Baubranche in der Krise Wohnungsbau stürzt auf historischen Tiefstand

Auftragseinbruch, Jobabbau und keine Hoffnung auf Besserung: Die deutschen Baufirmen fürchten einen weiteren Einbruch ihrer Aufträge. Dabei wird schon jetzt so wenig gebaut wie noch nie.


Berlin - Die Bauwirtschaft wird besonders hart von der Rezession getroffen. In der Branche wurden im vergangenen Jahr so wenige Wohnungen fertiggestellt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Insgesamt wurden knapp 176.000 Wohnungen errichtet oder ausgebaut. Das waren 16,5 Prozent weniger als 2007, berichtet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Seit 1995, als mit 603.000 Wohneinheiten ein Höchststand erreicht wurde, ist die Zahl damit um mehr als 70 Prozent gefallen.

Bauarbeiten in Stuttgart: Triste Aussichten für die Baubranche
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Bauarbeiten in Stuttgart: Triste Aussichten für die Baubranche

Trotz milliardenschwerer Konjunkturhilfen hat sich die Lage der Branche deutlich verschärft. Die Firmen verbuchten die stärksten Geschäftsrückgänge seit vier Monaten und blicken zudem wieder pessimistischer auf die kommenden zwölf Monate, wie aus einer Markit-Umfrage unter etwa 200 Unternehmen hervorgeht, die am Montag veröffentlicht wurde. "Die Baufirmen fürchten, dass sich die geringe Ausschreibungstätigkeit sowie die Zurückhaltung der Auftraggeber bei der Projektvergabe negativ auf ihre Geschäfte auswirken könnte", heißt es in der Auswertung der Umfrage.

Der Einkaufsmanagerindex von Markit sank auf 41,0 Punkte von 44,8 Zählern im Mai und entfernte sich damit weiter von der Wachstumsmarke von 50 Punkten. Das Barometer signalisierte damit den 16. Monat in Folge Geschäftseinbußen. Deutlich nach unten ging es dabei im gewerblichen Bau und im Wohnungsbau, während die Tiefbauunternehmer nur leichte Geschäftseinbußen in Kauf nehmen mussten.

Die Firmen litten unter der rückläufigen Nachfrage, die zu einem verschärften Wettbewerb bei Ausschreibungen führte. Das entsprechende Barometer für den Auftragseingang fiel auf ein Vier-Monats-Tief. Die Krise dauert nunmehr seit März 2008 an.

Als Reaktion darauf strichen die Bauunternehmen den 15. Monat in Folge Arbeitsplätze. Im Juni gingen so viele Arbeitsplätze verloren wie seit Februar nicht mehr. Entlastung erhielten die Firmen dagegen bei den Kosten: Die Einkaufspreise sanken zum achten Mal in Folge - das ist der längste durchgehende Zeitraum sinkender Kosten seit Umfragebeginn vor knapp zehn Jahren.

beb/Reuters/dpa



Forum - Ist die Krise doch noch nicht vorbei?
insgesamt 563 Beiträge
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jinky, 01.07.2009
1.
Zitat von sysopDie deutsche Industrie ersehnt sich ein Ende des Abschwungs, doch danach sieht es keineswegs aus. Ist die Wirtschaftskrise noch längst nicht überstanden?
Wie sollte sie denn, wenn die Medikamente nicht nur unterdosiert verschrieben werden, sondern auch, bevor überhaupt nur ein nennenswertes Anschlagen beobachtet werden konnte, von Absetzen gefaselt wird - und man nicht gewillt ist, an den Umständen, die den Patienten haben erkranken lassen, auch nur irgendetwas zu ändern?
silverboy 01.07.2009
2. eine Krise
kann ja wohl kaum beendet sein, wenn sie noch nicht einmal angefangen hat. Das muß erst richtig knallen. Da müssen erst Geldbestände und Überproduktion verschwinden. So 2015-2020 können wir wieder von einem Ende sprechen.
ender, 01.07.2009
3.
Zitat von sysopDie deutsche Industrie ersehnt sich ein Ende des Abschwungs, doch danach sieht es keineswegs aus. Ist die Wirtschaftskrise noch längst nicht überstanden?
Die Krise hat ja noch gar nicht richtig eingesetzt. Die Ursachen der Krise sind tief in der Gesellschaft verwurzelt und die wahren Gründe spielen in der öffentlichen Diskussion - und damit im öffentlichen Bewusstsein - noch gar keine Rolle. Die Krise wird sich solange weiter verstärken, bis es zu einem echten Kollaps kommt oder die Ursachen erkannt werden und gegengesteuert wird.
kathrin_erlenbacher, 01.07.2009
4.
Zitat von sysopDie deutsche Industrie ersehnt sich ein Ende des Abschwungs, doch danach sieht es keineswegs aus. Ist die Wirtschaftskrise noch längst nicht überstanden?
Doch, die Krise neigt sich dem Ende entgegen. Der neue deutsche Obama wird die Krise wegkuscheln: http://www.welt.de/multimedia/archive/00386/wowereit_freund_ddp_386248g.jpg
rempfi, 01.07.2009
5. Krise ? Welche Krise ?
Den Damen und Herren, die die Krise verursacht haben, geht es doch gut, also welche Krise bitte ? Die Politiker können doch weiter Ihre Kanapees mit den Herren, die den Hals nicht voll genug bekommen haben zu sich nehmen... Krise ? Für diese Herren ist es doch ein Fremdwort, den Arbeitsplatz zu verlieren... Ihre Schäfchen sind doch im Trockenen. Ihre Verantwortung ist doch nicht wichtig, Sie sind ja immun gegen Haftung. Erst dann, wenn deren Hütten brennen, wenn Sie den Zorn der Menschen spüren, werden sie etwas von Krise bemerken. Aber solange man noch öffentlich von Maßnahmen sprechen darf, ohne von intelligenten Moderatoren und Journalisten einmal auf die tatsächlichen Ursachen, nämlich die handwerklichen Fehler bei der Ausarbeitung von Gesetzen, bei der Abgabe von Macht nach Brüssel, Ihrer eigenen Geldgeilheit etc. angesprochen werden, kann man zumindest einmal über die tatsächlichen Ursachen der Krise sprechen. Jahrelang hat man die Menschen bewusst belogen, betrogen und mit schönen Worten getäuscht. Es muss noch viel passieren, bis die Krise tatsächlich vorbei ist, vermutlich muss die Mehrzahl der bspw. Deutschen erst einmal auf die Straße gehen, vielleicht mit dem Spruch "Wir haben die Schnauze voll, verpisst euch", bevor etwas geschieht, das die Augen öffnet. Mit fetten Bäuchen lässt sich gut über die Krise reden. Da lassen sich schön Arbeitslosenstatistiken fälschen, 58-jährige zwangsverrenten, nur damit die Statistiken stimmen, ja ja. Ach es gäbe so viele Gründe hier , aber der Politiker, der sich mit seinem Medienberater so gut versteht, der Vorstand und Manager, der Millionen scheffelt, der Aktionär, der den Hals nicht vollbekommt, der spürt doch keine Krise... wo denn bitte
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