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Berlinpolis: Agentur dementiert verdeckte PR-Aktion für die Bahn

Die Deutsche Bahn hat Internet-Foren unterwandert und fingierte Leserbriefe verschickt, um das ramponierte Image des Unternehmens zu verbessern. Eine in die Kritik geratene Beratungsagentur bestreitet jetzt, die Öffentlichkeit im Auftrag der Bahn in die Irre geführt zu haben.

Berlin - Die Beratungsagentur Berlinpolis dementiert, die Öffentlichkeit im Auftrag der Deutsche Bahn bewusst irregeführt zu haben. "Von Berlinpolis in Auftrag gegebene Meinungsumfragen beruhen auf von Berlinpolis selbst erstellten Fragen", teilte der Geschäftsführer der Agentur, Daniel Dettling, am Freitag in Berlin mit. Diese seien von der Deutschen Bahn nicht vorgegeben worden.

Bahn-Chef Grube: Kommunikationschef entlassen
AP

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Die Bahn hatte am Donnerstag verdeckte Öffentlichkeitsarbeit im Jahr 2007 eingeräumt. Dabei ging es auch um von Berlinpolis lancierte Meinungsumfragen zum Bahn-Börsengang und zum damaligen Tarifkonflikt.

Berlinpolis teilte mit, zur Bahn keine Vertragsbeziehung gehabt zu haben. Ob Berlinpolis aber über die Agentur EPPA indirekt PR-Aufträge der Bahn erhalten hat, ließ Dettling in seiner schriftlichen Stellungnahme offen. Darüber hinaus wollte Dettling am Freitag keine Fragen beantworten.

Der Verein LobbyControl hatte berichtet, EPPA habe Berlinpolis mit PR-Aktionen für die Bahn beauftragt. Den Autoren der LobbyControl-Studie "Jenseits des öffentlichen Interesses" zufolge sei der konservative Think Tank Berlinpolis für die verdeckte Werbung verantwortlich. "Berlinpolis veröffentlichte mehrere Meinungsumfragen zur Bahn und zur Bahnprivatisierung, die bahnfreundlich angelegt waren", schreibt LobbyControl. Ziel der Agentur ist es nach eigenen Angaben, "Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Medien" zu nehmen.

Nach Informationen des SPIEGEL hat die Bahn im Medien-Manipulationsskandal auch Internet-Foren regelrecht unterwandert - und damit versucht, die öffentliche Meinung für den Bahn-Börsengang und gegen den Lokführerstreik zu beeinflussen. Das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Rahmen der von Bahn-Chef Rüdiger Grube angeordneten Sonderprüfung festgestellt.

Demnach war auch das Forum von SPIEGEL ONLINE betroffen. Von insgesamt rund 2400 Beiträgen in drei Bahnforen waren etwa ein Viertel der Beiträge verdeckt im Auftrag der Bahn geschrieben gepostet worden. Die Bahn ließ auch fertige Artikel an Zeitungen und Zeitschriften verschicken, ohne sich als Auftraggeber kenntlich zu machen. Mehrere überregionale und regionale Medien veröffentlichten demnach die Beiträge.

Auch bezahlte Leserbriefe wurden von den für die Bahn tätigen Agenturen an die Presse verschickt, zudem Beiträge in Radiosendern und Videoclips in Internet-Communities plaziert. Selbst Prominenten-Testimonials ließ die Bahn einsetzen: So brüstete sich die Agentur Allendorf mit Beiträgen, in denen sich die Sat.1-Moderatorin Barbara Eligmann und der ehemalige RTL-Talkmaster Hans Meiser ausgesprochen positiv über die Bahn äußern. KPMG geht davon aus, dass es sich bei den Machenschaften zumindest teilweise um unlauteren Wettbewerb handelt.

Bei der Bahn hat die Affäre bereits erste Konsequenzen: Sie entband am Freitag den für die verdeckte Werbung verantwortlichen Manager Ralf Klein-Bölting von seinen Aufgaben. Das teilte ein Bahnsprecher am Freitag auf Anfrage mit. Bahnchef Grube zog damit die am Vortag angekündigten personellen Konsequenzen aus den verdeckten Maßnahmen. Klein-Bölting war Generalbevollmächtigter für Marketing und Kommunikation.

sam/kaz/AP

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