Börsen-Turbulenzen Dax schlittert weiter ins Minus

Die weltweiten Zinssenkungen haben Europas Börsen nur vorübergehend stabilisiert - nach schlechten Vorgaben aus den USA fielen die Kurse erneut. Der Dax rutschte zwischenzeitlich sogar auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. "Der Sturm ist noch nicht vorbei", sagte ein Händler.


Frankfurt/New York/Tokio - Im Sog der Wall Street ist der Dax am Donnerstag kurz vor Handelsschluss auf ein Drei-Jahres-Tief von 4803 Punkten gefallen. In der Schlussauktion erholte er sich etwas und beendete den Handel 2,5 Prozent im Minus bei 4887 Punkten. Mit 281,8 Millionen Aktien übertraf der Aktienumsatz den Durchschnitt der vergangenen 90 Handelstage (176,8 Millionen Aktien). Börsianer machten die anhaltende Verunsicherung der Anleger für die erneuten Kursverluste verantwortlich.

Ein Händler an der Frankfurter Börse: "Der Sturm noch nicht ganz vorbei"
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Ein Händler an der Frankfurter Börse: "Der Sturm noch nicht ganz vorbei"

Damit zeigt sich: Die Beruhigungsspritze der wichtigsten Notenbanken wirkt immer noch nicht richtig. Nach der gemeinsamen Leitzinssenkung am Mittwoch beruhigten sich die Börsen in Europa zwar zu Beginn ein wenig. Allerdings fielen die Kurse in Asien und später auch in den USA - und zogen damit auch den deutschen Aktienindex Dax Chart zeigen wieder ins Minus.

Zwar stieg der wichtigste deutsche Börsenindex zeitweise um rund zwei Prozent auf knapp 5100 Punkte, schloss dann aber unterhalb der 5000-Punkte-Marke. Gefragt waren vor allem Bankentitel, die nach den dramatischen Kurseinbrüchen der vergangenen Tage im zweistelligen Bereich zulegten. Die Wall Street in New York startete ebenfalls mit Gewinnen in den Handel, drehte dann aber auch ins Minus. In Island wurde der Handel bis Montag komplett ausgesetzt.

"Nach dem Schock von gestern beruhigt sich die Lage nun erstmal wieder ein bisschen", sagte ein Händler in Frankfurt. "Das heißt aber nicht, dass der Sturm schon ganz vorbei ist". Nach Einschätzung einiger Analysten werden Börse und Wirtschaft so lange schwächeln, bis die Immobilienpreise in den USA nicht mehr fallen und die Banken wieder genug Geld zur Verfügung haben.

Gegenbewegung wegen vorausgegangener Einbrüche

Im Dax gehörten die Aktien der Hypo Real Estate Chart zeigen und der Commerzbank Chart zeigen zu den größten Gewinnern. Sie verteuerten sich um sieben Prozent auf 4,41 Euro beziehungsweise um acht Prozent auf 10,755 Euro. Allerdings hatten sie in den vergangenen Tagen auch am stärksten Federn lassen müssen. In London setzten die Titel von HBOS Chart zeigen ihren Höhenflug fort und verteuerten sich um weitere 31,2 Prozent auf 151,96 Pence. Die Aktien der Royal Bank of Scotland Chart zeigen zogen um 5,8 Prozent auf 96 Pence an.

Auch der US-Leitindex Dow Jones Chart zeigen ging fest in den Handel, rutschte dann aber ins Minus. Bis zum Vormittag fiel er um rund zwei Prozent auf etwa 9055 Punkte. Starke Zahlen von IBM Chart zeigen hatten den Händlern zufolge Hoffnung gegeben, dass nicht alle Branchen von der Finanzkrise betroffen seien.

In Asien setzte sich die Talfahrt an den Börsen ebenfalls fort. Der japanische Nikkei Chart zeigen für 225 führende Werte schloss auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. "Selbst wenn es die Regierungen schaffen, die Sorgen um die Finanzkrise und das fehlende Vertrauen zu lindern, bleiben die Ängste um die Wirtschaftsentwicklung bestehen und der Markt wird sich dann darauf konzentrieren", erklärte ein Börsenexperte in Tokio die Nervosität.

Auch der Euro fiel erneut: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,37 Dollar fest. Der Dollar kostete 0,73 Euro. Der Ölpreis zog dagegen wieder leicht an. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI zur Lieferung im November kostete im Nachmittagshandel 89,20 Dollar und damit 25 Cent mehr als am Vortag.

Der Betreiber der isländischen Börse in Reykjavik begründete den Handelsstopp mit der "ungewöhnlichen Marktsituation" auf der Atlantikinsel. Die Regierung musste nacheinander die drei größten Geldhäuser verstaatlichen, um einen "Staatsbankrott" zu verhindern.

sam/dpa/Reuters/dpa-AFX



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