Bei Zeitarbeitsfirmen: Airbus beginnt in Deutschland mit Jobabbau

Nach der Krisenverkündung beginnt Airbus nun offenbar mit dem Abbau von Personal - und zwar zuerst in Deutschland. Das Unternehmen kappt einem Zeitungsbericht zufolge Verträge mit Zeitarbeitsfirmen. Unterdessen spricht sich EADS-Co-Chef Enders gegen eine Staatsbeteiligung bei seinem Unternehmen aus.

Hamburg/Wien - Nach den Problemen beim Super-Airbus A380 hatte der Flugzeugbauer Airbus nicht nur Milliarden-Einsparungen sondern auch den Abbau von Stellen angekündigt. Bislang hielt sich das Unternehmen noch bedeckt, wie und in welchem Umfang es diesen Prozess vorantreiben wollte. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge beginnt der Flugzeugbauer nun mit dem Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland. Sprecher von Leiharbeitsfirmen sagten der Zeitung, es seien mehrere der üblicherweise quartalsweise geschlossenen Verträge gekündigt oder nicht verlängert worden. Zudem plane Airbus die Rückverlagerung von Aufträgen, die an Fremdfirmen vergeben wurden. Offene Stellen würden nicht mehr besetzt.

Airbus beginnt mit Stellenabbau: Mitarbeitern droht der Jobverlust
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Airbus beginnt mit Stellenabbau: Mitarbeitern droht der Jobverlust

Ein Airbus-Sprecher sagte dazu am Sonntag, es gebe noch keine endgültigen Beschlüsse über den Umfang von Personalmaßnahmen. Die Verhandlungen seien im Gang. Airbus-Deutschland habe zuletzt 22.000 eigene Mitarbeiter beschäftigt sowie 7000 Mitarbeiter von Leiharbeitsfirmen. Die mehreren Dutzend Leiharbeitsfirmen werden Beobachtern zufolge die Hauptbetroffenen der verzögerten Auslieferung des Großraumjets A380 sein. Airbus Deutschland hatte 2003 das Arbeitszeit- und Beschäftigtenmodell "SiduFlex" (Sicherheit durch Flexibilität) entwickelt. Es sieht die Vergabe von bis zu 30 Prozent der Kapazitäten an Fremdfirmen vor. Im Gegenzug wurde eine Absicherung gegen betriebsbedingte Kündigungen für die Stammbelegschaft bis 2012 vereinbart.

Der Airbus-Betriebsrat drohte indes nach einem Bericht des Magazins "Focus" mit Streik, sollte es zu einseitigen Einschnitten in deutschen Werken kommen. Die Airbus-Muttergesellschaft EADS befindet sich wegen der Lieferschwierigkeiten beim Airbus A380 in der schwersten Krise seit ihrer Gründung. Dem Konzern drohen Milliarden-Ausfälle durch die verschobene Auslieferung des Flugzeugs.

Enders: Hysterie fehl am Platze

Angesichts der Krisen-Situation stößt unterdessen eine mögliche Beteiligung des deutschen Staates bei dem Mutterkonzern von Airbus in der Unternehmensführung auf deutliche Kritik: "Es gibt keinen Grund für einen Einstieg Deutschlands als Aktionär", EADS-Co-Chef Thomas Enders der österreichischen Tageszeitung "Die Presse". Es sei weder ein deutsch-französischer Krieg ausgebrochen noch stünden EADS und Airbus vor der Pleite. "Die Hysterie, die derzeit in Deutschland um EADS und Airbus herrscht, ist völlig fehl am Platz." Die Beteiligungs- Diskussion habe einen handfesten Grund: "Die Angst der Deutschen vor der französischen Dominanz und dem Einstieg der Russen."

Der Manager sprach sich außerdem grundsätzlich gegen staatliche Beteiligungen aus. "Ich sehe keine Notwendigkeit für irgendwelche Staatsbeteiligungen bei EADS". Großbritannien und die USA zeigten, dass Staaten ihre Interessen auch ohne direkte Beteiligung geltend machen könnten. "Das angelsächsische Modell mit einer breit gestreuten Aktionärsstruktur ist meine Vision", sagte Enders.

Der "Spiegel" berichtet, eine Beteiligung des Bundes stehe in Kürze bevor. Gespräche der Regierung mit EADS-Aktionär DaimlerChrysler verliefen "reibungslos". Auslöser der Diskussion mitten in der Krise um die EADS-Tochter Airbus und ihr Prestigeprojekt A380 ist die Verkaufsabsicht von DaimlerChrysler, der sich von 7,5 seiner 22,5 Prozent Anteile an EADS trennen möchte. Bei einer Übernahme der Anteile des Autokonzerns seitens ausländischer Investoren könnte die deutsch-französische Machtbalance gestört werden und - so fürchten Experten - deutsche Airbusstandorte bei Sanierungsmaßnahmen stärker betroffen sein.

Wirtschaftsministerium setzt auf private Investoren

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vergangene Woche in Paris mehrfach betont, die Bundesregierung habe bisher keinen Einstieg bei EADS beschlossen, schließe aber nichts aus. Offenbar sucht die Regierung in Berlin fieberhaft nach verschiedenen Möglichkeiten, um weiterhin deutschen Einfluss bei EADS geltend machen zu können. Das Wirtschaftsministerium bemühe sich mit Unterstützung des Kanzleramtes darum, ein Konsortium aus deutschen Zulieferern und Ausrüstern zu bilden, die Airbus beliefern, berichtet die "Financial Times Deutschland".

"Für das Ministerium ist es vorrangig, private Investoren zu finden", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl (CSU), der Zeitung. Im Gespräch sei auch ein Treffen potenzieller Investoren mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CDU). Das Bundesfinanzministerium arbeite dagegen weiter an einem Konsortium unter Führung der KfW. Glos bekräftigte unterdessen in der "Bild am Sonntag", "eine Beteiligung der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau würde die Sanierung erschweren". "Die Restrukturierung und Sanierung von Airbus muss unter industrieller Führerschaft erfolgen."

Laut "Spiegel" besteht bei der staatseigenen KfW-Bankengruppe Bereitschaft, den Anteil zu übernehmen, bis sich vielleicht doch ein deutscher Interessent findet. Einen Teil davon wolle Hamburg kaufen, um seinen Einfluss auf den wichtigsten Arbeitgeber der Stadt, das Airbuswerk in Finkenwerder, zu sichern. Im "Handelsblatt" bestätigte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall, "Hamburg ist bereit, Anteile an dem Grundkapital von EADS zu übernehmen. Denn wir sind sehr daran interessiert, dass eine gleichgerichtete Verteilung der Kapitalanteile bei EADS zwischen Deutschland und Frankreich vorhanden ist. Eine endgültige Entscheidung ist hierüber aber noch nicht gefallen".

fok/dpa/AP/AFP/ddp

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