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Börsen-Start-up: Dr. Kimbles elektrischer Hedge Fonds

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Kim Schmitz, Ex-Hacker und selbst ernannte Internet-Legende, plant von Hongkong aus eine zweite Karriere als Fondsmanager. Mit einem Computerprogramm namens Trendax will der Jungunternehmer für seine Investoren sagenhafte Gewinne erwirtschaften.

Trendax-Webseite: Anmutung einer Science-Fiction-Geschichte

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Hamburg - Er hatte sein Comeback angedroht. Laut und für alle vernehmbar, wie es seine Art ist: "Wenn ich wieder oben bin, werde ich es krachen lassen", so Kim Schmitz unlängst in der "Stuttgarter Zeitung". Jetzt hat "Seine Königliche Hoheit König Kimble der Erste" (Schmitz über Schmitz) ein neues Unternehmen gegründet. Und wie immer, wenn Schmitz etwas ausheckt, kommt es im Format XXL daher. Für seine neue, von Hongkong aus operierende Firma Trendax Inc. hat sich Kimble deshalb eine Webseite zimmern lassen, die aussieht, als wolle sie den nächsten Teil des Cyberpunk-Epos "The Matrix" bewerben.

Die Internetpräsenz von "Trendax - The Money Making Machine" ist in iMac-ähnlichem Weiß und Blau gehalten und verfügt über eine Computerstimme (weiblich, emotionslos, kühl). Es funkelt und piepst und hat so gar nichts von dem ansonsten für Vermögensmanager der gehobenen Kategorie typischen Understatement. Dabei ist es genau das, was Kim Schmitz vorhat: Er will nach eigenen Angaben einen Hedge Fonds für Menschen anbieten, die bereit sind, ihm mindestens 50.000 Dollar anzuvertrauen. Vermutlich handelt es sich um ein überschaubares Klientel. Im Gegenzug verspricht die "Legende" (Schmitz über Schmitz) eine jährliche Rendite von 25 Prozent. Mindestens. Laut Verkaufsprospekt ist das die konservative Schätzung. Für den "Best Case" rechnet Trendax mit einer jährlichen Verdopplung des investierten Kapitals.

Wie soll das gehen? Während der Rest der Finanzwelt sich seit mehreren Jahren mit Renditen von höchstens drei oder vier Prozent bescheidet, will Schmitz zusammen mit einem Team namhafter Börsenexperten eine Software entwickelt haben, die automatisch die profitabelsten Handelsstrategien anwendet und menschliche Fondsmanager unnötig macht. Kims elektrischer Aktientrader ist nach Angaben von Trendax zudem mit einer künstlichen Intelligenz (AI) ausgestattet und analysiert neben den gängigen Marktdaten auch noch selbsttätig alle über die Agenturen einlaufenden Nachrichten - ganz ohne menschliches Zutun.

Gewichtiger Marketingmotor

Kim Schmitz: Schwergewichtiger Marketingmotor
REUTERS

Kim Schmitz: Schwergewichtiger Marketingmotor

Auf Anfrage teilte Schmitz per E-Mail aus Hongkong mit, das Trendax-System sei voll funktionsfähig. Lediglich die AI sei noch im Lernstadium: "Natürlich erfordert die AI die Pflege durch Menschen (noch)", so Schmitz. "Solange bis alle Definitionen guter und schlechter Entscheidungen dem System bekannt sind." Dann, in 12 bis 18 Monaten, wenn das System allwissend geworden ist, will Schmitz die Ernte einfahren: "Bis dahin wird Trendax mit einem Trading Account von 300.000 Dollar einen nachweisbaren Track Record erarbeiten." Den Erfolg der Software werde eine "Big Five Accounting Firm" zertifzieren. Ein Notar werde das Ganze danach beglaubigen. "Diese Ergebnisse, und natürlich meine Person, werden der Marketingmotor unserer Trendax Fonds", schreibt Schmitz.

Investoren, die an die Fähigkeiten von Kim Schmitz glauben, können bereits investieren. Unlängst schaltete Schmitz gar eine Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", in der er für sein Start-up warb. "Kim Schmitz bietet Investoren neues Business", hieß es da. Die Resonanz scheint verhalten zu sein: Nach Kimbles Angaben haben bisher lediglich die Gründer von Trendax Mittel in Höhe von 250.000 Dollar in das Unternehmen investiert. In den nächsten Monaten werde man jedoch zwei Millionen Dollar einsammeln, "um die Software zu optimieren und die Investment Fonds zu installieren".

Rendite im Rückwärtsgang

Obwohl der "Trendax-CEO und Gründer" (Schmitz über Schmitz) mit seiner neuen Firma angeblich bereits in Hongkong aktiv ist und in Deutschland Gelder einzuwerben versucht, hat er bisher in keinem der beiden Länder eine Zulassung bei der Börsenaufsicht beantragt. Bei der Securities and Futures Commission (SFC) in Hongkong sind weder er noch sein Unternehmen registriert - obwohl er dies nach den dortigen Gesetzen eigentlich sein müsste.

Auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hat man noch nie etwas von Schmitz' Firma gehört. BAFin-Sprecher Oliver Struck: "Weder der Trendax noch Herr Schmitz haben in Deutschland eine Vertriebsberechtigung beantragt." Mit dem Namen Trendax könnte Schmitz in Deutschland ohnehin Probleme bekommen - denn den hat sich das Tübinger Marktforschungsunternehmen Trendata bereits für eines seiner Computerprogramme schützen lassen.

Dass die "Geldmaschine" Trendax tatsächlich die versprochenen Traumrenditen erwirtschaften kann, versucht Schmitz mit einem Chart zu belegen, der den Trendax von Anfang 2000 bis Anfang 2003 im Vergleich mit dem Dow Jones Industrial Average zeigt. Während der Leitindex Dow in diesem Zeitraum etwa 25 Prozent einbüßte, hätte der Trendax ein Plus von 130 Prozent erzielt, behauptet das Unternehmen. Wie diese Zahl zustande kommt und was so alles im Portfolio des Trendax angelegt wurde, bleibt unklar. Nach Schmitz' Angaben wurde das Trendax-System in einer "Backtesting"-Simulation "mit historischen Markt-Daten gefüttert" - Ergebnis höchst positiv. Ähnlich famose Ergebnisse soll Dr. Kimbles elektronischer Fondsmanager in Zukunft im realen Betrieb erzielen.

Genialische Geister

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Ein weiteres Mysterium ist das Trendax-Team, das im wahrsten Sinne des Wortes schemenhaft bleibt: Auf der Webseite sind lediglich die Umrisse der sechs Experten für "Banking, Trading, Mathematik, Computerwissenschaft, Financial Engineering und Netzwerksicherheit" abgebildet. Laut Werbeprospekt verfügen Schmitz' Experten über "exzellente Referenzen" und kombinieren "einzigartige Fertigkeiten mit einem Hauch von Genialität". So viel Lorbeeren machen neugierig, doch Schmitz weigert sich vor dem offiziellen Starttermin auch nur die Namen der Teammitglieder bekannt zu geben, mit deren Expertise er wirbt. "Nur soviel, unser Team ist eine Symbiose aus Trading Experten und Software Entwicklern auf höchstem intellektuellen Niveau."

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