Bieterkampf um Beiersdorf: Die Landesbank soll helfen

Die Tchibo-Eigner und der Hamburger Senat lassen nichts unversucht, um einen Einstieg des US-Markenriesen Procter & Gamble zu verhindern. Nun soll sich die Landesbank an einem Milliarden-Gebot beteiligen.

Begehrte Weltmarke: Nivea-Produktion bei Beiersdorf in Hamburg
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Begehrte Weltmarke: Nivea-Produktion bei Beiersdorf in Hamburg

Hamburg - Der Hamburger Tchibo-Konzern will als Konsortialführer für den 43,6-Prozent-Anteil von Beiersdorf Chart zeigen bieten, der noch dem Versicherungskonzern Allianz Chart zeigen gehört. Nach Informationen von manager-magazin.de aus Unternehmens- und Politikkreisen hat Tchibo für den Einstieg bei dem hanseatischen Traditionsunternehmen die HSH Nordbank (ehemals Hamburgische Landesbank und Landesbank Schleswig-Holstein) als Mitbieter gewinnen können.

Beiersdorf ist bei Markenartikel-Konzernen vor allem wegen seiner weltweit erfolgreichen Marken Nivea und Tesa heiß begehrt. Erst kürzlich hatte Alan Lafley, Chef des US-Konzerns Procter & Gamble Chart zeigen, in einem SPIEGEL-Gespräch sein Interesse an Beiersdorf bekräftigt. Nach Angaben der Allianz gibt es seit längerem Verhandlungen mit dem amerikanischen Interessenten.

"Die heiße Phase im Bieter-Wettkampf ist jetzt eingeläutet", kommentierte ein Branchen-Insider die offenbar vollzogene Zusammenstellung des Tchibo-Konsortiums. Tchibo soll Interesse an etwa 20 Prozent der Beiersdorf-Aktien haben - die restlichen 24 Prozent würden demnach über die HSH Nordbank und ein drittes Mitglied des Konsortiums finanziert, dessen Name noch nicht bekannt wurde.

Meldungen über eine direkte Beteiligung der Stadt Hamburg an dem hanseatischen Traditionskonzern Beiersdorf wurden mittlerweile vom Senat dementiert.

Das "Wall Street Journal" (WSJ) hatte unter Berufung auf informierte Kreise in Frankfurt berichtet, der Senat wolle für eine Milliarde Euro Beiersdorf-Aktien kaufen und damit den Einstieg von Tchibo stützen. Christian Saadhoff, Sprecher des Hamburger Wirtschaftssentors Gunnar Uldal, bezeichnete diese Meldung angesichts eines Gesamthaushalts der Stadt in Höhe von 9,6 Milliarden Euro und der restriktiven Subventionspolitik der Hansestadt als "absurd".

Finanzsenator Wolfgang Peiner hatte dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagausgabe) gesagt, die Stadt werde "im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles tun, um Beiersdorf am Standort Hamburg zu sichern". Die Stadt würde ansonsten neben Arbeitsplätzen auch rund 200 Millionen Euro Steuereinnahmen verlieren.

Der Kaufpreis für den gesamten Allianz-Anteil an Beiersdorf soll nach Angaben des "WSJ" bei knapp vier Milliarden Euro liegen, wobei von 107 Euro pro Aktie ausgegangen wurde. Börsenexperten halten diesen Preis angesichts eines derzeitigen Kurse von über 110 Euro allerdings für zu niedrige.

Die Hamburger Eigner von Beiersdorf - allen voran die Tchibo-Gründerfamilie Herz - versuchen mit allen Mitteln, den Einstieg von Procter & Gamble abzuwehren. Tchibo besitzt bereits einen Anteil von 30,1 Prozent an Beiersdorf. Auch die Familie Claussen, die rund zehn Prozent am Nivea-Produzenten hält, unterstützt dem "WSJ" zufolge das Gebot. Die Parteien wollen sich den Angaben zufolge Ende dieser Woche zu Gesprächen treffen.

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