Betrug beim Arzt: Milliardenschaden durch "Wander-Chipkarten"

Neben dem Car-Sharing erfreut sich auch das Chipkarten-Sharing steigender Beliebtheit, so scheint es: Patienten gehen mit geborgten Krankenkassenkarten zum Arzt, lassen sich gratis mitbehandeln - und die Ehrlichen sind wieder die Dummen.

Chip-Karten: Manche Leute haben gleich mehrere, andere gar keine
DPA

Chip-Karten: Manche Leute haben gleich mehrere, andere gar keine

Berlin - Allerorten wird über die explodierenden Kosten im Gesundheitswesen debattiert, Interessenvertreter schieben den Schwarzen Peter hin und her. Die Kassenärztlichen Ärztevereinigungen, selbst als Kostentreiber unter Verdacht, haben nun einen neuen Missetäter ausgemacht: Patienten, die nicht versichert sind und mit fremden Chip-Karten zum Arzt gehen.

Durch derart verliehene Krankenkassen-Chipkarten entsteht dem Gesundheitswesen bundesweit jährlich ein Schaden von schätzungsweise fast einer Milliarde Euro, berichtet die "Welt am Sonntag" - und beruft sich dabei auf die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns.

Dabei wenden die Betrüger laut dem Bericht verschiedene Techniken an. Entweder nutzten mehrere Personen ohne gesetzliche Krankenversicherung gemeinsam eine Chipkarte, die so genannte wandernde Chipkarte. Oder Gesundheitstouristen aus dem Ausland würden sich mit einer Karte von Verwandten oder Bekannten in Deutschland behandeln lassen. Außerdem gebe es Fälle, in denen Personen, nicht gesetzlich Versicherte mitversorgten.

"Wenn mit einer Karte im Quartal 20 Verschreibungen und zehn verschiedene Indikationsgebiete wie Diabetes, Leber und so weiter registriert wurden, dann ist das nicht nachvollziehbar", sagte Wolfgang Hoppenthaller, Vize-Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, der Zeitung. "So ein Patient müsste tot sein. Da liegen Betrug und Missbrauch vor." Indizien für Betrug sind laut Hoppenthaller auch, wenn Karten im Quartal für mehr als sieben Ärzte oder drei Hausärzte in Anspruch genommen werden.

Da die Krankenkassen nur in Bayern Daten über die Nutzung der Chipkarten herausgeben würden, habe die kassenärztliche Vereinigung die Daten aus Bayern auf das Bundesgebiet hochgerechnet, sagte Hoppenthaller weiter. Er forderte deswegen "absolut fälschungssichere Chipkarten" mit Fotos.

In der vergangenen Woche hatte bereits der groß angelegte Betrug mit den Chipkarten von Toten für Aufsehen gesorgt.

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