BHW Torpedierte Deutsche Bank den Aktienverkauf?

Die Platzierung eines riesigen Aktienpakets wurde für den Finanzdienstleister BHW zum großen Flop. Experten glauben, dass die Deutsche Bank wesentlich zu dem Misserfolg beigetragen hat.


Schwarze Zukunft für die BHW Aktie: BHW-Werbung

Schwarze Zukunft für die BHW Aktie: BHW-Werbung

Frankfurt am Main - Die Werbung ist ganz auf die junge Kundschaft ausgerichtet. In großformatigen Anzeigen, kühlem Ambiente und ausgeflipptem Siebziger-Jahre-Look werben die Schönheiten mit auffällig blauen Sonnenbrillen für die Altersvorsorge der BHW. Mit Hilfe der Offensive wollte der Finanzdienstleister den ganz großen Deal mit der Riester-Rente machen.

Der Boom mit den Riester-Policen sollte gleichzeitig die Platzierung von rund 58,5 Millionen zusätzlichen Aktien - 32,5 Prozent des Grundkapitals - an der Börse pushen. Die Anteile stammen aus dem Besitz des Beamtenbunds, der seine Beteiligung auf rund ein Zehntel reduziert, sowie dem Bestand des BHW an eigenen, zurückgekauften Aktien.

Doch der Blick durch die himmelblaue Brille scheint jedenfalls den Kunden nicht die Sicht getrübt zu haben. Das Echo auf den Aufruf blieb verhalten. BHW musste den Zweitbörsengang platzen lassen. Das Orderbuch habe nicht den Vorstellungen der Verkäufer entsprochen, hieß es in einer kurzen Mitteilung vor Börsenbeginn. Der realisierbare Platzierungspreis wäre der Substanz der Aktie "in keiner Weise gerecht" geworden.

Nach Ansicht von Experten hat diese kurzfristige Entscheidung auch mit einer Studie der Deutschen Bank zu tun. Zum letzten Tag der Zeichnungsfrist lautete das Urteil von Analyst Alexander Hendricks zur BHW-Aktie: "Underperform" - also verkaufen. Das Kursziel setzte er von 21 auf 18 Euro herab. Damit bekräftigte Hendricks ein Urteil von Ende Januar - damals hatte er die BHW-Aktie von "Market Perform" auf "Underperform" heruntergestuft.

Was steckt hinter der Negativ-Studie?

In Finanzkreisen wird gemutmaßt, dass die Deutsche Bank mit der präzise platzierten Verkaufsempfehlung einen Denkzettel in Richtung BHW senden wollte: 1997 war die Deutsche Bank noch im Konsortium des BHW-Börsengangs vertreten, bei der zweiten BHW-Tranche dagegen kam Deutschlands größte Bank nicht zum Zuge. Das entgangene Geschäft, an dem die IPO-Banken unabhängig von der Kursentwicklung lukrative Margen einstreichen, dürfte die Deutsche Bank geärgert haben.

In der offiziellen Begründung des BHW für die gestoppte Aktion heißt es dagegen, der Verzicht auf die Transaktion spiegele die unverändert labile Marktverfassung wider, die in jüngster Zeit verstärkt die Finanzwerte belastete. Trotz einer über den Erwartungen liegenden Nachfrage von Privatanlegern habe das Orderbuch nicht den Vorstellungen der Verkäufer entsprochen.

"Alte" BHW-Aktie schießt um 25 Prozent hoch

Dennoch will die BHW Holding AG die geplante Sekundärplatzierung weiterhin verfolgen. "Wir halten ein 'secondary placement' weiter für eine richtige Entscheidung", sagte BHW-Sprecher Norbert Esser am Freitag.

Der BHW-Kurs zog darauf hin nach Börseneröffnung sofort auf 24 Euro an, nachdem die Aktie am Vortag noch bei 19 Euro geschlossen hatte. Gerüchten zufolge sollen institutionelle Anleger versucht haben, den Kurs auf 19 Euro zu drücken.

Zur Absage der Sekundärplatzierug von Aktien der BHW erklärte der Konzern, es sei ein gemeinsamer Beschluss der Verkäufer Betriebs- und Anlagegesellschaft mbH (BTA) und BHW. Auch die globalen Koordinatoren und Bookrunner Credit Suisse First Boston und Dresdner Kleinwort Wasserstein haben die Entscheidung mitgetragen.

Der realisierbare Platzierungspreis werde nach Ansicht der BTA und der Gesellschaft der Substanz der Aktie "in keiner Weise gerecht". Die BTA bleibe im bisherigen Umfang Aktionär von BHW.



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