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Beluga-Prozess: Anklage erhebt schwere Vorwürfe gegen Stolberg

In einem der größten Prozesse der Schifffahrtsbranche steht der Gründer der Reederei Beluga in Bremen vor Gericht. Niels Stolberg habe "bewusst und gewollt" geschönt, gefälscht und hintergangen, heißt es zum Prozessauftakt.

Beluga-Gründer Stolberg: Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Zur Großansicht
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Beluga-Gründer Stolberg: Schwere Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Niels Stolberg galt lange als Überflieger und Star der Schifffahrt: Gründer der Schwergutreederei Beluga, Hoffnungsträger der Stadt Bremen, Selfmade-Millionär. Das war einmal. Seit Mittwoch steht der 55-Jährige in einem der größten Wirtschaftsprozesse der Branche vor dem Bremer Landgericht. Er soll laut Staatsanwaltschaft "bewusst und gewollt" mit anderen Managern Bilanzen geschönt, Rechnungen gefälscht und Investoren hintergangen haben.

Mit auf der Anklagebank sitzen neben Stolberg drei ehemalige Manager der Bremer Reederei. Allein die Verlesung der insgesamt drei Anklagen dauerte am ersten Prozesstag mehr als zwei Stunden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft haben Stolberg und einer der Mitangeklagten in 16 Fällen Banken über die Kosten von 20 neuen Schiffen getäuscht, damit die Geldinstitute höhere Kredite gewährten. Die beiden Angeklagten hätten einen gemeinsamen Tatplan gefasst, sagte Staatsanwalt Frank Passade. Dabei hätten sie eine deutlich höhere Fremdfinanzierung von der Bremer Landesbank, der Norddeutschen Landesbank, der einstigen Dresdner Bank, der Commerzbank und der HSH Nordbank erhalten.

Außerdem sollen Stolberg und zwei seiner Mitangeklagten die Umsatzerlöse und die Auftragslage des Beluga-Konzerns beim Einstieg des US-Investors Oaktree frisiert haben. Dazu dienten unter anderem fingierte Rechnungen von Scheinfirmen in Panama. Für die Finanzierung von Schiffsneubauten habe Beluga dringend Geld gebraucht, um die nötige Eigenkapitalquote erbringen zu können, sagte der zweite Staatsanwalt Ingo Rathke.

Um die wirtschaftliche Lage von Beluga besser aussehen zu lassen, hätten die Angeklagten unter anderem gefälschte Rechnungen und Aufträge vorgelegt sowie Zahlungen als Scheinumsätze verbucht. Stolberg habe in allen Fällen in der Absicht gehandelt, seiner Reederei Einnahmen zu verschaffen, sagte Rathke. Der Oaktree-Tochter OMC Finance sei dadurch ein Vermögensverlust von rund 5,4 Millionen Euro entstanden.

Stolbergs Anwalt, Bernd Groß, kündigte für nächsten Mittwoch eine Aussage seines Mandaten an. "Dabei wird sich vieles relativieren, einiges wird sich als falsch herausstellen und zu den Sachen, wo Herr Stolberg die Verantwortung zu übernehmen hat, und es sozusagen auch Vorwürfe gibt, die berechtigt sind, wird Herr Stolberg sich auch dazu bekennen", sagte Groß.

