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25. November 2008, 12:19 Uhr

Beschäftigte in Deutschland

OECD sagt drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit voraus

Die Finanzkrise schlägt voll auf den Arbeitsmarkt durch: 700.000 Arbeitslose mehr wird es laut OECD bis 2010 in der Bundesrepublik geben. Deutsche Firmen werden besonders unter dem Abschwung leiden - aber auch in den übrigen Industriestaaten schrumpft die Wirtschaft.

Paris - Die Prognose ist düster: Wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland bis 2010 um 700.000 Menschen ansteigen. Das prophezeit die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer halbjährlichen Wirtschaftsprognose. Darin sieht die Organisation die Bundesrepublik im kommenden Jahr in einer tiefen Rezession: Die deutsche Ökonomie werde insbesondere durch die starke Abhängigkeit seiner Wirtschaft von Exporten "hart getroffen" und deshalb 2009 um 0,9 Prozent schrumpfen, so die Vorhersage.

Bauarbeiter in Berlin: 700.000 Arbeitslose mehr
DDP

Bauarbeiter in Berlin: 700.000 Arbeitslose mehr

Die OECD ist mit ihrer Prognose deutlich pessimistischer als die Bundesregierung, die bisher noch von einem Wachstum im kommenden Jahr von 0,2 Prozent ausgeht. Laut der OECD wird der Abschwung vor allem die erste Jahreshälfte betreffen, danach werde sich die Wirtschaft allmählich wieder erholen. 2010 werde es dann nach den nicht kalenderbereinigten Zahlen wieder ein Wachstum von 1,3 Prozent geben.

Auch in den übrigen Industriestaaten sind die Aussichten nicht viel besser: Nach den Schätzungen der OECD wird die Wirtschaft in den USA und in der Euro-Zone bis in das kommenden Jahr hinein schrumpfen. Für 2009 rechnet die Organisation nun mit einem Schrumpfen der Wirtschaft in der Euro-Zone um 0,6 Prozent, nachdem sie in diesem Jahr um 1,0 Prozent gewachsen war. 2010 dürfte sich die Wirtschaftsleistung dann wieder um 1,2 Prozent erhöhen.

In den USA wird die wirtschaftliche Aktivität laut der OECD 2009 um 0,9 Prozent zurückgehen, in Japan wird mit einem Minus von 0,1 Prozent gerechnet. Für die gesamte OECD ergebe sich damit ein Rückgang um 0,4 Prozent, nach einem Wachstum von 1,4 Prozent 2008.

Viele OECD-Volkswirtschaften befänden sich bereits in oder stünden am Rande einer langwierigen Rezession, wie sie seit Beginn der achtziger Jahre nicht aufgetreten sei, teilten die Forscher mit. Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone könnte nach OECD-Berechnungen im Jahr 2010 auf 9,0 Prozent steigen. In diesem Jahr werde sie voraussichtlich bei 7,4 Prozent liegen und 2009 bei 8,6 Prozent. In den USA wird in diesem Zeitraum mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote um 1,8 Punkte auf 7,5 Prozent gerechnet.

Die OECD fordert vor dem Hintergrund des drastischen Abschwungs zusätzliche Stimulierungsmaßnahmen. Dabei sei insbesondere die Fiskalpolitik gefordert, da der Spielraum für weitere Leitzinssenkungen und damit eine geldpolitische Lockerung in manchen Ländern begrenzt sei. Die Maßnahmen sollten aber rasch wieder abgebaut werden, wenn sich die Wirtschaft erhole.

cvk/dpa-AFX/AP

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