Betrugsverdacht Heros-Pleite bedroht Geldversorgung

Der Zusammenbruch der größten deutschen Geldtransportfirma Heros könnte die Bargeldversorgung in ganz Deutschland beeinträchtigen. Immerhin hatte das Unternehmen, gegen das wegen Betrugs ermittelt wird, einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.


Düsseldorf/Hannover - Mitarbeiter der Firma sollen in den vergangenen Jahren rund 300 Millionen Euro an Kundengeldern unterschlagen haben. Die Firma, die rund die Hälfte aller Geldtransporte in Deutschland durchführte, meldete heute nach Bekanntwerden der Vorwürfe für alle 23 Tochterunternehmen Insolvenz an.

Heros-Wagen: Geld nicht nur transportiert, sondern "in ganz erheblichem Umfang zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes entnommen"
AP

Heros-Wagen: Geld nicht nur transportiert, sondern "in ganz erheblichem Umfang zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes entnommen"

Die Folgen könnten Bundesbürger in den nächsten Tagen zu spüren bekommen - etwa durch leere Geldautomaten. Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) teilte mit, die Aktivitäten von Staatsanwaltschaft und Polizei gegen Heros würden "zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Bargeldver- und entsorgung" haben. Der Verband will seine "gesamten personellen und technischen Kapazitäten bis zur Grenze der Belastbarkeit zur Verfügung stellen", um mögliche Versorgungsengpässe mit Bargeld weitestgehend zu vermeiden.

Die Bundesbank wies ihre Filialen an, alles zu tun, um eine stabile Bargeldversorgung zu gewährleisten.

"Alle Filialen wurden aufgefordert, ihre Öffnungszeiten flexibel - je nach lokalem Bedarf - auszuweiten, sofern dies notwendig werden sollte", hieß es.

Das Problem: Die Geldtransporter bringen sowohl zu den Banken als auch zum Einzelhandel das Bargeld. Heros mit seinen mehr 50 Prozent Marktanteil in Deutschland hat dies für viele Unternehmen erledigt. Ob und wie viele der Heros-Firmen, für die Insolvenz angemeldet wurde, nun noch tätig sein werden, war zunächst unklar.

Täglich mit 600 Millionen Euro unterwegs

Der Sparkassen- und Giroverband erklärte am Abend auf Anfrage, rund 60 Sparkassen seien als Heros-Kunden betroffen. Sprecher Stefan Marotzke betonte aber: "Die Bargeldversorgung ist absolut gewährleistet." Der Geldtransportverband BDGW habe bestätigt, dass ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stünden und kurzfristig verfügbar seien.

Nach Angaben aus Handelskreisen transportierte Heros täglich rund 600 Millionen Euro. Dabei sollen die Mitarbeiter im Laufe mehrerer Jahre Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe entnommen haben. Das Geld sollen sie teils in die eigene Tasche gesteckt und "in ganz erheblichem Umfang" auch für die eigene Firma ausgegeben haben, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten.

Bei einer Razzia am Freitag war in den niederrheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover in 25 Firmen und Privatwohnungen umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe meldete Heros heute gegen 14.30 Uhr beim Amtsgericht Hannover Insolvenz für alle 23 Tochterfirmen an.

Handelskonzerne und Banken betroffen

Zu den Opfern des Betrugsfalls gehören Deutschlands große Handelskonzerne wie Metro und Karstadt ebenso wie die großen Banken. Der Metro-Konzern, mit seinen Töchtern Kaufhof und real, stellte bereits am Freitag jede Zusammenarbeit mit Heros ein, teilte Sprecher Jürgen Homeyer mit: "Die sind komplett raus." Das Unternehmen habe für derartige Situationen Notfallpläne in den Schubladen. Der Schaden halte sich in geringen Grenzen.

Auch Karstadt-Sprecher Jörg Howe räumte ein: "Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen." Wie hoch der Schaden sei, könne man jedoch noch nicht sagen.

Wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs waren laut Landeskriminalamt Düsseldorf am Wochenende vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash verhaftet worden. Nordcash hat sich darauf spezialisiert, die Tageseinnahmen von Supermärkten und Warenhäusern abzuholen, zu zählen und auf die Konten der Unternehmen einzuzahlen.

Heros hatte allein im letzten Quartal 2005 mehrere Konkurrenzfirmen aufgekauft, darunter auch die Securitas Geld- und Wertdienste GmbH mit 1700 Beschäftigten. Eine Unternehmenssprecherin von Heros wollte sich heute zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft nicht äußern. Heros war vor allem als Auslieferer der neuen Euro-Geldscheine und -münzen bekannt geworden.

kaz/AP/AFP/ddp



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