Satirisches zum "Geheimbund" Pssst, geheim... - alles zur Bilderberg-Konferenz

Das G7-Spektakel ist vorbei - die Zusammenkunft der angeblich wahren Weltherrscher steht aber noch bevor: Die Bilderberg-Konferenz. Jetzt wurde die Teilnehmerliste veröffentlicht. Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf die, die uns heimlich lenken.

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Inter-Alpen-Hotel Telfs-Buchen: Pyramidenförmiger Sitz der Weltregierung
Inter Alpen Hotel

Inter-Alpen-Hotel Telfs-Buchen: Pyramidenförmiger Sitz der Weltregierung


Haben Sie es mitbekommen, obwohl Mainstream-Medien wie SPIEGEL ONLINE versucht haben, es totzuschweigen? Klammheimlich (wie jedes Jahr) treffen sich vom 11. bis 14. Juni wieder die Mächtigsten der Mächtigen aus Politik, Wirtschaft und Medien zur Bilderberg-Konferenz. Weil diese klandestine Zusammenkunft immer wieder ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, haben sich die Organisatoren den Termin und Ort dieses Jahr trickreich in die Nähe des G7-Gipfel gelegt. Das österreichische Telfs liegt nur ein paar Dutzend Kilometer von Schloss Elmau entfernt.

Natürlich haben auch wir eigentlich keine Zeit, im Vorfeld darüber zu berichten, auf das Treffen hinzuweisen, kritische Stimmen zu veröffentlichen - und wir dürfen es auf Anweisung von Geheimdiensten, Großinvestoren und Staatschefs auch gar nicht. Warum jetzt doch? Nun, eigentlich wollte ich heute einen kritischen Text über das Freihandelsabkommen TTIP schreiben. Mein Chef hat mich aber dazu überredet, stattdessen über die Bilderberg-Teilnehmerliste zu berichten.

Was das bedeuten mag, ist mir noch nicht klar, wahrscheinlich hat mein Chef den Auftrag, jede Kritik an TTIP zu torpedieren. Auch der Konferenzort könnte ein Hinweis sein: Mit einem guten Gespür für Symbolik haben die Organisatoren ein Hotel gewählt, das einer Pyramide gleicht (ähnlich übrigens wie der Berggipfel im Hintergrund des Alpenpanoramas) - eine deutliche, fast schon plumpe Referenz an die Illuminaten natürlich.

Menschen, die über unsere Zukunft bestimmen

Die veröffentlichte Themenliste wiederum zeigt, es geht hier um alles: Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, die Bedrohung durch chemische Waffen, "aktuelle wirtschaftliche Belange", Europas Strategie, Globalisierung, Iran, Nahost, Nato, Russland, Terrorismus, Großbritannien, USA, US-Wahl und - natürlich - Griechenland. Was noch fehlt, hat man auf dem G7-Gipfel behandelt.

Wer aber wird kommen? Der dänische Geheimdienst ist vertreten, die Europäische Zentralbank (EZB) und Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, die Finanzindustrie natürlich, diverse ThinkTanks, Ex-EU-Kommissionspräsident Barroso, Shell-Chef Ben van Beurden, Springer-Chef Mathias Döpfner, Airbus-Chef Tom Enders, Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel, Siemens-Chef Joe Kaeser, Ryanair-Chef Michael O'Leary, David Petraeus, Google-Chef Eric Schmidt, der Silicon-Valley-Investor Peter Thiel.

Das also sind die Menschen, die über unsere Zukunft bestimmen und dem Leitbild der ersten Bilderberg-Konferenz von 1954 entsprechen? Demzufolge müssen die Teilnehmer "einflussreich und allgemein respektiert sein sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung" verfügen, um durch ihre "persönlichen Kontakte und ihren Einfluss in nationalen wie internationalen Kreisen den von Bilderberg gesetzten Zielen" zu genügen.

