Bevölkerungsentwicklung Mehr ältere, weniger jüngere Menschen

Der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung in Deutschland wird in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen. Zugleich werden immer weniger Kinder geboren.

Von Kristina Jagemann


Ohne Zuwanderung schrumpft die Bevölkerung in Deutschland - und das beständig. Die Vereinten Nationen haben errechnet, dass statt knapp 82 Millionen in 50 Jahren nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben. Zu dieser Abnahme kommt es, weil in Deutschland in den kommenden fünf Jahrzehnten - wie auch in den letzten drei Jahrzehnten - mehr Menschen sterben, als Kinder geboren werden.

Gefährliche Annäherung
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Gefährliche Annäherung

Zugleich wird sich das zahlenmäßige Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Menschen erheblich verschieben. Bis zum Jahr 2050 werden die Menschen im Alter von 58 bis 63 Jahren zu den am stärksten besetzten Jahrgängen gehören. Schon heute leben in Deutschland mehr 65-Jährige oder ältere Menschen als 15-Jährige und Jüngere.

Bei einer nahezu gleichen Bevölkerungszahl von 69 Millionen im Jahr 1950 und 70 Millionen im Jahr 2050 wird sich der Altersaufbau innerhalb dieses Jahrhunderts umkehren: Waren 1950 etwa doppelt so viele Menschen unter 20 Jahre wie über 59 Jahre alt, so wird es 2050 mehr als doppelt so viele ältere als junge Menschen geben.

Im grafischen Sinne entspricht der Altersaufbau, wenn man vom herkömmlichen Fall ausgeht, einer Pyramide oder ähnelt einem Tannenbaum. Im Deutschen Reich um 1910 war es noch so, dass es mehr Jüngere als Ältere gab, durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise sind um 1959 in der Pyramide schon deutliche Kerben zu erkennen. Heute hat der "Tannenbaum" einen dicken Bauch. Das heißt, dass die Mitte-30-Jährigen heute die stärkste Altersgruppe darstellen. Sie gehören zu den geburtenstarken Jahrgängen um 1964.

Die Geburten betrugen in den sechziger Jahren noch 2,5 Kinder pro Frau. In den Folgejahren nahm die Geburtenrate weiter ab und pendelte sich seit 1998 auf 1,4 Kinder pro Frau ein.

Das heißt, die jetzt 30-jährigen Frauen haben im Durchschnitt 1,4 Kinder. Sind diese Kinder einmal erwachsen und haben ebenfalls im Durchschnitt 1,4 Kinder, wird die Zahl der Babys weiter sinken, weil es dann weniger potenzielle Eltern gibt. Damit wurden in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger Kinder geboren als zahlenmäßig für die Nachfolger ihrer Elterngeneration notwendig wären. In 50 Jahren also wird der "Tannenbaum" unten weiterhin schmaler und nach oben immer breiter.

Für die Rentenkasse heißt das: Immer mehr Menschen beziehen immer länger Rente. Die Zahl der Beitragszahlenden sinkt aber, da immer weniger Kinder geboren werden. Schon heute stehen drei Jüngere einem Älteren über 60 gegenüber. In dreißig Jahren müssen zwei Personen für einen Rentner zahlen.



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