Betriebssysteme Novell kauft Microsoft-Jäger

Im Kampf gegen den übermächtigen Konkurrenten Microsoft geht der amerikanische Netzwerk-Spezialist Novell wieder in die Offensive. Der Nürnberger Linux-Pionier Suse soll ihm dabei helfen.


"Großer Schritt nach vorne: Linux-Pionier Suse

"Großer Schritt nach vorne: Linux-Pionier Suse



Provo/Nürnberg - 210 Millionen Dollar bezahlte Novell für das Nürnberger Unternehmen, das mit seinen knapp 400 Mitarbeitern weltweit als einer der führenden Anbieter von Software und Dienstleistungen rund um Linux gilt.

Das offene Betriebssystem Linux wird von Microsoft-Gründer Bill Gates als die größte Bedrohung der Vorherrschaft des Microsoft-Systems Windows angesehen. Der Kurs von Novell stieg an der US-Börse Nasdaq um fast 40 Prozent auf 8,40 Dollar, nachdem auch noch der weltgrößte Computerkonzern IBM ankündigte, 50 Millionen Dollar in Novell zu investieren.

Richard Seibt, der Chef der nicht an der Börse notierten Suse, feierte die Unterzeichnung des Vertrags am Dienstag als großen Schritt nach vorne. "Mit Novell verbindet uns die Begeisterung für offene, standardisierte Lösungen", sagte er. Seibt versprach, dass der Suse-Standort in Nürnberg voll erhalten bleibe.

Novel-Chef Jack Messman verwies auf die Vorteile für die Kunden. Kommerzielle Linux-Anwender könnten künftig viel bessere Wartungszusagen bekommen, sagte Messman. "Technikchefs in Firmen fragen, wer denn bereit steht, falls einmal ein Linux-System in der Nacht ausfällt. Mit unserer Support-Mannschaft können wir darauf jetzt eine verbindliche Antwort geben."

Suse erhofft sich über den Direktvertrieb von Novell und das dichte Netz von dessen Vertriebspartnern vor allem einen besseren Zugang zum weltweit wichtigsten Softwaremarkt USA, der ohne eine starke Präsenz vor Ort nicht erreicht werden kann. Suse hatte auf dem Höhepunkt der New-Economy-Ära schon einmal versucht, stärker in den USA vertreten zu sein. Dieses Engagement wurde aber im Rahmen eines Sparprogramms wieder zurückgefahren.

Die bisherigen Anteilseigner von Suse haben dem Vernehmen nach dem Verkauf bereits zugestimmt. Die Suse gehört bislang der Risikokapital-Firma e-millennium (32 Prozent), hinter der unter anderem SAP und die Deutsche Bank stecken, sowie den Unternehmen Apax (21 Prozent) und Adastra (20 Prozent). Den Rest halten Intel Capital, IBM, Hewlett-Packard und SGI, die insgesamt 12 Prozent der Anteile besitzen, sowie die SUSE-Gründer und die Belegschaft.

Novell rüstet sich mit dem Investment von IBM und der Übernahme von Suse gegen den harten Wettbewerb mit Microsoft. Das Stammprodukt von Novell, die Netzwerk-Software "Netware", die Ende der achtziger Jahre noch den Markt dominierte, wurde in den neunziger Jahren durch die "Windows-NT"-Systeme von Microsoft zurückgedrängt. Zwischenzeitlich versuchte das Unternehmen aus dem Mormonen-Staat Utah vergeblich, Microsoft mit einem eigenen PC-Betriebssystem Novell DOS und der Büro-Software WordPerfect ernsthaft Konkurrenz zu machen. Nun knüpft Novell an verschiedene Linux-Aktivitäten an und versucht, den allgemeinen Rückenwind für Open-Source-Projekte für sich auszunutzen.

Dabei tritt Novell auch gegen Hersteller kommerzieller Unix-Systeme wie Sun Microsystems (Solaris) und andere Linux-Spezialisten wie das US-Softwarehaus Red Hat an, das mit seiner Linux-Distribution in den USA führend ist.

Andreas Gebhard, Sprecher des Community-Treffs Linuxtag, wertete die Übernahme von Suse durch Novell als eine gute Entwicklung für die Linux-Gemeinschaft. Novell sei als solides Unternehmen bekannt. Durch den Kauf könne Novell nun auf ein weltweites Entwicklernetz zurückgreifen, das SUSE insbesondere im Rahmen der UnitedLinux-Initiative mit Schwerpunkten in Europa, Lateinamerika und Asien aufgebaut habe. "Ich hoffe, dass es sich um eine ernst gemeinte Kooperation handelt."



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.