Börsengang der Telekom Von der Volksaktie zum Flop-Papier

Manfred Krug warb äußerst erfolgreich für die T-Aktie: Als der Konzern vor zwölf Jahren an die Börse ging, rissen sich die Anleger um das als "Volksaktie" bejubelte Telekom-Papier. Doch vor acht Jahren platzte die Dotcom-Blase - und der Kurs stürzte ins Bodenlose.


Frankfurt am Main - Die Telekom-Aktie legte an ihrem ersten Tag an der Börse einen Traumstart hin: Am 18. November 1996 stieg das Papier mit umgerechnet 14,57 Euro ein und sprang sofort auf 17,33 Euro. Dem Bund wurden die Aktien nach einer bis dahin nicht gesehenen Werbekampagne förmlich aus den Händen gerissen: Ohne weiteres hätte auch die fünffache Menge der angebotenen Aktien unter die Leute gebracht werden können.

Der zweite Tranche folgte am 28. Juni 1999: Der Aktienkurs hatte sich bis dahin gut entwickelt. Der Vorstandsvorsitzende Ron Sommer kaufte ein Unternehmen nach dem anderen dazu. Dass die Telekom damit Schulden aufhäufte und der Gewinn schon einmal absackte, störte in Zeiten der New Economy und Dotcom-Euphorie kaum jemanden. Anleger weltweit stürzten sich auf alles, was mit Internet oder Telekommunikation zu tun hatte, und die Neuerwerbungen versprachen für die Zukunft fette Gewinne.

Beim zweiten Börsengang lag der Ausgabepreis schon bei 39,50 Euro. Die Tranche war doppelt überzeichnet. Die Aktie marschierte noch am Ausgabetag weiter auf 40,30 Euro. Danach explodierte der Kurs: In weniger als einem Jahr legte der Wert der T-Aktie um gut das Zweieinhalbfache zu, auf einen Kurs von aus heutiger Sicht unglaublichen 103,50 Euro am 6. März 2000.

Es war der Höhepunkt vor dem freien Fall. Nur: Das wussten die Anleger noch nicht, die sich wenig später, beim dritten Börsengang am 19. Juni 2000, auf das Telekompapier stürzten - zum stolzen Ausgabepreis von 66,50 Euro beziehungsweise 63,50 Euro für Frühzeichner. Auch dieses Mal wäre der Bund, in dessen Kassen der Erlös von 15 Milliarden Euro floss, ein Mehrfaches der angebotenen Papiere losgeworden. Die Tranche war 3,5-fach überzeichnet. Ein erstes Alarmzeichen war, dass der Aktienkurs nicht wie nach den vorherigen Börsengängen stieg, sondern schon am Ausgabetag auf 65,79 Euro zurückging.

Doch das war nur der Anfang. Die T-Aktie stürzte ab.

Am 10. September 2001 unterschritt sie den Ausgabekurs des ersten Börsengangs. Am 26. Juni 2002 war die Aktie auf ihrem bisherigen Allzeittief von 8,14 Euro angekommen. Seither warten die frühen Käufer auf eine Erholung, doch die T-Aktie dümpelt nun schon seit fast sechs Jahren um den ersten Kurs von rund 14 Euro - mal etwas höher, mal ein wenig niedriger.

In dem Musterprozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main geht es zunächst nur um den dritten Börsengang im Jahr 2000. Ein weiteres Musterverfahren für den zweiten Börsengang ist angesetzt, aber noch nicht terminiert.

sil/AP



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