Börsenkrise Steinbrück will Rettungsplan für ganze deutsche Finanzbranche

Die Bundesregierung geht in die Offensive: Finanzminister Steinbrück schlägt erstmals ein Maßnahmenpaket zur Stützung des gesamten deutschen Bankensektors vor. Bundesbankchef Weber denkt offen über eine Teilverstaatlichung von Banken in Deutschland nach - die Zeit des Zögerns sei vorbei.


Washington - Deutschland bewegt sich offenbar auf ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stützung des Bankensektors mit stärkerer staatlicher Beteiligung zu. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesbankpräsident Axel Weber sprachen sich am Freitag in Washington für ein solches Paket und gegen die Fortsetzung von Einzelfalllösungen aus.

Bundesbanker Weber, Minister Steinbrück: "Mit Fall-zu-Fall-Regelungen" nicht mehr weiter
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Bundesbanker Weber, Minister Steinbrück: "Mit Fall-zu-Fall-Regelungen" nicht mehr weiter

Beide zeigten sich bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank besorgt über die jüngsten Börsenentwicklungen. "Wir sind in einer Entwicklung, wo die Spiralbewegung nach unten noch einmal deutlich an Fahrt aufgenommen hat", sagte Steinbrück. " Das wird uns aktuell bei unseren Erörterungen beschäftigen", kündigte er mit Blick auf die anstehenden Beratungen der Gruppe der sieben führenden Industriestaaten (G-7) am Freitag in Washington an. Das Risiko einer systemischen Krise sei vorhanden.

Mit Blick auf Deutschland sei er überzeugt, "dass wir mit Fall-zu-Fall-Regelungen nicht mehr weiterkommen", erklärte der Finanzminister. "Wir müssen versuchen, einen Ansatz zu finden, der für den Sektor insgesamt einen stabilisierenden Charakter hat", sagte Steinbrück.

Fragen zur genauen Ausgestaltung wollte er aber nicht beantworten. International müsse es eine "abgestimmte Lösung" geben, die Lösungsansätze unterschieden sich aber von Land zu Land. Ein Lösungsansatz wie in Großbritannien sei "nicht eins zu eins auf jedes andere Land übertragbar".

Bundesbankpräsident Weber äußerte sich ähnlich. "Ich bin der Meinung, dass jetzt eine rasche Eindämmung der Vertrauenskrise und der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten absolute Priorität für alle Verantwortlichen haben muss", sagte er. Alle Staaten müssten versuchen, ihren Finanzinstituten "Hilfe zur Selbsthilfe" zu geben. "In Deutschland bin ich wie der Minister der vollen Überzeugung, dass wir ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stützung des Finanzsektors brauchen", sagte er. "Für mich ist die Alternative, derzeit nichts zu tun, keine Alternative." Ein einzelfallorientierter Ansatz sei nicht sinnvoll, betonte auch Weber.

Eine konzertierte Aktion fordert inzwischen auch die spanische Regierung. In Anbetracht der schweren Finanzkrise sei eine Dringlichkeitssitzung der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone notwendig, sagte Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero. Er bat die französische EU-Präsidentschaft am Freitag in Paris, schnell ein solches Treffen anzuberaumen. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone müssten sich untereinander abstimmen und entschlossen handeln.

Dies sei "ein interessanter, passender und nützlicher Vorschlag", sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy nach einem Arbeitsessen mit dem spanischen Ministerpräsidenten. Er müsse aber mit einigen Leuten "Kontakt aufnehmen", bevor er eine sichere Antwort geben könne.

Am Vormittag schon hatte der britische Premierminister Gordon Brown die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, gemeinsam nach einer globalen Lösung in der Finanzmarktkrise zu suchen. Weltweit müssten neue Richtlinien erarbeitet werden, um das internationale Bankensystem zu reformieren, schrieb Brown in der Freitagausgabe der "Times". Die Krise sei ein "globales Problem", das eine "globale Lösung" brauche.

Andere Länder sollten dem Beispiel Großbritanniens folgen und Garantien für neue Leihgeschäfte unter Banken geben, schrieb Brown weiter. Außerdem müsse die Transparenz der Finanzmärkte mit schärferen internationalen Vorschriften verbessert werden. "Erfolgreiche Marktwirtschaften beruhen auf Vertrauen in das Finanzsystem." Brown bezeichnete die Finanzaufsicht auf nationaler Ebene als "unzureichend" und forderte die sofortige Einrichtung von grenzübergreifenden Institutionen.

mik/dpa/Reuters/AFP



Forum - Das US-Rettungspaket ist beschlossen - bringt es die Erlösung?
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Seite 1
elwu, 03.10.2008
1.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ist das eine Scherzfrage?
systemfeind 03.10.2008
2. ja doch
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
http://www.finanzen.net/aktien/Hypo_Real_Estate-Aktie 7,62 ... (€) na jedenfalls löst es meine Finanzkrise, mein Depot dreht ins +
Danol 03.10.2008
3.
Das ist keine Lösung sondern nur ein weiterer Aufschub der Beschäftigung mit grundsätzlichen Fehlern in der Architektur des Finanzsystems selber. Aber Symptomdokterei gehört in der Politik ja zum guten Ton, Suche nach und beseitigung von Ursachen nicht.
fsiggi2 03.10.2008
4. Dow im Sturzflug
Direkt nach der Abstimmung crasht der Dow 200 Punkte. Sagt alles. Auch die Amerikaner sind laut CNN extrem sauer. Werden interessante Wahlen.
ender, 03.10.2008
5.
Zitat von sysopIm zweiten Anlauf haben die US-Parlamentarier ein milliardenschweres Rettungspaket auf den Weg gebracht. Ist das die Lösung für die weltweite Finanzkrise?
Ja, ich denke, jetzt ist es endlich geschafft. Ab morgen werden sich die ganzen Banker, die Manager, die Politiker, die Richter in Prozessen zu Wirtschaftsdelikten und die Wirtschaftsjournalisten gaaaanz, gaaaanz anders verhalten. So haben Sie sich das ja wohl vorgestellt, oder? Nunja. Ich habe mich bisher immer für einen recht vantasiephollen Menschen gehalten. Aber offenbar, gibt es Leute, die wesentlich mehr davon haben. Die können sich sogar einen vorstellen, dass die Fnanzkrise sich durch lautes Gebell (Bell-laut) vertreiben lässt! ender
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