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Besucherstreik: Ufa-Kinos stürzen in die Insolvenz

Während des Multiplex-Booms hat sie sich verspekuliert, in den letzten Monaten verschärfte ein drastischer Zuschauerrückgang die Probleme: Die Kinokette Ufa, die drittgrößte in Deutschland, hat Insolvenzantrag gestellt.

Leere Säle: Der konjunkturbedingte Besucher-Streik hat den Ufa-Kinos den Rest gegeben
DPA

Leere Säle: Der konjunkturbedingte Besucher-Streik hat den Ufa-Kinos den Rest gegeben

Hamburg - Die Geschäftsführung der Hamburger Ufa-Theater GmbH & Co. KG hat den Antrag nach eigenen Worten am Montag eingereicht. Der Besucherrückgang habe in den vergangenen Monaten zu einer deutlichen Verschlechterung der Liquidität geführt.

Die Kinokette soll im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens saniert werden, hieß es in der Mitteilung weiter. Der Spielbetrieb in den bundesweit 38 Kinos werde fortgeführt und sei finanziell abgesichert. Das gelte auch für die Lohnzahlungen an die rund 1000 Voll- und Teilzeitmitarbeiter. Das Arbeitsamt garantiert diese Bezüge im Insolvenzfall für drei Monate.

Zahl der Kinos bereits gedrittelt

In der Ufa-Theater GmbH setzt Geschäftsführer Stephan Lehmann seit Mitte 2000 ein drastisches Sanierungskonzept um. Der Sparkurs war nach einer vorschnellen Expansion in den Zeiten des Multiplex-Booms der neunziger Jahre nötig geworden. Die Zahl der Ufa-Kinos in Deutschland wurde bereits von 99 auf 38 und die Zahl der Sitzplätze um mehr als ein Drittel auf 55.000 reduziert.

"Wir sind zuversichtlich, dass wir die Sanierung jetzt endgültig abschließen und optimistisch, dann gestärkt am Markt zu agieren", sagte Lehmann am Montag. Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder soll die Restrukturierung vollzogen werden. Vor allen Dingen sollen niedrigere Mieten für die Filmtheater ausgehandelt werden.

Verspätet und übertrieben expandiert

Die Insolvenz bedroht eines der traditionsreichsten Unternehmen der deutschen Film- und Mediengeschichte. Die Universum Film AG (Ufa), der Historiker eine wesentliche Mitschuld am Aufstieg Adolf Hitlers in der späten Weimarer Republik geben, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten beschlagnahmt. Der Großkonzern, der zuvor Filmtheater, Produktionsstätten und Verleihfirmen umfasste, wurde entflochten. Dabei entstand die Ufa-Theater AG mit Sitz in Düsseldorf. 1972 übernahm der Filmkaufmann Heinz Riech, der eigene Kinos im Münsterland betrieb, das Unternehmen und baute es bis 1987 zu einer Gruppe mit rund 300 Kinos aus.

Die politische Wende 1989 eröffnete der Branche und auch den Ufa-Kinos die weitere Expansion. Aber neben Filetstücken in Großstädten mussten die Kinobetreiber durch Treuhandauflagen auch unrentable Kinos in kleineren Orten übernehmen. Als Wettbewerber Anfang der neunziger Jahre mit Multiplex-Kinos in den Markt drängten, wurden die Ufa-Theater kalt erwischt. Mit Investitionen von damals mehr als 300 Millionen Mark zog das Unternehmen nach, doch die ungestüme Expansion trug nicht die erhofften Früchte.

Die gescheiterte Ehe mit der Cinemaxx AG

Nachdem 1999 die beiden Fondsgesellschaften Pricoa und Apax als Gesellschafter und Finanzinvestoren in die neu gegründete Ufa-Theater GmbH & Co. KG eingestiegen waren, startete der neue Geschäftsführer Stephan Lehmann sein Sanierungsprogramm. Eine eineinhalb Jahre währende Kino-Ehe mit dem Hamburger Konkurrenten Cinemaxx AG, die einen Verbund mit 255 Millionen Euro Umsatz schaffen sollte, scheiterte im Sommer 2001. Seitdem ist Cinemaxx mit 10 Prozent an der Ufa Theater GmbH beteiligt, die ihren Sitz nach Hamburg verlegt hatte. Seit Juni diesen Jahres halten die Fonds 90 Prozent. Die Ufa-Theater AG, mittlerweile geführt von Volker Riech, ist seitdem nicht mehr Teilhaber.

Die Ufa-Kinos haben ihre lange führende Rolle auf dem deutschen Markt im letzten Jahrzehnt verloren und sind von Cinemaxx und der CineStar-Gruppe überholt worden.

Der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) bezeichnete den Ufa-Konkurs als "Warnsignal für die gesamte Branche". Die Probleme bei Ufa seien allerdings hausgemacht, sagte HDF-Geschäftsführer Andreas Kramer. Die Ufa habe viel zu teure Mietverträge unterzeichnet und die Erwartungen an die Besucherzahlen seien oft nicht realistisch gewesen. Die Ufa-Pleite belege, wie wichtig der Mittelstand sei. "Da wird gesund gewirtschaftet", sagte Kramer.

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