Börse in Not: Eine Seuche namens Subprime

Von Kai Lange

An der Börse geht die Angst um, dass ein Ausverkauf bei schlecht besicherten Hypothekenanleihen bevorsteht. Die Folge wäre eine Kettenreaktion: Nicht nur Hedgefonds, sondern auch Firmenjäger und Konsumenten wären betroffen.

Hamburg - Beim ersten Mal hatten Anleger die schlechten Nachrichten vom US-Immobilienmarkt noch gelassen hingenommen. Ein paar Hypothekenanbieter wie New Century Chart zeigen, die Geld an Kunden mit schwacher Bonität verliehen hatten, waren in Schwierigkeiten geraten, nun ja. Nach einem kurzen Kursrutsch ging es nach wenigen Tagen wieder bergauf.

Skyline von Manhattan: Darlehen wie durchlaufende Posten behandelt
REUTERS

Skyline von Manhattan: Darlehen wie durchlaufende Posten behandelt

Doch nun kehren die Störenfriede zurück. Es sind viele, und sie sind womöglich die Kraft, ein Beben auszulösen. Analysten an der Wall Street sprechen bereits von einem "subprime contagion": Nicht nur für den US-Immobilienmarkt, sondern für den gesamten Finanzmarkt besteht Ansteckungsgefahr.

Die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P) hat gestern die Bremse gezogen und angekündigt, dass sie zweitrangig gedeckte Hypothekenanleihen im Wert von insgesamt rund zwölf Milliarden Dollar überprüfen und möglicherweise herabstufen wird. Viel zu spät, behaupten Kritiker.

Die Kreditwächter gehen also davon aus, dass eine steigende Zahl von Krediten aus diesem Sektor nicht mehr zurückgezahlt werden kann: An der Wall Street reagierten die Indizes mit deutlichen Abschlägen, und auch der Dax Chart zeigen beschleunigte heute seinen Abwärtstrend.

"Kredite wie durchlaufende Posten behandelt"

Das Problem sind nicht nur steigende Zinsen und fallende Immobilienpreise, sondern vor allem die lockere Kreditvergabe in den USA.

Kunden mit geringen oder gar keinen finanziellen Reserven haben in den vergangenen Jahren von ihren Kreditinstituten großzügige Hypothekendarlehen erhalten: Nach einer Untersuchung von Goldman Sachs Chart zeigen wurden 2005 fast 60 Prozent der variabel verzinsten Kredite an Kunden ohne Eigenkapital vergeben. Ein riskantes Spiel, das nur funktioniert, so lange die Zinsen niedrig bleiben und die Häuserpreise steigen. Derzeit geschieht in den USA jedoch das Gegenteil: Steigende Zinsen und fallende Immobilienpreise bringen zahlreiche Schuldner in Schwierigkeiten, es drohen Zwangsversteigerungen und - je nach Erlös - ein teilweiser Ausfall der Kredite.

Dass Schuldner auch mal zahlungsunfähig werden, gehört zum normalen Geschäft. Aus diesem Grunde gibt es Risikoprämien für Kredite: Je weniger finanzielle Sicherheiten ein Schuldner bieten kann, desto höher ist die Risikoprämie. Oder sollte sie zumindest sein.

Wie beim Hütchenspiel

Das Bewusstsein für das Risiko schien den Teilnehmern am schwunghaften Kreditvergabe-Spiel der Wall Street zeitweilig abhanden gekommen zu sein. Viele Banken behielten die schlecht besicherten Kredite nicht in ihren eigenen Büchern, sondern verpackten sie neu, zum Beispiel in die jetzt von S&P herabgestuften Hypothekenanleihen (RMBS-Papiere), und reichten sie an andere Spieler weiter. Zum Beispiel an Hedgefonds.

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