Behördenpanne in Großbritannien Daten verschollen - Minister gerät unter Druck

Name, Bankdetails, Adresse, Sozialversicherungsnummer - in Großbritannien sind zwei CDs verschwunden, auf der persönliche Angaben von beinahe der Hälfte aller Einwohner gespeichert sind. Jetzt gerät Finanzminister Darling unter Druck - der zuständige Behördenchef musste bereits gehen.


London – Fehler von jungen Beamten - damit versucht der britische Finanzminister Alastair Darling die unglaubliche Panne in seinem Haus zu erklären: Zwei CDs mit vertraulichen Informationen von mehr als 25 Millionen Menschen sind verschollen. Sie wurden in der Hauspost aufgegeben - und sind seitdem verschwunden.

Großbritanniens Finanzminister Darling: Der Druck auf ihn nimmt nach der Behörden-Panne zu
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Großbritanniens Finanzminister Darling: Der Druck auf ihn nimmt nach der Behörden-Panne zu

Einige jüngere Kollegen hätten Sicherheitsvorkehrungen missachtet, als sie die CDs am 18. Oktober über das interne Postsystem der Behörde verschicken wollten, das vom Kurierdienst TNT betrieben wird, sagte Darling. "Der Versand wurde nicht aufgenommen oder registriert." Es bestehe kein Risiko, dass die CDs in "falsche Hände" gefallen seien, versicherte Darling heute und entschuldigte sich für den "unentschuldbaren" Fall, den er tief "bedauere". Es gebe keine Anzeichen für einen kriminellen Hintergrund. Eine Untersuchungskommission soll den Vorfall überprüfen.

Während der zuständige Behördenchef Paul Gray laut BBC-Angaben bereits gehen musste, hat Darling bisher noch die Rückendeckung von Premier Gordon Brown. Er genieße das "volle Vertrauen" des Regierungschefs, sagte eine Sprecherin.

Die Opposition ist angesichts der Riesen-Schlamperei aus dem Häuschen: "Lassen Sie uns klar werden über das Ausmaß dieses katastrophalen Fehlers", sagte der konservative Spitzenpolitiker George Osborne. "Die Namen, Adressen und die Geburtsdaten aller Kinder dieses Landes sind auf zwei Computer-CDs, die offensichtlich in der Post verloren wurden. Genauso verloren gegangen sind die Bankdaten und Versicherungsnummern von zehn Millionen Eltern, Erziehungsberechtigten und Betreuern."

Das "halbe Land" sei in Sorge um die Sicherheit der Familien, "und das halbe Land fragt sich, wie um alles in der Welt konnte die Regierung so etwas passieren lassen?" Damit habe sich das Projekt der Regierung, eine Datenbank mit den persönlichen Daten aller Briten aufzubauen, wohl erledigt, sagte Osborne - weil man dieser Regierung ja "schlicht nicht die persönlichen Daten der Leute anvertrauen könne".

Sind die Daten nur verloren gegangen - oder sogar in die Hände von Betrügern gelangt? Dem "Guardian" zufolge hat eine Suchaktion der Polizei in der vergangenen Woche zu keinem Ergebnis geführt. Alle Banken und Bausparkassen wurden zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen, Inhaber von Bankkonten wurden ebenfalls alarmiert.

Im britischen Unterhaus hatte der Finanzminister bereits gestern versucht, die Gefahr abzuwiegeln: "Die Polizei sagte mir, dass sie keinen Grund habe anzunehmen, diese Daten hätten den Weg in falsche Hände gefunden." Kein Betrüger könne mit Hilfe der passwortgeschützten CDs Konten plündern.

flo/ase

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