja auch Kaufland, dessen Einkäufer auch unabhängig arbeiten. Genauso wird es bei Basic sein. Es wird im Warenwirtschaftsbereich keine Zusammenarbeit geben, also auch keine Synergie-Effekte.

SPIEGEL: Auch dann noch, wenn die Alteigentümer im September ihre Anteile an die Schwarz-Gruppe verkaufen und sie dann die Mehrheit an Basic hält?

Spanrunft: Natürlich. Außerdem steht noch nicht fest, ob die Schwarz-Gruppe wirklich demnächst die Mehrheit bekommt.

SPIEGEL: Die Gruppe hält inklusive einer Wandelanleihe bereits jetzt 23 Prozent. Die beiden Gründer Richard Müller und Georg Schweisfurth, sowie der Schweizer Investor Theo Häni sind verkaufswillig. Da können die Lidl-Eigner doch einfach zugreifen.

Spanrunft: Das wird sich erst in zwei Wochen entscheiden. Bisher liegen noch keine Angebote für einen Aktienverkauf vor.

SPIEGEL: Derzeit gibt es in Deutschland 25 Basic-Märkte. Wie schnell wollen Sie wachsen?

Spanrunft: Wir werden versuchen, pro Jahr 10 bis 15 neue Märkte zu eröffnen. Dann wären wir in fünf Jahren bei 70 bis 80 Märkten.

SPIEGEL: Ihre Noch-Partner Richard Müller und Georg Schweisfurth hätten sich ein behutsameres Wachstum gewünscht.

Spanrunft: Die Expansionspläne sind im Kreis des Aufsichtsrates besprochen und einstimmig beschlossen worden. Schweisfurth und Müller waren als Beiräte mit anwesend und haben ebenfalls dieser Entscheidung zugestimmt.

SPIEGEL: Mit der Auswahl des Käufers haben Sie die beiden dann aber überrascht. Verabschieden Sie sich mit der Discounter-Koalition nun vollständig vom Öko-Idealismus, für den die Gründergeneration steht?

Spanrunft: Nein, bei Bio spielen neben der Qualität auch Werte eine Rolle: Umweltschutz, guter Umgang mit den Mitarbeitern, Tierschutz und vieles andere mehr. Nur wenn all diese Werte gelebt werden, ist der Verbraucher bereit, Bioware zu kaufen.

SPIEGEL: Lassen sich diese Werte denn mit den Lidl-Werten vereinbar?

Spanrunft: Mit Lidl haben wir nichts zu tun, sondern mit der Unternehmensgruppe Schwarz. Das ist eine rein finanzielle Beteiligung. Die Werte, die jetzt bei Basic gelebt werden, werden auch in Zukunft erhalten bleiben.

SPIEGEL: Was kann die Schwarz-Gruppe von Ihnen lernen?

Spanrunft: Dass im Bio-Bereich nicht der Preis im Vordergrund steht.

Das Interview führte Julia Bonstein

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