Ursula von der Leyen ist dabei

Vielleicht sind es aber auch nur jene, die gut genug zahlen, wie das österreichische Mitglied im Organisationskomitee, der Banker Rudolf Scholten, zugeben musste: Er habe sich nicht nur um die Auswahl der Österreicher kümmern müssen, sondern auch um die Finanzierung, deshalb gebe es "eine gewisse Anerkennung derer, die auch diese Konferenz sponsern, dass sie auch einen Vertreter senden können". Immerhin: Im Fernsehen hatte sich bisher noch niemand zur Bilderberg-Konferenz geäußert, allerdings weisen Beobachter darauf hin, dass Scholtens Körpersprache (der ständig gesenkte Blick!) erkennen lässt, dass er die Wahrheit verschleiert.

Allerdings gibt es Brüche in der reibungslosen Organisation: Normalerweise besprechen die Teilnehmer ihre Schritte und handeln dann. Und dieses Mal? Dass die Chefs der Deutschen Bank abtreten, wurde schon am Sonntag bekannt - obwohl Aufsichtsratschef Paul Achleitner das vermutlich erst in Telfs abstimmen sollte. Auch René Benko wird mit von der Partie sein - und doch wurde schon vorher bekannt, dass er mit der Unterstützung seiner Bilderberg-Freunde einen Partner für Karstadt gefunden hat.

Bleibt noch eines: Die einzige Politikerin aus Deutschland ist Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die auch ihre Staatssekretärin Katrin Suder mitbringen darf. Nach der Logik der Konferenz müsste von der Leyen als Bilderberg-Teilnehmerin die nächste deutsche Regierungschefin werden - wie schon Helmut Schmidt, Helmut Kohl oder Angela Merkel.

Oder sie teilt das Los der letzten deutschen Politiker, die an dem Geheimtreffen teilnehmen durften - und prompt in die Bedeutungslosigkeit stürzten: Peer Steinbrück, Jürgen Trittin und Christian Lindner.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 144 Beiträge
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brille000 09.06.2015
1. Eine Farce
... wenn angesichts der Vorgaben, dass die Person "einflussreich und allgemein respektiert sowie über Spezialwissen oder reichlich Erfahrung verfügt" ausgerechnet die von der Leyen eingeladen wird. Da scheint sich mir die Gefährlichkeit dieses Treffens der Weltbanditen doch zu relativieren. Wenn der Rest ebenfalls aus ähnlichen Hohlkörpern besteht ... dann trefft Euch man.
co2lüge 09.06.2015
2.
Schade, dass spon dies wieder ins Lächerliche zieht. Diese undemokratischen, nicht öffentlichen werden auf mit den Steuergeldern (Polizei, etc.) der Journalisten bezahlt.
ex2012 09.06.2015
3. Gelungener Artikel und gutes Anliegen
allerdings geht diese Satire m.E. an manchen Stellen zu weit. So dass ich sagen würde, was soll der Schwachsinn. Va. i.V.m. d. Überschrift. TAFTA und TTIP zum Beispiel. Man muss sich nicht wundern, dasss Verschwörungstheorien entstehen unda ausarten, wenn die Verantwortlichen die Gründe hierfür schaffen. Und die Kommission hat offenbar in einem Rundschreiben an die Presse die Zensur hier vorgeschrieben. Die ARD berichtete hierüber am Ende ihrer Sendungen zu TTIP. Dann sollte man sich nicht über die Kritiker, die Transparenz bemängeln, lustig machen.
morrisfan 09.06.2015
4. Aluhut auf
Wahrscheinlich wird die satirische Berichterstattung die Irren dieser Welt, die hinter jeden roten Ampel die Illuminaten vermuten, noch überzeugter machen, das die Bilderberger insgeheim die Welt beherrschen. Die ersten werden schon googeln, ob van der Leyen eine Reptoloidin ist.
asunceno 09.06.2015
5. Die Weltregierung findet nicht statt
Warum sollte auch irgendein Politiker auf den Gedanken kommen, das Weltgeschehen lenken zu wollen? Das wäre ja ein völlig neuer, absurder Gedanke ... Und wenn's so wäre, dann doch nur unter Einbeziehung der Öffentlichkeit, denn schließlich leben wie in einer Demokratie, oder? Viel interessanter ist anscheinend die Frage, was mit dem Rasen passiert, der von verträumten Verschwörungstheoretikern ("des ollerletzte") zertrampelt wird. Das sind die wirklich wichtigen Dinge, auf die wir unser Augenmerkel richten sollten.
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