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Billigarbeiter: Putzdienstleister des Bundestags zahlt weiter Dumping-Löhne

3,56 Euro - so viel verdienen Zimmermädchen nach SPIEGEL-Informationen pro Stunde bei dem Gebäudereiniger B+K, der auch im Bundestag putzt. Einen Verstoß gegen das Mindestlohngesetz sieht man bei dem Unternehmen nicht. Die Angestellten könnten sich ihr Salär ja mit Flaschenpfand aufbessern.

Hamburg - Das Serviceunternehmen B+K Dienstleistung, das unter anderem für die Reinigung des Reichstagsgebäudes verantwortlich ist, verstößt nach SPIEGEL-Informationen massiv gegen den gesetzlichen Mindestlohn der Branche. Neben der Bundestagsverwaltung unterhält B+K auch mit Hunderten Hotels bundesweit Verträge über die Reinigung von Hotelzimmern.

Reichstag in Berlin: Putzunternehmen beschäftigt Billigarbeiter Zur Großansicht
dpa

Reichstag in Berlin: Putzunternehmen beschäftigt Billigarbeiter

Die bei B+K angestellten Zimmermädchen erhalten ihren Lohn nicht pro Stunde, sondern pro gereinigtem Zimmer. In den Dresdner Luxushotels "QF" (Quartier an der Frauenkirche) und "Elbflorenz" beispielsweise erhielt eine Reinigungskraft jüngst umgerechnet einen durchschnittlichen Stundenlohn von 3,56 Euro, obwohl in Ostdeutschland der gesetzliche Mindestlohn von 6,58 Euro gilt.

Die Geschäftsführung von B+K Dienstleistung argumentiert, der Mindestlohn sei bei Zimmermädchen nicht anzuwenden, da diese überwiegend mit "Servicetätigkeiten" und nicht mit "Reinigungstätigkeiten" beschäftigt seien. "Wenn bei uns wirklich ein Mädchen nur 3,56 Euro pro Stunde verdient, dann ist es eben die Falsche für den Job", so Geschäftsführer Thorsten Benthin.

Im Übrigen gestatte man ausdrücklich, dass die Zimmermädchen leere Flaschen aus den Hotelzimmern sammeln dürfen, um sich mit dem Pfand den Verdienst aufzubessern. Zudem gebe es Trinkgeld.

Im Jahr 2007 machte die IG Bau bekannt, dass B+K Dienstleistung einen Teil der Mitarbeiter, die im Bundestag putzen, mit Dumping-Löhnen abspeist. Damals gelobte Benthin auf Druck der Bundestagsverwaltung Besserung und zahlte rückwirkend die Tariflöhne nach.

suc

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 321 Beiträge
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1. Flaschenpfand....
dwg 14.06.2009
...eine prächtige Idee! Vergabeverfahren funktionieren wohl so, daß der günstigste Anbieter den Zuschlag erhält - egal, ob es sich um Reinigung des Bundestages oder um die Sicherung von U-Bahn Baustellen handelt. PS.: Möglicherweise findet sich in den Abgeordnetenpapier- körben noch weiteres Material, mit dem man das spärliche Salär aufbessern kann (steuerfrei...).
2. ....
OlafKoeln, 14.06.2009
Zitat von sysop3,56 Euro - so viel verdienen Zimmermädchen nach SPIEGEL-Informationen pro Stunde bei dem Gebäudereiniger B K, der auch im Bundestag putzt. Einen Verstoß gegen das Mindestlohngesetzt sieht man bei dem Unternehmen nicht. Die Angestellten könnten sich ihr Salär ja mit Flaschenpfand aufbessern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630324,00.html
Fast wie bei der Queen - die Leute müssen dann wahrscheinlich noch nach Hartz IV aufstocken, um überleben zu können und das Unternehmen macht maximale Gewinne auf Kosten der Angestellten und der Allgemeinheit. In solchen Fällen sollte wegen Sittenwidrigkeit eine maximale Gewinnabschöpfung der letzten Jahre erfolgen und das Unternehmen gezwungen werden, Tariflöhne zu zahlen. Die Geschäftsleitung sollte auf Grund des sittenwidrigen Verhaltens auch persönlich belangt werden.
3. Tja....
Hador, 14.06.2009
Die Angestellten könnten ja in ihrer Mittagspause (so sie denn eine haben) auch noch die Mülleimer vor und in der Hotellobby nach Flaschen durchwühlen um ihre Gehalt aufzubessern.... Was dazu allerdings wohl die Hotelbetreiber sagen würden? Die Bundesregierung sollte ganz einfach einen Erlass beschließen, nachdem in Regierungsbehörden Serviceverträge nur an Firmen vergeben werden, die sich verpflichten Tariflohn bezahlen. Sowas sollte eigentlich selbstverständlich sein....
4. Auf die Barrikaden
Baikal 14.06.2009
Zitat von sysop3,56 Euro - so viel verdienen Zimmermädchen nach SPIEGEL-Informationen pro Stunde bei dem Gebäudereiniger B K, der auch im Bundestag putzt. Einen Verstoß gegen das Mindestlohngesetzt sieht man bei dem Unternehmen nicht. Die Angestellten könnten sich ihr Salär ja mit Flaschenpfand aufbessern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630324,00.html
Wenn nach der Bundestagswahl weiter jene regieren, die dieses ganze menschliche und gesellschaftliche Drama angerichtet haben: dann ist der Leidendruck noch nicht hoch genug, dann haben wir es anders auch nicht verdient. Nur Achtung: irgendwann platzt der Kessel.
5. Witz
Sabine Grill 14.06.2009
Es ist doch ein Witz, dass die SPD im Europa- und Bundestagswahlkampf mit Mindestlöhnen wirbt, seit fünf Jahren aber zuverlässig dafür sorgt, dass in den Integrationskursen für Migranten die Lehrer oft nicht mehr als 5,60 Euro pro Stunde netto verdienen. Wohlgemerkt: Dies sind staatlich organisierte und finanzierte Sprachkurse. Dass die CDU dies ebenfalls mitträgt -nun ja, zumindest heuchelt sie in diesem Punkt nicht.
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