Bevorstehender Staatseinstieg: Flowers legt HRE-Mandate nieder

Der umstrittene US-Investor J.C. Flowers zieht sich aus dem Aufsichtsrat der Hypo Real Estate zurück. Grund ist offenbar der bevorstehende Einstieg des Staates bei der angeschlagenen Immobilienbank. Schon am Samstag könnte eine Entscheidung fallen.

München - Er hat Unsummen verloren, jetzt zieht er sich zurück: Wegen des nahenden Staatseinstiegs bei der Hypo Real Estate (HRE) legt der umstrittene US-Investor J.C. Flowers seine Mandate im Aufsichtsrat der schwer angeschlagenen Immobilienbank nieder. Christopher Flowers und Richard Mully von der Beteiligungsgesellschaft Grove gaben ihre Sitze am Freitag auf, wie Flowers mitteilte. Renate Krümmer, die die Flowers-Geschäfte in Deutschland vertrat, hatte ihren Rücktritt bereits angekündigt.

US-Investor Christopher Flowers: Rund eine Milliarde Euro verloren
REUTERS

US-Investor Christopher Flowers: Rund eine Milliarde Euro verloren

Damit hat Flowers, der zusammen mit nahestehenden Investoren knapp ein Viertel der Anteile an der HRE hält, keinen Sitz im Kontrollgremium mehr. Er will mit dem Schritt Interessenskonflikte vor einer möglichen Enteignung vermeiden. Die Bundesregierung hatte jüngst ein Gesetz durchgesetzt, das als letztes Mittel eine Enteignung der HRE-Aktionäre vorsieht.

Flowers hat mehr als eine Milliarde Euro in die einst im Dax gelistete Krisenbank gesteckt und fast alles verloren. Nun will er seine Aktien behalten, an Bord bleiben und hofft auf bessere Zeiten nach dem Staatseinstieg. Er habe sein Engagement immer mittel- bis langfristig verstanden, heißt es in der Mitteilung.

Das Banken-Enteignungsgesetz ist speziell auf die HRE zugeschnitten, die durch einen akuten Liquiditätsengpass der irischen Staatsfinanzierungstochter Depfa in eine Schieflage gerutscht war. Mittlerweile nimmt die HRE finanzielle Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro in Anspruch. Die Mittel kommen vom Bund und anderen Finanzfirmen.

Weitere Hilfen werden seit längerem vorbereitet. Im Gespräch ist eine Eigenkapitalspritze von rund zehn Milliarden Euro, mit der der Bund die Mehrheit bekommen würde. Diese Maßnahme wird nötig, sobald die HRE ihre Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr und das besonders harte vierte Quartal veröffentlichen wird. Das könnte bereits in den nächsten Tagen passieren.

Analysten rechnen mit einem Verlust von knapp 1,9 Milliarden Euro im Schlussquartal und 4,8 Milliarden im Gesamtjahr. Die roten Zahlen dürften auf Abschreibungen, Verluste im Handel sowie eine hohe Risikovorsorge zurückgehen.

Der Aufsichtsrat der HRE wird an diesem Samstag in Frankfurt am Main tagen, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Thema der Sitzung sei unter anderem die Bilanz für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2008. Unklar sei noch, ob es schon am Wochenende eine Einigung zum Staatseinstieg geben werde. Ein HRE-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

wal/Reuters

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