Kurssturz Bitcoin-Schürfer verschrotten ihre Server

Steht der Bitcoin vor dem Ende? Drastische Kursverluste haben chinesischen Medien zufolge zahlreiche Bitcoin-Miner zur Aufgabe bewogen. Der horrende Energieverbrauch der Kryptowährung ist erstmals rückläufig.

Bitcoin-Mine in Kanada
AFP

Bitcoin-Mine in Kanada

Von manager-magazin.de-Redakteur


An den Kryptobörsen ist die Massenflucht ausgebrochen. Bitcoins, vor zwei Wochen noch für mehr als 6000 Dollar zu haben, werden aktuell für unter 4000 Dollar gehandelt. Praktisch alle großen Alternativen wie Ripple, Ethereum oder Bitcoin Cash haben einen ähnlich großen Crash hinter sich - und womöglich auch noch vor sich. Selbst die Kryptofluchtwährung Tether, die angeblich 1:1 mit US-Dollars und einer Garantie des Bitcoin-Mining-Giganten Bitmain gedeckt ist, muss einen Abschlag hinnehmen.

Es ist unverkennbar: Die ohnehin fragile Welt der digitalen Spekulationsobjekte erlebt ihren nächsten großen Kollaps. Als akuten Auslöser sehen die meisten Beteiligten die Spaltung (Hard Fork) des Bitcoin Cash am 15. November. Bitcoin Cash wurde einst selbst im Jahr 2017 von Bitcoin abgespalten.

Solche Gabelungen gab es in der Kryptoszene schon viele. Neu aber ist, dass die Aktivität der Szene insgesamt - und nicht nur der virtuelle Wert ihrer Assets - schrumpft.

Die "South China Morning Post" berichtet, dass in China, wo noch immer der Großteil des Kryptogelds geschürft wird, reihenweise kleine Miner aufgeben. In chinesischen Medien kursieren Bilder von Lagerhallen, in denen Server entrümpelt werden. Die speziellen Mining-Maschinen seien selbst mit annähernd gratis bezogenem Strom nicht mehr profitabel zu betreiben.

Wer kann jetzt noch profitabel Bitcoin schürfen?

Der von August bis Mitte November annähernd stabile Bitcoin-Preis über 6000 Dollar wurde von manchen mit den geringen Produktionskosten beim heutigen Stand der Technik und der vom Bitcoin-Code vorgegebenen - langfristig steigenden - Komplexität der zum Schürfen einer Einheit notwendigen Rechenleistung erklärt. Die These: Tiefer als rund 6000 Dollar könne der Preis nicht fallen, weil niemand dann mehr neue Bitcoins anbieten würde.

Doch die Realität sieht anders aus. Der neue Crash verdeutlicht, dass das Kryptosystem frei von fundamentaler Logik ist. Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini, der sich einen Ruf als Untergangsprophet der Kryptowährungen erworben hat, sieht den wahren Wert von Bitcoins wegen des hohen Energieverbrauchs ohne jeden wirtschaftlichen Nutzen als unter Null an.

In dieser Hinsicht liefert der aktuelle Crash eine gute Nachricht. "Bloomberg" berichtet, dass die Hash-Rate sinke, die misst, wie viel Rechenleistungen die Miner innerhalb einer Sekunde zum Schürfen brauchen. Es werden also nicht unbedingt einzelne Miner von anderen ersetzt, die noch billiger produzieren können, sondern zumindest zeitweise sinkt das Angebot tatsächlich.

Die Folge: Auch der Energiebedarf geht erstmals zurück. Der "Bitcoin Energy Consumption Index" zeigt aktuell einen Jahresverbrauch von 54 Terawattstunden Strom allein für Bitcoin an - immer noch so viel wie Bangladesch, ein Land mit doppelt so viel Einwohnern wie Deutschland und der zweitgrößten Textilproduktion der Welt. Doch vor zwei Wochen lautete die Prognose noch auf mehr als 73 Terawattstunden, mehr als Österreich. Der sinkende Energieverbrauch ist ein Hinweis darauf, dass sich tatsächlich zahlreiche Bitcoin-Miner zurückziehen.

