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Börsenkrise: US-Regierung entwickelt Banken-Rettungsplan

Hoffnung für die in Not geratenen Banken: Die US-Regierung arbeitet an einem umfassenden Rettungsplan, sagte Finanzminister Paulson nach einem Krisentreffen bei Präsident Bush. Weltweit reagierten die Börsen mit einem Kursfeuerwerk.

Washington - Die US-Regierung will einen Rettungsplan für Banken vorlegen, die wegen fauler Kredite in Bedrängnis geraten sind. Der Plan bedürfe aber der Zustimmung des Kongresses, sagte Finanzminister Henry Paulson am Donnerstagabend nach einem Krisentreffen bei Präsident George W. Bush. Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke informierten anschließend führende Politiker des Kongresses über die Regierungspläne.

Präsident Bush: Krisentreffen im Weißen Haus
REUTERS

Präsident Bush: Krisentreffen im Weißen Haus

Die Regierung wolle sich zunächst der Unterstützung des Kongresses versichern, bevor sie das Vorhaben weiterverfolge, hieß es. "Wir beschäftigen uns mit einem Ansatz, die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten anzugehen", sagte Paulson nach den Treffen. "Wir sprachen über eine umfassende Herangehensweise, die per Gesetz das Problem der nicht-liquiden Vermögenswerte in den Bilanzen bewältigen soll." Bernanke beschrieb die Gespräche im Kongress als "sehr, sehr positiv". Er freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Abgeordneten, "um die Finanzkrise zu lösen".

Die Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte: "Wir hoffen, sehr schnell voranzukommen. Tempo ist entscheidend." Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, er erwarte einen Vorschlag binnen Stunden.

Der Sender CNBC berichtet, die US-Regierung denke über eine Auffanglösung für Bankschulden nach. Nach den Überlegungen von Finanzminister Paulson soll sie sich an dem Modell der Resolution Trust Corp. (RTC) orientieren, das die Regierung Ende der achtziger Jahre nach dem Zusammenbruch mehrerer Spar- und Darlehenskassen erfolgreich zur Bekämpfung der damaligen Finanzkrise einsetzte. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und "faule Kredite" gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.

So funktionierte die RTC

Die RTC wurde als staatliches Institut von begrenzter Dauer eingerichtet. Ihre Aufgabe lag darin, von Sparkassen "faule" Kredite zu übernehmen, die von den Gläubigern nicht zuverlässig bedient wurden. Laut Gesetz sollte die RTC "die Aufrechterhaltung, Sanierung und Reform der Finanzinstitutionen" bewerkstelligen. Über die Zwischenergebnisse musste das Institut regelmäßig dem US-Kongress Bericht erstatten. Die RTC wurde vom US-Finanzministerium finanziert, um günstige Kreditkonditionen zu gewährleisten.

Geleitet wurde die RTC von einem fünfköpfigen Direktorium, zu dem der Chef der US-Zentralbank Fed gehörte und an dessen Spitze der Finanzminister stand. In Schwierigkeiten geratene Sparkassen konnten in der RTC ihre notleidenden Kredite unterbringen und sich mit neuer Liquidität versorgen. Das verhinderte nicht, dass zahlreiche Geldinstitute dennoch in Konkurs gingen.

In den sieben Jahren ihrer Existenz übernahm die RTC die Aufsicht über 747 Geldinstitute und verwaltete Guthaben im Gesamtumfang von 394 Milliarden Dollar. Am Ende bilanzierte die RTC Verluste von 75 Milliarden Dollar zu Lasten der Staatskasse. Zwischenzeitlich war es jedoch gelungen, zahlreiche ursprünglich als "faul" eingestufte Kredite so lange zu halten, dass sie sich wieder als rentabel erwiesen.

Vertrauen in die Märkte zurückbringen

Eine Neuauflage einer solchen Lösung würde nach Ansicht ihrer Befürworter die Bilanzen der Banken von Lasten befreien und ihnen einen normalen Geschäftsbetrieb ermöglichen. Auch müssten nicht mehr wie bisher Rettungsaktionen für einzelne Geldhäuser gestartet werden. In der Folge wären Banken eher bereit, Geld zu verleihen. "Das würde echtes Vertrauen in die Märkte zurückbringen", sagte der Chef der US-Investmentgesellschaft Lightyear Capital, Donald Marron, dem Sender CNBC.

In Reaktion auf die mögliche Auffanglösung kletterte der Dow Jones Chart zeigen zum Handelsschluss um 3,86 Prozent auf 11.019 Punkte. Der S&P-500-Index gewann 4,33 Prozent auf 1206 Punkte. Der Nasdaq Chart zeigen kletterte am stärksten, und zwar um 4,78 Prozent auf 2199 Punkte.

Auch die Börsen in Tokio schlossen sehr fest . Der Nikkei Chart zeigen legte um satte 3,76 Prozent auf 11.920 Punkte zu. An den größeren lateinamerikanischen Börsen gab es teils kräftige Gewinne. Im brasilianischen São Paulo schoss der Bovespa-Index um 5,48 Prozent in die Höhe. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt stieg um 4,78 Prozent.

Der Rettungsplan könnte auch der um ihre Zukunft ringenden US-Investmentbank Morgan Stanley Chart zeigen helfen. Das Traditionshaus verhandelt derzeit laut Medien einerseits mit dem viertgrößten US-Finanzkonzern Wachovia Chart zeigen über eine Fusion. Parallel versuche die Bank aber weiter, ihre Unabhängigkeit zu retten - womöglich mit Kapital von Chinas Staatsfonds CIC. Dieser könnte seine Beteiligung von bereits zehn auf bis zu knapp 50 Prozent aufstocken.

Die US-Justiz geht wegen der Börsenturbulenzen inzwischen verschärft gegen Spekulanten vor. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte umfassende Ermittlungen zu böswillig gestreuten Gerüchten und illegalen Praktiken bei Börsenwetten auf fallende Kurse an. Heftige Kursstürze hatten zuletzt Investmentbanken und den US- Versicherer AIG Chart zeigen an den Rande des Abgrunds getrieben oder wie im Fall von Lehman Brothers Chart zeigen sogar in die Insolvenz gestürzt.

ler/ssu/AFP/AP/dpa

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