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Betrugsverdacht: FBI ermittelt gegen 26 Finanzkonzerne

Das Finanzdebakel an der Wall Street hat ein juristisches Nachspiel. Die US-Bundespolizei FBI ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen die Chefs von 26 Unternehmen. Darunter sind laut CNN die Banken Lehman Brothers, Fannie Mae, Freddie Mac und der Versicherer AIG.

Washington - Wer ist Schuld an der Bankenkrise in den USA? Die US-Bundespolizei FBI nimmt nun die Unternehmensführungen von 26 Wall-Street-Unternehmen unter die Lupe. Einem Bericht des US-Fernsehsenders CNN zufolge ermittelt das FBI wegen Betrugsverdachts unter anderem gegen die inzwischen insolvente Investmentbank Lehman Brothers, die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie den Versicherungsriesen AIG.

Straßenschild vor New Yorker Börse: Gezielte Desinformation?
AP

Straßenschild vor New Yorker Börse: Gezielte Desinformation?

Im Zuge der Ermittlungen soll laut CNN geklärt werden, ob die Unternehmenschefs durch "Desinformationen" zu deren finanzieller Schieflage beigetragen hätten. Beteiligte Beamte, die nicht namentlich genannt werden wollten, sagten, die Ermittlungen befänden sich im Anfangsstadium. FBI-Sprecher Richard Kolko bestätigte gegenüber dem Sender ABC die Zahl von 26 verdächtigen Firmen. Namen wollte er jedoch nicht nennen. FBI-Direktor Robert Mueller hatte zuvor mitgeteilt, die Behörde wolle prüfen, ob sich einzelne Finanzinstitute Bilanzbetrug, falsche Wertangaben oder Insiderhandel haben zu Schulden kommen lassen.

Bereits Mitte August war bekannt geworden, dass neben den Finanzaufsichtsbehörden auch das FBI ermittelt, inwieweit gezielt gestreute Desinformation ihren Anteil an der internationalen Kreditkrise haben. Der Wirtschaftsdienst Bloomberg berichtete seinerzeit, dass unter anderem auch Goldman Sachs, Merrill Lynch und die US-Dependance der Deutschen Bank Strafandrohungen erhalten hätten. Es werde geprüft, ob und was sie mit beharrlichen, negativen Kursgerüchten zu tun hätten, die ihren Rivalen Lehman Brothers und Bear Stearns das Leben verdorben hätten.

Unbekannte hatten in Finanzkreisen gestreut, dass beide Institute durch die Finanzkrise so hohe Abschreibungen hinnehmen müssten, dass ihnen das Aus drohe. Die drei Institute nahmen zu den Vorwürfen keine Stellung. Lehmans Aktienkurs büßte in der Folgezeit rund 70 Prozent seines Wertes ein. Am vergangenen Montag meldete die Investmentbank Konkurs an.

Bear Stearns brach im März sogar ganz zusammen. Insider vermuten, dass das Traditionshaus anfangs keineswegs vor dem Aus stand, sich dann aber das Gerücht zum tödlichen Selbstläufer entwickelte. Manche sprachen vom größten Skandal in der Finanzgeschichte.

"So wird es nicht funktionieren"

Die Finanzkrise der Banken und Unternehmen in den USA hat zuletzt für Turbulenzen auf den Börsen weltweit gesorgt. Gegenwärtig versucht die US-Regierung, ein 700 Milliarden Dollar schweres Rettungspaket für notleidende Banken durchzusetzen. Die US-Regierung will den angeschlagenen Banken in diesem Umfang faule Kredite abkaufen.

Der Bankenausschuss des US-Senats hat allerdings ernste Bedenken gegen den Rettungsplan von US-Finanzminister Henry Paulson angemeldet. Das Hilfspaket sei in seiner derzeitigen Form "nicht akzeptabel", sagte der Ausschussvorsitzende Chris Dodd am Dienstag in Washington nach Paulsons Anhörung vor dem Gremium. Sowohl Demokraten als auch Republikaner hätten Bedenken gegen die Regierungspläne geäußert.

"So wird es nicht funktionieren", sagte der demokratische Bankenausschussvorsitzende Dodd. Die Regierung müsse den Rettungsplan gemeinsam mit den Parlamentariern überarbeiten. Bisher seien den Abgeordneten "keine glaubhaften Versicherungen vorgelegt worden, dass dieser Plan auch funktioniert". Auch der republikanische Senator Richard Shelby zeigte sich "sehr besorgt" über den Entwurf des Rettungsplans.

Zuvor hatte der US-Notenbankchef Ben Bernanke vor "schwerwiegenden Konsequenzen" gewarnt, sollte der Kongress dem Rettungsplan nicht zügig zustimmen. Paulson warnte, die Bankenkrise drohe "alle Teile unserer Wirtschaft" zu gefährden. Führende Kongresspolitiker äußerten zwar grundsätzliche Zustimmung, forderten aber Schutzmechanismen und Hilfe auch für einfache US-Bürger.

Europa reagiert auf die Krise

Die EU-Kommission will die Banken laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" als Konsequenz aus der US-Finanzkrise zwingen, Risiken bei Wertpapieren stärker selbst zu tragen. Ein von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy vorbereiteter Richtlinienentwurf sieht laut der Zeitung vor, dass Banken künftig fünf Prozent der Risiken beim Verkauf von Wertpapieren oder Anteilsscheinen selbst absichern.

Grenzüberschreitend tätige Banken sollen dem Bericht zufolge zudem einer europäischen Gruppenaufsicht unterstehen. Diese solle dafür sorgen, dass regelmäßig Informationen zwischen Tochter- und Muttergesellschaften ausgetauscht würden. Die Vergabe von Großkrediten, die sich Finanzinstitute untereinander gewähren, solle eingeschränkt werden.

ffr/ssu/AFP/AP/dpa/Reuters

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