Berichte aus Japan US-Behörde untersucht Tod von Tamiflu-Patienten

Mögliche Nebenwirkungen des Grippemittels Tamiflu haben europäische und amerikanische Behörden auf den Plan gerufen. In Japan wird das Grippemittel sogar in Verbindung mit dem Tod von zwölf Kindern gebracht. Der Herstellerkonzern Roche weist einen Zusammenhang zurück.


Frankfurt - Die US-Gesundheitsbehörde FDA zeigte sich beunruhigt über Berichte aus Japan, nach denen zwölf Kinder nach der Einnahme des Grippemittels gestorben sein sollen. Allerdings seien die Berichte hinsichtlich der Todesursache extrem schwierig zu interpretieren, hieß es bei der FDA, die mehr Informationen vom Tamiflu-Hersteller Roche verlangte. Aufklärung verlangt die Behörde auch für 32 Fälle, in denen Kinder nach der Einnahme von Tamiflu Halluzinationen gehabt haben sollen.

Grippemittel Tamiflu: "Anormales oder gestörtes Verhalten"
Roche

Grippemittel Tamiflu: "Anormales oder gestörtes Verhalten"

Die europäische Zulassungsbehörde EMEA möchte Informationen zu Fällen psychischer Probleme nach der Einnahme von Tamiflu. Ebenfalls in Japan sollen sich zwei Jugendliche nach der Einnahme des Grippemittels sogar umgebracht haben. Ein 17-Jähriger habe sich im Februar vergangenen Jahres, ein 14-Jähriger im Februar dieses Jahres das Leben genommen, teilte die Behörde mit.

In beiden Fällen hätten die Jugendlichen ein "anormales oder gestörtes" Verhalten an den Tag gelegt. Bis dato sei jedoch kein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Tamiflu und psychischen Beschwerden wie Wahnvorstellungen oder Verhaltensstörungen festgestellt worden, so die Behörde weiter.

Die Feststellung neuropsychatrischer Probleme während der Behandlung mit Tamiflu dürfte aber ohnehin schwierig werden. Grippepatienten nähmen oft eine ganze Reihe verschiedener Medikamente gleichzeitig ein. Zudem führe die Kombination von Grippe mit hohem Fieber oft zu neuropsychatrischen Problemen. Dies gelte insbesondere für Kinder und ältere Menschen.

Der Pharma-Konzern Roche betonte unterdessen, es sei keine Zunahme von Todesfällen oder neuropsychiatrischen Vorfällen bei Tamiflu-Patienten im Vergleich zu anderen Grippe-Patienten feststellbar. Klinische Studien bewiesen, dass weniger Grippepatienten nach einer Tamiflu-Behandlung stürben als ohne. Von einer Million behandelter Kinder sei nur eines gestorben. Aus den USA wurden keine Todesfälle bei Kindern gemeldet, weltweit wurden bis dato 11,6 Millionen Kinder mit Tamiflu behandelt, so Reddy weiter.

Die Roche-Aktien gerieten dennoch kräftig unter Druck. Sie notierten in Zürich um 1,9 Prozent im Minus mit 188,50 Franken. Dabei ist das Grippemittel eigentlich der große Verkaufsschlager des Konzerns, weil es als wirksames Medikament gegen die Vogelgrippe gilt. Weltweit boomt derzeit die Nachfrage sowohl von Staaten als auch von Privatverbrauchern, die gegen die derzeit vor allem in Asien grassierende Krankheit gewappnet sein wollen. In den ersten neun Monaten des Jahres hatte sich der Umsatz mit dem Grippemittel auf 550 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Vertreter von Roche sowie der FDA kündigten an, nähere Informationen zu den strittigen Fällen zu präsentieren.



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