brk/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Unsere Schule hatte eine Partnerschaft mit Beluga..
MRGEIL 20.01.2016
.. auch hier wurde auf "dicke Hose" vor angehenden Abiturienten gemacht. In unserem Wirtschaftskurs wurden - selbst kurz vor der Pleite - regelmäßig beschönigte Informationsmaterialien über die Beluga verteilt. Der Höhepunkt war die Einladung in das alte Beluga Gebäude, kurz vor dem Umzug und der Pleite. Es wurde von "glänzenden Berufsaussichten" bei der Beluga gesprochen und sogar eine eigene Schule gegründet, bei der man sein Abitur hätte machen können. Tja. Das ist die Beluga und Nils Stollberg. Bremer - und wohl auch Sylter - können ein Lied davon singen. Ich bin mir sicher in 20 Jahren wird das Thema in meinem ehemaligem Wirtschaftskurs noch einmal aufgegriffen. Ich habe mein P5 "gescheiterte Bremer Traditionsunternehmen" über den Bremer Vulkan verfasst.
2.
kojenralle 21.01.2016
Zitat von MRGEIL.. auch hier wurde auf "dicke Hose" vor angehenden Abiturienten gemacht. In unserem Wirtschaftskurs wurden - selbst kurz vor der Pleite - regelmäßig beschönigte Informationsmaterialien über die Beluga verteilt. Der Höhepunkt war die Einladung in das alte Beluga Gebäude, kurz vor dem Umzug und der Pleite. Es wurde von "glänzenden Berufsaussichten" bei der Beluga gesprochen und sogar eine eigene Schule gegründet, bei der man sein Abitur hätte machen können. Tja. Das ist die Beluga und Nils Stollberg. Bremer - und wohl auch Sylter - können ein Lied davon singen. Ich bin mir sicher in 20 Jahren wird das Thema in meinem ehemaligem Wirtschaftskurs noch einmal aufgegriffen. Ich habe mein P5 "gescheiterte Bremer Traditionsunternehmen" über den Bremer Vulkan verfasst.
Sie haben sicherlich tiefe Einblicke durch Ihr fundiertes Wissen über die" gescheiterten Bremer Traditionsunternehmen", dank weitreichender Recherche, die bestimmt über einen Rundgang in der Firmenzentrale von Beluga hinausgehen. Schade nur, das Sie nicht mal den Namen des von Ihnen beschriebenen richtig schreiben konnten, steht er doch mittlerweile groß oben im Text. Ich hoffe, Sie haben Ihr Abitur besser gemacht , als Ihren Kommentar . Der Fall Beluga ist aus Wirtschaftswissenschaftlicher Sicht sehr interessant , da hier die Verstrickungen von Banken ,Investoren, Werften und Reedereien eine wichtige Rolle spielen werden. Aber das wissen Sie bestimmt schon, Ihr aufschlussreicher Kommentar lässt darauf schließen
3. Job verfehlt
MurkselsOpfer 21.01.2016
Er habe "bewusst und gewollt...mit anderen Managern Bilanzen geschönt, Rechnungen gefälscht und Investoren hintergangen...". Das hört sich an, wie ein Bewerbungsschreiben für einen Ministerposten.
4. Hallo Kritiker
MRGEIL 21.01.2016
Zitat von kojenralleSie haben sicherlich tiefe Einblicke durch Ihr fundiertes Wissen über die" gescheiterten Bremer Traditionsunternehmen", dank weitreichender Recherche, die bestimmt über einen Rundgang in der Firmenzentrale von Beluga hinausgehen. Schade nur, das Sie nicht mal den Namen des von Ihnen beschriebenen richtig schreiben konnten, steht er doch mittlerweile groß oben im Text. Ich hoffe, Sie haben Ihr Abitur besser gemacht , als Ihren Kommentar . Der Fall Beluga ist aus Wirtschaftswissenschaftlicher Sicht sehr interessant , da hier die Verstrickungen von Banken ,Investoren, Werften und Reedereien eine wichtige Rolle spielen werden. Aber das wissen Sie bestimmt schon, Ihr aufschlussreicher Kommentar lässt darauf schließen
Mein Kommentar sollte die Omnipräsenz des Beluga Konzerns in Bremen widerspiegeln und die parallele zum Bremer Vulkan ziehen, der ebenso wie Beluga auf einer anderen Ebene versucht hat mehr zu sein, als er eigentlich ist. (Stichwort Siemens der Marine / Seefahrt?) Viele Stimmen behaupten, die Insolvenz des Vulkans wäre abzuwenden gewesen. Auch hier wurden Gelder veruntreut, allerdings öffentliche. Friedrich Hennemann wurde vom Star zum Buhmann.
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