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Bespitzelung im Büro: Wenn der Chef James Bond spielt

Von Tobias Lill

Die heimliche Überwachung der Mitarbeiter bei Lidl hat einen Skandal ausgelöst - dabei kontrollieren Vorgesetzte bereits bei mehr als jedem dritten Arbeitnehmer unbemerkt den Computer. Auch versteckte Minikameras im Großraumbüro sind keine Seltenheit mehr.

Coburg - Manfred Fink ist auf der Suche. Langsam schwenkt er den schwarzen Detektor über das Bücherregal. Das Gerät rattert, plötzlich schlägt das Display aus. "Da haben wir es", sagt der Franke, nimmt ein Telefonbuch aus dem Regal und schüttelt es kräftig. Eine schwarze Scheibe, nicht viel größer als ein Euro-Stück, fällt heraus.

Auf den ersten Blick ist kaum vorstellbar, dass mit diesem Miniaturmikrofon Gespräche auch hundert Meter weit entfernt zu empfangen sind. "Die Wanze hat nach wie vor Hochkonjunktur", sagt Fink, der seinen Kunden gerne in seinem Testbüro zeigt, wie er arbeitet. Fink ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Abhörtechnik der IHK Coburg. Sein Geschäfte laufen gut. Elf Mitarbeiter hat seine Firma mittlerweile.

Meist bekämpft Fink mit seinem High-Tech-Geräten Fälle von Wirtschaftsspionage. Doch des Öfteren bitten ihn Chefs auch bei der Aufklärung von Diebstählen mitzuhelfen. "Manchmal empfehle ich dann eine verdeckte Videoüberwachung", sagt er. So etwa im Fall eines Unternehmens, bei dem der Zählerstand eines Bürokopierers regelmäßig am Wochenende zu hoch gewesen sei.

Die Installation der Minikameras ist einfach. In Großraumbüros gibt es Fink zufolge zahlreiche Möglichkeiten, die Schnüffelutensilien zu verbergen. "Ein beliebtes Versteck sind die vielen Rauchmelder am Arbeitsplatz", erklärt Fink. Doch auch kaputte Lampen und sogar die Topfpflanze stehen als Tarnung für die Minikameras bei Detektiven hoch im Kurs.

"Lidl ist keine Ausnahme"

Deshalb überraschen Fink die jetzt aufgedeckten systematischen Spitzelattacken etwa beim Discounter Lidl kaum. "Manchmal kommen auch zu uns Firmen, die eine ständige und umfassende Überwachung ihrer Mitarbeiter wünschen. Aber so eine heimliche Rundumausforschung nach Gutsherrenart lehnen wir natürlich ab", sagt der Sachverständige. Doch der Sicherheitsexperte ist sich sicher: "Lidl ist keine Ausnahme. Versteckte Kameraüberwachung der Mitarbeiter ist in manchen Branchen Gang und Gäbe." Ein Beispiel hierfür sei etwa das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Auch Konrad Freiberg, Chef der Gewerkschaft der Deutschen Polizei (GDP), geht davon aus, dass die "heimliche Überwachung am Arbeitsplatz in den vergangenen Jahren massiv zugenommen hat". Freiberg hält vor allem die "immer bessere Verfügbarkeit der dafür notwendigen Geräte" für ein großes Problem. Sicherheitsexperten schätzen, dass hierzulande mehrere hunderttausend Wanzen und Minikameras im Umlauf sind.

Kein Wunder: Eine Minikamera im Rauchmelder gibt es im Internet schon für 79 Euro und eine fünf Millimeter große, unscheinbare Wanze, "made in China", bereits ab 29 Euro. Billige Geräte und manch zwielichtiger Schnüffler lassen aus einem misstrauischen Bürochef schnell einen James Bond im Nadelstreifen werden. "Früher musste man konspirativ in einen Spyshop nach London, heute bestellt man die Technik einfach online", sagt auch Sachverständiger Fink.

Vorgesetzte haben Computer im Visier

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar erklärte vergangene Woche, die aufgedeckten Bespitzelungsfälle bei einigen Discountern seien "keine Einzelfälle" und "nur die Spitze des Eisbergs". Vor allem die Computernutzung ihrer Angestellten haben Vorgesetzte immer öfter im Visier. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Mummert Consulting überwacht der Chef bereits bei mehr als jedem dritten Mitarbeiter heimlich den PC-Arbeitsplatz. Es gibt sogar Programme, die jeden Tastendruck des Angestellten aufzeichnen.

"Entscheidend für die juristische Bewertung der E-Mail-Überwachung ist vor allem, ob diese mit Wissen der Mitarbeiter geschieht und es eine entsprechende Vereinbarung im Betrieb gibt", sagt der Arbeitsrechtsexperte Rüdiger Helm. Denn generell gilt: Wenn die private Nutzung des Internets in einem Unternehmen verboten ist, darf der Chef auf eingehende Mails zugreifen. Ist diese gestattet, verstößt das Lesen der E-Mails gegen das Fernmeldegeheimnis.

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Mitarbeiterüberwachung: Mit Kameras und Wanzen im Büro
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