Im Video: Die Bitcoin-Millionäre - Mit vollem Einsatz ins Risiko

dbate
insgesamt 48 Beiträge
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brooklyner 26.11.2018
1.
Nur Narren assoziieren Blockchain Währungen nur mit Bitcoin oder Etherium. Es gibt derart viele Kryptowährungen für jedwelche Vorliebe. Ich z.B. kaufe gerne welche, für die eine Mangrove pro investiertem Dollar gepflanzt wird. Und dass das wirklich geschieht, davon habe ich mir ein Bild gemacht.
Tom77 26.11.2018
2. Schneeballsystem
Haben es die Leute endlich kapiert, dass Kryptowährungen lediglich ein Schneeballsystem sind ohne inhärenten Wert? Die ganze Bitcoin-Blase hat nur funktioniert, solange die Bitcoin-Besitzer sicher sein konnten, einen Dümmeren zu finden, der ihnen Bitcoins gegen Echtgeld abkauft. Den Letzten beißen dann die Hunde. Ein klassisches Schneeballsystem. Man kann über Fiat-Geld sagen was man will. Aber immerhin stützt hier die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft oder gar eines ganzen volkswirtschaftlichen Raums wie der EU die Kaufkraft des Geldes. Bei Kryptowährungen und vor allem Bitcoin gibt es nichts, was den Wert bestimmt und stabil hält. Und begrenzte Ressourcen alleine bestimmen noch lange keinen Wert einer Währung. Hinzu kommt noch, dass der ganze Kryptowährungswahn so ausgearteit ist (ständig neue Kryptowährungen, ICOs etc.), dass sie sich selbst das Wasser und das Vertrauen abgegraben haben. Wenn man Kryptowährung quasi aus dem Nichts jeden Tag neu erschaffen kann, was ist dann am Ende die einzelne Währung, in die man womöglich investiert hat, noch Wert? Die Kryptowährungsbranche hat damit selbst gezeigt, dass es keine einzelne Währung geben wird, die eine Zahlungsfunktion komplett übernehmen kann. Und von all den betrügerischen Abzock-ICOs und Betrugsfällen rund um Bitcoin-Firmen will ich erst gar nicht anfangen. Bitcoin ist und bleibt lediglich ein Zahlungsmittel für Betrüger und Kriminelle. Anonym Geld kasieren und in richtiges Geld tauschen. DAS ist der eigentlich Zweck von Bitcoin. Dass man in irgendwelchen Hipster-Läden in Berlin seinen Kaffee mit Bitcoin zahlen kann, heißt nicht, dass es sich um ein richtiges Zahlungsmittel handelt. Kein Händler wird langfristig ein Zahlungsmittel akzeptieren, dessen Umtauschkurs sich quasi minütlich extrem ändert und das kein Vertrauen genießt.
der_grillmeister 26.11.2018
3. Klimaziele doch noch erreichbar ;-)
Vielleicht lassen sich die Klimaziele ja doch noch erreichen, wenn schon mal diese Energieverschwendung aufhört, mit der man jemand anderem zu suggerieren versucht, einen Wert geschaffen zu haben, den dieser teuer bezahlen soll. Wenn ich bei offenem Fenster heize wie blöde, hat mir noch nie jemand Geld dafür geboten. Habe vermutlich ein zu schlechtes Marketing ...
deka88 26.11.2018
4.
"Die ohnehin fragile Welt der digitalen Spekulationsobjekte erlebt ihren nächsten großen Kollaps"... Spekulationsobjekt wurde es doch erst, als die Finanzindustrie und die großen Medien das Thema für sich entdeckt hatten, vorher war es eben eine digitale Währung um sich vom erstgenannten unabhängiger zu machen
furzgurk 26.11.2018
5.
Wo kann man die Grafikkarten abgreifen?
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