Boeing "Sonic Cruiser" statt Superjumbo

Der US-Flugzeugbauer Boeing hat die Entwicklung des Superjumbos 747-X eingestellt. Stattdessen will man in Seattle den Flugzeugbau mal wieder revolutionieren: Das Projekt heißt "Sonic Cruiser".


Aus der Traum: Boeing 747-400X
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Aus der Traum: Boeing 747-400X

Seattle - Das Projekt 747X ist abgeblasen, teilte Boeing am Donnerstagabend (Ortszeit) in Seattle mit. Boeing hat damit das Schlachtfeld dem Konkurrenten Airbus mit seinem neuen A380 kampflos überlassen, nachdem es für seine 747X keinen einzigen Auftrag erhalten hatte.

Airbus kommentierte den Boeing-Rückzug am Freitag zufrieden: Die Kunden wollten keine Neuversion eines alten Flugzeugs, sondern zögen eine Neuentwicklung vor. "Boeing verzichtete auf einen Superjumbo, weil es keine Marktchancen dafür sieht", sagte ein Airbus-Sprecher. Airbus zeige jedoch mit dem A380, dass es für ein solches Großraumflugzeug durchaus einen Markt gebe, bekräftigte er. Der Super-Airbus kostet 250 bis 290 Millionen Euro (489 bis 567 Millionen Mark).

Airbus hat für den Riesenvogel mit 555 Sitzen bereits 62 Festaufträge und 50 Optionen vorliegen. Bis Jahresende erwartet Airbus 100 Neuaufträge. Luftfahrtfachleute rechnen nach dem Boeing-Ausstieg mit noch erheblich größeren Absatzchancen. Der A380 soll im Jahr 2004 seinen Jungfernflug antreten.

Sonic Cruiser: Eine Stunde schneller nach New York
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Sonic Cruiser: Eine Stunde schneller nach New York

Boeing will nun den "Sonic Cruiser" entwickeln, der mit Mach 0,95 oder mit 95 Prozent der Schallgeschwindigkeit fliegen kann. Das sind auf Meereshöhe gerechnet fast 1200 Kilometer pro Stunde. Damit ist der "Sonic Cruiser" rund 20 Prozent schneller als herkömmliche Maschinen. Transatlantik-Flüge von Europa nach New York verkürzen sich um eine Stunde und Transpazifik-Flüge um drei Stunden.

Nach den Worten von Alan Mulally, Chef der Boeing Commercial Airplanes, ist die Neuentwicklung genau die Maschine, "auf die wir uns nach Meinung unserer Kunden konzentrieren sollten". Der "Sonic Cruiser" könne die "Welt des Fliegens genau so dramatisch verändern wie die Einführung der Düsenmaschinen".

Mulally betonte, die Fluggesellschaften wollten ein Flugzeug haben, "das schneller, höher und leiser über sehr lange Distanzen fliegt". Dies biete den Airlines Direktverbindungen "ohne lästiges Umsteigen und an überlasteten Flughäfen vorbei".

Die Kabine wird für 100 bis 300 Passagieren ausgelegt. Die Reichweite beträgt mehr als 16.600 Kilometer. Damit kann die Maschine von Frankfurt bis Sidney non-stop fliegen. Sie erreicht eine Flughöhe von mehr als 13.000 Metern. Das Flugzeug soll zwischen 2006 und 2008 verfügbar sein. Boeing nannte keine Entwicklungskosten, doch werden sie von Branchenkennern auf neun bis zehn Milliarden Dollar geschätzt.

Die französisch-britische Concorde flog bisher mit rund zweifacher Schallgeschwindigkeit. Ihr Betrieb wurde nach dem schweren Unglück bei Paris im vergangenen Jahr mit 113 Toten eingestellt. Sie war auch wegen der hohen Kosten viel zu teuer für den Masseneinsatz. Airbus sagte, über einen Nachfolgejet für die Concorde denke das Unternehmen nicht nach. "Das ist keine Priorität für uns", sagte ein Sprecher in Toulouse. British Airways sei an neuen Entwicklungen immer interessiert, hieß es in London. Man hoffe, mehr von Boeing zu hören.

Boeing will sich aber die Tür für eine größere 747X-Maschine offen halten, falls die Kunden sie haben wollten, erklärte die Gesellschaft. Der Flugzeugbauer aus Seattle hatte den Jumbo-Markt mit ihren 747-Maschinen mehr als drei Jahrzehnte lang allein kontrolliert.



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