Börsenbeben Goldman-Gewinn bricht ein, Dax stürzt ab

Die nächste US-Investmentbank in der Krise: Der Quartalsgewinn von Goldman Sachs ist um 71 Prozent eingebrochen. Die deutsche Börse reagierte schnell auf diese miese Bilanz - der Dax sackte unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen ab.


New York - 845 Millionen Dollar verdiente Goldman Sachs Chart zeigen im abgelaufenen Quartal unterm Strich. Im Vorjahreszeitraum konnte die Bank noch einen Gewinn von 2,81 Milliarden Dollar ausweisen. Der Umsatz gab um 51 Prozent auf 6,04 Milliarden Dollar nach, wie das Haus am Dienstag mitteilte. Je Aktie sank der Goldman-Gewinn von 6,13 Dollar auf 1,81 Dollar.

Deutsche Börse in Frankfurt: Die miesen Quartalszahlen von Goldman gaben den Händlern den Rest.
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Deutsche Börse in Frankfurt: Die miesen Quartalszahlen von Goldman gaben den Händlern den Rest.

Die miesen Zahlen von Goldman führten endgültig zum Absturz der europäischen Börsenindizes. Der Dax Chart zeigen rutschte unmittelbar nach Bekanntgabe der Quartalsbilanz um rund drei Prozent ab. Der Londoner FTSE 100 Chart zeigen sackte erstmals seit Juni 2005 unter die 5000-Punkte-Marke.

Die Furcht der Anleger vor weiteren Bankenpleiten hat vor allem die Finanzwerte europaweit ins Minus gedrückt. Acht der zehn größten Verlierer im Auswahlindex Stoxx 50 Chart zeigen kamen aus dieser Branche. Das Schlusslicht bildete die britische Bank HBOS Chart zeigen, deren Aktien um bis zu ein Drittel auf 155 Pence einbrachen.

Die Papiere der Schweizer UBS Chart zeigen fielen um über 20 Prozent auf ein Rekordtief. Die Papiere von Fortis Chart zeigen knickten an der Brüsseler Börse um ebenfalls rund 20 Prozent auf 6,68 Euro ein. Im Dax waren die Titel der Commerzbank Chart zeigen mit einem Minus von zwischenzeitlich 16,6 Prozent auf 13,27 Euro die größten Verlierer. Der Aktienkurs der Deutschen Bank Chart zeigen gab um über sechs Prozent nach, Postbank-Aktien Chart zeigen verloren um die zehn Prozent an Wert.

Angst vor dem AIG-Kollaps

Goldman Sachs und Morgan Stanley Chart zeigen sind mittlerweile die einzigen großen unabhängigen Investmentbanken an der Wall Street. Konkurrent Lehman Brothers Chart zeigen stellte am gestrigen Montag Insolvenzantrag, die anderen Wettbewerber Merrill Lynch Chart zeigen und Bear Stearns Chart zeigen wurden verkauft.

Die dramatischen Ereignisse in der Branche haben dieser Tage an den Börsen weltweit für Kursabstürze gesorgt. Mit der Assekuranz AIG Chart zeigen ist zudem der größte US-Versicherer und der Weltmarktzweite in der Branche ins Taumeln geraten. Derzeit wird verzweifelt nach Rettungsmöglichkeiten für den Finanzkonzern gesucht.

Analysten fürchten bei einem Kollaps eine Kettenreaktion. "Wenn AIG zusammenbricht, dann wird es richtig schlimm. Dagegen waren Lehman und Bear Stearns gar nichts", sagte ein Händler. "Die Verwicklungen mit der Finanzwirtschaft sind viel größer als bei den Investmentbanken." Letztlich habe das Ende von Lehman Brothers bewiesen, dass die Messlatte für "zu groß, um unterzugehen" gerade nach oben gesetzt worden sei, sagte Fondsmanager Paul Niven vom britischen Vermögensverwalter F&C. Die AIG-Papiere verloren am heutigen Dienstag erneut um rund 50 Prozent an Wert, nachdem sie am Montag bereits um 60 Prozent und am Freitag um 30 Prozent eingebrochen waren.

Händler verwiesen darauf, dass alle drei großen Ratingagenturen ihre Einstufungen für die Verbindlichkeiten des bis vor kurzem noch weltgrößten Versicherers senkten. Moody's, Standard & Poor's und Fitch schlossen weitere Herabstufungen nicht aus. Dadurch könnten sich für AIG die Kosten der Refinanzierung weiter erhöhen.

Nach der Veröffentlichung der Quartalsbilanz von Goldman warten die nervösen Händler an der Börse nun gespannt auf den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed, der am Abend für etwa 20.15 Uhr MEZ angesetzt ist. Seit der Lehman-Pleite halten viele Experten eine Zinssenkung für möglich, wenn auch nicht unbedingt am heutigen Dienstag. Im Moment gehe es eher darum, das Vertrauen wieder herzustellen, erklärten Börsianer.

Die Zentralbanken kämpfen verzweifelt gegen die Krise. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE) und die Schweizer Nationalbank (SNB) pumpten erneut Milliarden von Euro, Pfund und Franken in den Markt. "Die Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken ist positiv", erklärte Kapitalmarktanalyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors.

ase/dpa-AFX/dpa/Reuters

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